Die Elektromobilität erreicht weltweit einen neuen Meilenstein: Im Jahr 2025 war jedes vierte neu verkaufte Fahrzeug ein Elektroauto. Die Transformation des globalen Automobilmarktes schreitet damit schneller voran als je zuvor. Zu diesem Ergebnis kommt die siebte Ausgabe des „EV Charging Index“ der Unternehmensberater von Roland Berger.
Im Jahr 2025 stiegen demnach die weltweiten Verkäufe von Elektrofahrzeugen um mehr als 20 Prozent. Besonders Europa verzeichnete nach einem schwachen Vorjahr eine deutliche Erholung: Die Verkäufe legten um rund ein Drittel auf 3,7 Millionen Fahrzeuge zu. Damit erreichte die Elektromobilität in Europa einen Anteil von nahezu 30 Prozent an allen Neuwagenverkäufen. In Nordamerika dagegen führten politische Unsicherheiten und eine schwächere Konsumentenstimmung zu einer rückläufigen Marktentwicklung.
„Die nächste Phase der Elektromobilität entscheidet sich nicht mehr allein durch Fahrzeuge, sondern an der Ladesäule. Europas und Deutschlands Aufgabe ist klar: Das rasante Wachstum der E-Mobilität muss mit einem Ladeangebot einhergehen, das den Bedürfnissen der E-Auto-Fahrer von morgen gerecht wird“, sagt Martin Weissbart von Roland Berger.
Weltweit 2025 rund 1,1 Millionen neue öffentliche Ladepunkte installiert
Weltweit wurden 2025 rund 1,1 Millionen neue öffentliche Ladepunkte installiert, ein leichter Rückgang im Vergleich zum Vorjahr. Dies ist den Analysten zufolge kein Zeichen nachlassender Investitionen, sondern Ausdruck eines reifenden Marktes: Der Fokus verschiebt sich vom reinen Netzausbau hin zur Leistungsfähigkeit der Infrastruktur sowie schnellem und ultraschnellem (150 kW+) Laden. Dafür sorgen die steigende Nachfrage nach kurzen Ladezeiten und die zunehmende wirtschaftliche Attraktivität der Schnellladesäulen.
China bleibt Taktgeber der Elektromobilität. Das Land hat nicht nur die Marke von 50 Prozent Elektrofahrzeuganteil bei den Neuzulassungen überschritten, sondern prägt die globale Branche zunehmend durch seine technologische Führungsrolle und Kostenvorteile. Dieser Vorsprung zeigt sich auch beim Ausbau der Ladeinfrastruktur: In der Volksrepublik ist bereits fast jeder zweite öffentliche Ladepunkt ein Schnell- oder Ultraschnelllader, in Europa dagegen nur gut jeder fünfte.
Gleichzeitig tritt die Ladeinfrastruktur in eine neue Entwicklungsphase ein. In den vergangenen Jahren haben Betreiber massiv in Schnellladenetze investiert und damit Engpässe beseitigt, die viele E-Autofahrer in der frühen Marktphase noch als Hindernis wahrgenommen haben. Mit dem weiteren Hochlauf der Elektromobilität wächst die Zahl der Elektrofahrzeuge inzwischen wieder schneller als die Schnellladeinfrastruktur.
„In Westeuropa kommen derzeit durchschnittlich rund 45 batterieelektrische Fahrzeuge auf einen Schnellladepunkt“, so Roland Berger. „Dieses vergleichsweise niedrige Verhältnis zeigt, dass die Ladeinfrastruktur bislang mit der steigenden Nachfrage Schritt hält. Gleichzeitig eröffnet es Potenzial für eine höhere Auslastung der bestehenden Netze und damit für eine verbesserte Wirtschaftlichkeit der Infrastruktur in den kommenden Jahren.“

David meint
Die China Stories der Unternehmensberatungen „vergessen“, dass in China die private Wallbox praktisch keine Rolle spielt. Nicht einmal Arbeitgeber dort denken im Traum daran, Ladevorrichtungen anzubieten. Du musst dort also statt zum tanken zum laden fahren.
Das ist bei uns zu einem Großteil anders und es wird weiter in die Richtung gehen. Denn es ist absehbar, dass in den nächsten zehn Jahren in vielen Wohnanlagen eine Ladelösung installiert wird. Und ebenso ist noch eine zweistellige Millionenzahl von Ein- und Zweifamilienhäuser ohne Wallbox. Man kann davon ausgehen, dass im Zielbild dreiviertel aller Haushalte einen eigenen Stromanschluss zur Versorgung des Elektroautos haben werden.
Damit will ich nicht sagen, dass es unzumutbar ist, nur im öffentlichen Raum zu laden. Aber es ist schon großer Komfort, eine eigene Tankstelle zu besitzen. Komfort, den die Chinesen nicht haben.
South meint
Das trifft genau den Punkt. Ultraschnelles Laden muss einfach in den Alltag der Kunden integrierbar sein, denn es hat nicht jeder die Möglichkeit daheim oder in der Arbeit zu Laden. Am Supermarkt, Drogeriemarkt, Baumarkt, am Fitnesscenter, Baumarkt, Naherholungsgebiet, Restaurant, Bahnhof… wo man eben mit dem Auto hinfährt und etwas Zeit verbringt. Dafür muss aber die Infrastruktur geschaffen werden und auch sehr schnellladefähige eAutos breit auf den Markt kommen. Ein Erstauto muss sowas können, Stichwort 800V Laden, oder es kommt für einen bedeutenden Kundekreis nicht infrage, was sich superklar perspektivisch auf den Restwert auswirkt. Es gibt heute schon einige Modelle, welche das können, aber in wenigen Jahren ist das der Standard…
Jörg2 meint
Mir fehlt in dieser Betrachtung der Punkt „Ladekarten, Roaming, Preisspreizung zw. Abo und ad-hoc“.
Ladesäulen gibt es langsam genug. Die Bezahlerei sollte sich zügig in Richtung „wie an der Sprittanke“ entwickeln. DAMIT würden Hemmnisse bei „DieselDieter“ auch zügig abgebaut.