Europa steht vor der Entscheidung, wie der Rahmen für erneuerbare Energien für das Jahrzehnt nach 2030 gestaltet werden soll. Im Verkehrsbereich geht es dabei um die Frage, ob die Region weiter von importiertem Öl und fossilen Brennstoffen abhängig bleibt oder stärker auf europäischen Strom setzt. Die EU-Erneuerbare-Energien-Richtlinie hat die Dekarbonisierung des Verkehrs bislang vor allem als Ersatz von Benzin und Diesel durch alternative Kraftstoffe wie Biokraftstoffe oder E-Fuels behandelt.
Direkte Elektrifizierung kann den Energiebedarf im Verkehr durch Effizienzgewinne verringern. Deshalb wird sie sowohl als Maßnahme für den Klimaschutz als auch für die Energiesicherheit gesehen. Die Umweltorganisation Transport & Environment (T&E) fordert von der Politik, weniger Öl sowie fossile und nicht nachhaltige Kraftstoffe zu importieren und stattdessen die heimische Stromproduktion zu priorisieren.
„In unserer jüngsten Studie zeigen wir, dass das nächste Ziel für erneuerbare Energien im Verkehrssektor stark davon abhängen wird, ob die EU die politischen Maßnahmen zur Förderung der Elektrifizierung des Straßenverkehrs – insbesondere die CO₂-Grenzwerte für Pkw – beibehält“, so T&E. „Das Modell untersucht verschiedene gesetzliche Wege zur Elektrifizierung in der EU. Die Ergebnisse sind eindeutig: Eine Lockerung der CO₂-Grenzwerte für Pkw würde es zwar ermöglichen, ein ähnliches Gesamtziel für erneuerbare Energien zu erreichen, jedoch nur durch eine deutlich stärkere Abhängigkeit von knappen und importierten alternativen Kraftstoffen.“
Bei einem Pfad mit hoher Elektrifizierung könnte Strom demnach einen großen Beitrag zum Ziel für erneuerbare Energien im Verkehr leisten, während knappe, nachhaltig beschaffte Kraftstoffe für Luft- und Schifffahrt eingesetzt werden. Die Importabhängigkeit des EU-Verkehrs könnte bis 2040 gegenüber dem heutigen Niveau um fast ein Viertel sinken und damit rund 15 Prozent niedriger liegen als bei Pfaden mit geringer Elektrifizierung. Eine schwächere Elektrifizierung von Autos würde demgegenüber in die entgegengesetzte Richtung führen.
Für das Verkehrsziel bei erneuerbaren Energien im Jahr 2040 werden von T&E ambitionierte Elektrifizierungsmaßnahmen und ein entsprechend höherer Beitrag erneuerbaren Stroms gefordert. Andernfalls werde Europa länger von schwankungsanfälligen Importen abhängig bleiben, erklärt die Umweltorganisation.

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