Der Vorstandsvorsitzende der Volkswagen Group, Oliver Blume, fordert von der Europäischen Union die schnelle Einführung höherer Zölle auf chinesische Plug-in-Hybrid-Fahrzeuge. Hintergrund ist einem Bericht von Automotive News zufolge der zunehmende Marktanteil von Herstellern der Volksrepublik im europäischen Segment der Plug-in-Hybride (PHEV).
Nach Daten des Marktforschers Dataforce machten chinesische Marken im ersten Halbjahr 28,3 Prozent der europäischen Verkäufe in diesem Sektor aus, was einem Volumen von 208.368 teilelektrischen Stromern mit Stecker entspricht. Die drei meistverkauften Plug-in-Hybride in Europa waren dabei Modelle aus China: der BYD Seal U, gefolgt vom BYD Atto 2 und dem Jaecoo 7. Der im Vorjahr noch führende VW Tiguan rutschte auf den vierten Platz ab.
„Wir haben keine Zeit zu verlieren“, erklärte Blume laut Automotive News kürzlich gegenüber Analysten während der Bekanntgabe der Ergebnisse für das erste Halbjahr. Die Volkswagen Group hatte zuvor ihre Umsatzprognose für das Jahr 2026 aufgrund von Kosten durch US-Zölle und dem Wettbewerbsdruck aus China nach unten korrigiert.
Blume strebt eine Zollstruktur an, die sich an den bestehenden Abgaben auf in China produzierte rein batterieelektrische Fahrzeuge orientiert. Diese belaufen sich zusätzlich zum schon länger geltenden regulären Importzoll von 10 Prozent auf je nach Hersteller bis zu 35 Prozent. „Die Vorschriften für reine Elektrofahrzeuge funktionieren. Dort sind wir preislich wettbewerbsfähig. Wo es nicht funktioniert, sind die Plug-in-Hybride“, so der Volkswagen-Konzernchef.
„Export ist ihre einzige Chance, erfolgreich zu sein“
Die EU prüft derzeit dem Bericht zufolge zusätzliche Zölle auf chinesische Importe von Plug-in-Hybriden. Automobilhersteller der Volksrepublik zielen zunehmend auf den europäischen Markt mit preislich attraktiven Modellen, da die Verkäufe in ihrem Heimatmarkt aufgrund intensiven Wettbewerbs und schwächelnder Nachfrage zurückgehen. „Die chinesischen Wettbewerber stehen auf ihrem Heimatmarkt unter Druck und der Export ist ihre einzige Chance, erfolgreich zu sein“, so Blume.
Der Volkswagen-Boss forderte auch eine zügige Umsetzung umfassender Schutzmaßnahmen für die europäische Automobilindustrie im Rahmen der geplanten Industriepolitik „Made in Europe“. Diese sollen die europäische Industrie stärken, indem Produktion, Schlüsseltechnologien und Lieferketten verstärkt in der Region angesiedelt werden, um Wettbewerbsfähigkeit, Innovation und wirtschaftliche Unabhängigkeit zu erhöhen.
Die EU wirft China hohe Subventionen für seine Automobilhersteller vor, was für unfairen Wettbewerb sorge. Davor will Brüssel die europäische Branche mit Zöllen und neuen Regularien schützen. Als Reaktion auf die Ende 2024 aktivierten Strafzölle auf ihre Autos wollen immer mehr chinesische Hersteller in Europa produzieren. So könnten sie auch mögliche neue Strafzölle auf Plug-in-Hybride umgehen.

Calimator meint
Herr Blume hat den chinesischen Markt anscheinend schon aufgegeben, wenn er solche Äußerungen tätigt
Futureman meint
Sollten die Zölle auf Hybrid-Fahrzeuge kommen, werden die Chinesen halt reine Verbrenner in Europa verkaufen. Einige chinesische Hersteller wären wahrscheinlich noch froh, denn im eigenen Land will kaum noch jemand reine Verbrenner kaufen.
RudiFaehrtTesla meint
Warum nicht so: Herr Blume möchte sicherstellen, dass die Autos bei uns in Europa immer schön teuer bleiben.
Gernot meint
Die Zölle werden auf Dauer nicht helfen, weil die Chinesen sie umgehen werden, z.B. mit Produktion in anderen Billiglohnländern. Ich warte eigentlich darauf, dass die Chinesen mal das L7e-Segment entdecken und dann damit das Klein(st)wagen-Segment kannibalisieren, in dass sich europäische Anbieter mit BEVs gerade vorarbeiten. Außerdem kann man Zölle nicht nach Belieben festlegen – Deutschland und China halten ja an WTO-Regeln fest,
Preislich wettbewerbsfähig würde VW vielleicht auch mal wieder, wenn sie innovativ wären, eigene Batterieinnovationen hätten, bei BEV mehr vertikale Integration hätten und nicht chinesische Batterieinnovationen teuer einkaufen müssten.
Gerade auch im Softwarebereich ist VW so grauenhaft schlecht. Mit dem API-Debakel hat VW wissentlich zigtausenden BEV-Kunden ihre Smarthome-Integrationen bzw. intelligente Ladelösungen wie EVCC zerschossen. VW zeigt den Kunden da den ausgestreckten Mittelfinger. Sowas wie z.B. Unit-Tests scheint VW in der Software-Entwicklung nicht zu kennen. Es ist krass, was für neue völlig offensichtliche Fehler die bei App-Updates immer einbauen (z.B. bei Cupra). Ein Update und die Routen-/Ladeplanung in der App funktioniert bei niemandem mehr. Nächstes Update: Routen-/Ladeplanung funktioniert wieder, aber nun wird bei jedem Tavascan fehlerhafterweise angezeigt, dass die Inspektion fällig ist. Usw. usf. Bei so viel Inkompetenz schützen auch Zölle nicht vor Kundenverlust. Und dann setzen auch Massenentlassungen nicht am ursächlichen Problem an: Management-Inkompetenz.
BEV meint
auch für chinesische Technik, die bei VW eingesetzt wird?
oder für chinesische Autos, die zukünftig in VW Werken gebaut werden?
oder für europäische VW Werke, die an chinesische Firmen verkauft werden?