Mit dem Ausbau der Elektromobilität entsteht ein stark vernetztes System aus Ladepunkten, Plattformen, Partnern, Protokollen und Datenströmen. Ein Ladevorgang bindet unter anderem E-Mobility-Service-Provider, Charge-Point-Operator, Backends, Abrechnung, Roaming, Fahrzeuge, Netzbetreiber und zunehmend intelligente Energiemanagementsysteme ein. Mit der stärkeren Interaktion dieser Komponenten wächst die Angriffsfläche, warnt der Branchenexperte NTT DATA.
Nicht nur der Ladepunkt selbst kann demnach Ziel eines Angriffs sein. Kriminelle können dort ansetzen, wo die Ladeinfrastruktur mit anderen Systemen kommuniziert, etwa bei einem Verschlüsselungssystem, einem Dienstleister oder einem Backend. Ein kompromittiertes Glied kann Zugriff auf angeschlossene Ladepunkte, Kundendaten oder das Energienetz ermöglichen, ohne dass dafür ein direkter Zugang zur Ladeinfrastruktur nötig ist.
Cyberangriffe auf Smart-Charging-Systeme müssen die Infrastruktur nicht unmittelbar lahmlegen. Veränderte Zählerstände, verfälschte Abrechnungsdaten, kompromittierte Kundendaten oder veränderte Ladeparameter können zunächst nur einzelne Auffälligkeiten verursachen und sich über verbundene Systeme weiter ausbreiten. Betreiber müssen deshalb ungewöhnliche Veränderungen in Kommunikationsmustern, Geräteverhalten oder Steuerungsparametern erkennen sowie Integrität und Authentizität übertragener Daten kontinuierlich überprüfen.
Vernetzung vergrößert die Angriffsfläche
Digitale Identitäten und Zertifikate spielen bei Plug-and-Charge-Szenarien nach ISO 15118-2 eine wichtige Rolle. Wird ein Zertifikat gestohlen oder eine Identität kompromittiert, kann ein Angreifer eine legitime Kommunikationsbeziehung vortäuschen. Dabei kann die Ladesäule weiterhin funktionieren und der Ladevorgang starten, während im Hintergrund eine falsche Identität kommuniziert oder ein Datenstrom manipuliert wird.
Mit Vehicle-to-Grid (V2G) und Vehicle-to-Home (V2H) können Elektrofahrzeuge nicht nur Energie beziehen, sondern auch zurückgeben. Werden Lastmanagementparameter gezielt verändert, können zahlreiche Ladepunkte gleichzeitig aktiviert, deaktiviert oder in ihrer Leistung verändert werden. Koordinierte Manipulationen vieler Systeme können Lastspitzen oder andere unerwünschte Schalthandlungen verursachen und dadurch die Stabilität des kompletten Stromnetzes gefährden.
„Die Herausforderung bei Smart Charging besteht nicht darin, einen einzelnen Ladepunkt abzusichern. Entscheidend ist der Schutz der gesamten Prozesskette, was eine End-to-End-Überwachung aller Kommunikations- und Steuerungspfade einschließt. Nur so lässt sich verhindern, dass aus einer lokalen Schwachstelle ein systemisches Risiko entsteht“, sagt Konrad Fels von NTT DATA.
„Technologisch braucht es dafür unter anderem Zero-Trust-Prinzipien, Netzwerksegmentierung, sichere Firmware-Updates, kontinuierliches Monitoring und ein professionelles Zertifikats- und Schlüsselmanagement. Ebenso wichtig ist ein systematisches Threat Modeling: Unternehmen müssen nachvollziehen, über welche Pfade sich ein Angreifer durch das Ökosystem bewegen könnte und an welchen Stellen ein Vorfall besonders hohe Auswirkungen hätte.“

David meint
Ja, in einer vernetzten Welt ist Sicherheit ein wichtiges Asset. Hier wird auf die ISO 15118-20 referenziert. Die ist kryptografisch abgesichert. Man darf aber nicht vergessen, dass es viel heiklere Systeme gibt: Das ist Autocharge und Teslas Ladesystem. Zwei proprietäre Verfahren mit entsprechendem Risikopotenzial.
Futureman meint
Schlaue Länder sehen die Chancen der intelligenten Vernetzung, Deutschland schürt mal wieder Angst. Trotzdem sitzen 99% der Handynutzer heute wieder vor irgendwelchen Apps und geben ihre Daten preis.