Der neue Porsche-Chef Michael Leiters arbeitet an seiner Strategie, um das lange sehr erfolgreiche Unternehmen nach zuletzt schlechten Zahlen für die Zukunft fit zu machen. Dazu wird ein Sparpaket mit Stellenabbau erwartet, auch Werksschließungen sollen im Gespräch sein. Mit Blick auf die Strategie bei Antrieben und Modellen wollen das Manager Magazin und der Spiegel Neues wissen.
Der seit Januar amtierende neue Firmenchef soll Porsche demnach wieder zur „Sportwagenschmiede“ machen wollen und die Marke mehr über exklusive Verbrenner-Modelle als über wegweisende Elektroautos definieren. Schon Leiters-Vorgänger und weiter Volkswagen-Konzernchef Oliver Blume hatte die einst ehrgeizigen E-Auto-Pläne Porsches zurückgefahren. Gerade im hochpreisigen, sportlichen Bereich sind Stromer nicht so gefragt, wie noch vor einigen Jahren angenommen.
Einen gemeinsamen Supersportwagen mit der Konzernschwester Lamborghini unter dem Codenamen X11 wird es nach Spiegel-Informationen zwar nicht geben. Stattdessen wolle Leiters aber in Eigenentwicklung einen neuen, zweitürigen Sportwagen auf Basis des 911er mit Achtzylinder-Boxermotor für rund 500.000 Euro bringen. Das intern „S1“ genannte Modell solle „ordentlich Gewinne“ einfahren, jedoch wohl nicht vor 2031 fertig sein.
„Neue Elektroautos haben unter Leiters keine Priorität“
Neue E-Autos hätten unter Leiters dagegen keine Priorität, heißt es. Aus Volkswagens Software-Allianz mit dem US-Elektroautobauer Rivian halte sich Porsche heraus. Anders als VW und Audi hat Porsche wohl kein aktives Entwicklungsprojekt mit den Amerikanern. Vertraglich seien dennoch mindestens 700 Millionen Euro im Jahr vereinbart. Deshalb werde nun erneut geprüft, die als fortschrittlich geltende, allerdings von Grund auf für elektrische Autos entwickelte Rivian-Software in Verbrennermodellen einzusetzen.
Das einst als E-Auto angekündigte neue große Luxus-SUV mit dem internen Namen „K1“ hat Blume bereits in die Dreißigerjahre verschoben und auf Verbrennerantrieb umgeplant. Der neue CEO hat dem aktuellen Bericht zufolge nun auch das zweite Projekt, eine E-Version der Oberklasselimousine Panamera („G4“), „bis weit ins nächste Jahrzehnt“ verlegt. Leiters soll seinen Zukunftsplan auf einem Kapitalmarkttag im Oktober vorstellen wollen. Vieles sei dabei noch offen. Die als Sportlimousine und Shooting Brake gebaute E-Auto-Reihe Taycan zum Beispiel könnte nach dem Auslaufen des aktuellen Modells eventuell sogar ganz gestrichen werden.
E-Auto-Nachfrage geringer als erwartet
Die angepasste Strategie von Ex-Porsche-Chef Blume sieht bereits vor, dass Elektroautos wie die neuesten Generationen von Macan und Cayenne Verbrenner-Pendants erhalten. Und das geplante Luxus-SUV K1 kommt mit klassischen und Hybridantrieben statt als Vollstromer. Ob auch die als E-Autos konzipierten neuen 718-Sportwagen Verbrenner-Alternativen erhalten, bleibt abzuwarten.
Die Verkaufszahlen des Taycan (6219) sowie des Mittelklasse-SUV Macan Electric (15.620) zusammengezählt, setzte Porsche im ersten Halbjahr 2026 insgesamt 21.839 Elektroautos ab. Zum neuen Cayenne Electric veröffentlicht das Unternehmen noch keine Stückzahlen. Im ersten Halbjahr 2025 waren es noch 34.186 elektrische Macan und Taycan gewesen. Für das Gesamtjahr 2026 geht die Marke von einem E-Auto-Anteil zwischen 24 und 26 Prozent aus. Ursprünglich peilte man bis 2030 einen E-Anteil von über 80 Prozent an. Nun verlängert Porsche aber die Laufzeit von Verbrennern und gibt eine eigene Akkufertigung auf.
Wenig Priorität hat unter dem neuen Chef Leiters laut den jüngsten Berichten die von anderen Marken energisch vorangetriebene fortschrittliche Digitalisierung. „Alles fühlt sich an, als hätten wir die Zeit zehn Jahre zurückgespult“, zitiert der Spiegel einen Entwickler. „Während die ganze Branche über Teslas KI-gesteuerte Fahrerassistenz oder das überlegene Infotainment in den Autos des chinesischen Rivalen Xiaomi spricht, sieht Leiters das digitale Erlebnis eher als Hygienefaktor denn als Bereich, in dem Porsche seine begüterten Käufer begeistern muss.“

Julius meint
Oh je
banquo meint
Porsche zeigt mit der gegen jede Überzeugung beschlossene Entwicklung von Verbrenner-Modellen wie wenig Selbstbewußtsein bei der Kundschaft ankommt.
Und es zeigt sich wie wichtig ein Auslaufen fossil betriebener Neuwagen in der EU bis 2035 ist.
CaptainPicard meint
Von Porsche hört man seit zwei Jahren eigentlich nur Gejammer was Elektroautos betrifft. Ehrlich, wann gab es die letzte Meldung wo etwa Porsche davon geschwärmt hat wie toll sich ihre Elektroautos fahren und wie viel besser sie als die Konkurrenz sind? Mir ist schon klar dass sie sich einen größeren Erfolg erhofft haben aber wenn alles was man von Porsche zu Elektroautos hört negativ ist und ständig nur die Rede ist was man alles kürzt und auf Verbrenner umstellt dann schlägt sich das langfristig auch auf die Händler und Kunden durch.
Warum sollte man sich ein Elektroauto von Porsche kaufen wenn das Unternehmen selbst nicht daran glaubt und es offenbar nur als lästig empfindet und nur im Verbrenner ein richtiges Sportauto sieht? Das ist dann eine selbst-erfüllende Prophezeiung, je mehr man Elektroautos aufs Abstellgleis schiebt desto schlechter werden sie sich verkaufen.
Stefan S meint
Wenn sich Porsche da nicht mal verzockt. Die EU Regeln für 2035 zählen ja noch. Aber in dem Markt spielt Klimaschutz ja sowieso keine Rolle. Es wird Zeit die Steuern auf neue Verbrenner an die klimaschädlichen Auswirkungen anzupassen.
Peter meint
Wenn das tatsächlich so stimmt, fährt er Porsche gegen die Wand und macht es zum „One-Trick-Pony“. Und dieser eine Trick, den das Pony dann noch kann, heißt 911. Alles andere wird tot sein. Und die Firma Porsche wird von 40Tsd. Mitarbeitern auf vielleicht 4Tsd. schrumpfen. Schuld wird dann natürlich wieder der Staat sein.