Das chinesische Unternehmen SuperPanther hat kürzlich bei Steyr Automotive im österreichischen Steyr die Serienproduktion des eTopas 600 aufgenommen. Ende Juli lief die erste seriengefertigte elektrische 4×2-Sattelzugmaschine vom Band. Mit dem Produktionsstart wurden erstmals Fahrzeuge an Kunden ausgeliefert.
Der Elektro-Schwer-Lkw wurde in China entwickelt und wird im Rahmen einer lokalen Industriepartnerschaft in Europa gefertigt. Vormontierte Module werden bei Steyr Automotive in die Endmontage integriert. Das Unternehmen übernimmt außerdem die Inbetriebnahme und Qualitätsabnahme der Elektrofahrzeuge.
SuperPanther liefert unter anderem die Zweimotor-Elektroachse, die Hochvolt-Leistungselektronik und das Thermomanagementsystem. Weitere Systeme und Komponenten stammen von europäischen Industriepartnern wie ZF, Schaeffler, Aumovio, Infineon, Michelin, Continental, Goodyear und Castrol.
„Europa braucht keinen weiteren importierten Lkw. Europa braucht einen Industriepartner“, sagt Chao Liu, CEO von SuperPanther. „Genau diesen Ansatz verfolgen wir von Anfang an. Indem wir unsere Technologieplattform mit europäischer Fertigung, Validierung und Servicekompetenz verbinden, entwickeln wir ein Produkt für Europa, gemeinsam mit Europa.“
SuperPanther übergab seriengefertigte Fahrzeuge an vier Erstkunden: an das Logistikunternehmen DHL, einen langjährigen Praxispartner der Chinesen, an den deutschen Transport- und Logistikdienstleister Gress, an Österreichs umsatzstärksten Einzelhändler Temmel, bei dem der eTopas 600 bereits im regulären Einsatz fährt, sowie an Lontex, ein Nutzfahrzeug-Serviceunternehmen in Polen und Tschechien. Damit startet der reguläre kommerzielle Betrieb des eTopas 600 in Deutschland, den Niederlanden, Österreich, Polen und der Tschechischen Republik.
621-kWh-LFP-Batterie für 600+ Kilometer pro Ladung
Der eTopas 600 ist für ein Gesamtzuggewicht von 42 Tonnen ausgelegt und hat ein Leergewicht von 10,8 Tonnen. Seine Dualmotor-Elektroachse leistet dauerhaft 394 kW/536 PS und erreicht eine Spitzenleistung von 692 kW/941 PS. Das 876-Volt-System nutzt eine 621-kWh-Batterie mit Lithium-Eisenphosphat-Technologie (LFP) von CATL, die für bis zu 4500 vollständige Ladezyklen ausgelegt ist. Für die Batterie wird eine Lebensdauer von bis zu 1,2 Millionen Kilometern oder acht Jahren genannt.
Seit März 2026 hat die Kundentestflotte in Deutschland und Österreich im Realbetrieb mehr als 70.000 Kilometer zurückgelegt. „Über verschiedene Strecken, Nutzlasten und Einsatzzyklen hinweg lag der durchschnittliche Energieverbrauch bei rund 0,94 kWh pro Kilometer“, berichtet SuperPanthers Europa-Chef Michael Ruf. „Diese Effizienz entsteht nicht durch eine einzelne Komponente, sondern durch das Zusammenspiel unserer intern entwickelten Kernsysteme.“ Die softwaredefinierte Fahrzeugarchitektur optimiere Antriebsstrang, Thermomanagement, Leistungselektronik und Energiemanagement laufend und verzahne sie zu einem integrierten Gesamtsystem.
Das E-Fahrzeug verfügt auf beiden Seiten über CCS2-Anschlüsse und kann gleichzeitig an zwei Ladepunkten geladen werden. In Praxistests erreichte die Dual-Schnellladefunktion den Angaben zufolge bis zu 646,7 kW Spitzenleistung und durchschnittlich stabile 635 kW. Mit zwei geeigneten CCS2-Ladepunkten ließ sich der Ladezustand in weniger als 38 Minuten von 20 auf 80 Prozent erhöhen.
Unter realen europäischen Betriebsbedingungen mit gemischter Zuladung soll der eTopas 600 rund 600 Kilometer Reichweite schaffen, ohne die Batterie vollständig zu entladen. Das Thermomanagementsystem mit Niedertemperatur-Wärmepumpe ist für Umgebungstemperaturen von −35 bis +40 Grad Celsius ausgelegt.
Für Wartung und Reparatur arbeitet SuperPanther mit dem Werkstattnetzwerk Alltrucks samt 24/7-Pannendienst zusammen und baut Programme für Servicetechniker, Ersatzteillogistik, Ferndiagnose und drahtlose Softwareaktualisierungen auf.

Thomas meint
Damit sind die kuscheligen Zeiten, in denen Mercedes &Co. 400.000 Euro für einen schnöden Akku-LKW verlangen konnten, wohl vorbei.
Endlich, Konkurrenz belebt das Geschäft.
Futureman meint
Bevor überhaupt der Gedanke für Zölle aufkommt, bauen die Chinesen einfach gleich in Europa. Das kann spannend werden, wie offen die Spediteure für neue Anbieter sind.
David meint
Da hat man den eActros 600 nachgebaut. Das ist aber nicht schlimm. Denn signifikante Marktanteile wird es nicht geben. Chinesische Hersteller sind für einen guten ESG-Score mittelfristig nicht hilfreich. Außerdem bleibt ja das große Thema Service und Ersatzteile. Trotzdem wird es vielleicht die Preise ein bisschen verderben. Hoffen sicher so einige Spediteure.
Michael meint
Wer da was nachgebaut hat ist nicht so klar. In China gibt es schon lange eLKW und die Batterie kommt auf jeden Fall aus China. Wir können froh sein wenn wir in Europa dominieren, weltweit gibt es nur chinesische eLKW.
Ben meint
Müsstes du nicht eigendlich lang und breit erklären wie dumm es war einen Mercedes nachzubauen anstatt wines MAN, ist ja schließlich deine Aufgabe als bezahlter VW Schreiberling.
Gunnar meint
Akku identisch zum eActros600, auch der Verbrauch ist sehr niedrig. Sehr gut.
Der Ansatz mit zwei CCS-Buchsen, die zeitgleich genutzt werden können, muss sich allerdings noch in der Praxis beweisen. Sobald eine Ladesäule nur ein bissl zu weit weg steht, geht der Plan nicht auf.