Die Umweltorganisation Transport & Environment (T&E) fordert die Bundesregierung auf, an der nächsten Korrektur des Nutzfaktors für Plug-in-Hybride festzuhalten, damit die Fahrzeuge verbessert und Verbraucher nicht getäuscht würden. Das Betanken eines solchen Wagens koste Autofahrer pro Jahr bis zu 680 Euro mehr als von den Herstellern angegeben.
Der Unterschied zwischen den offiziellen CO2-Angaben für Plug-in-Hybride (PHEVs) und ihren tatsächlichen Emissionen im Realbetrieb nimmt laut der Organisation weiter zu. Eine T&E-Analyse der neusten verfügbaren Emissionsdaten von PHEVs zeigt, dass 2024 zugelassene Modelle im realen Fahrbetrieb etwa sechsmal so viel CO2 ausgestoßen haben wie offiziell angegeben. 2023 war es noch fünfmal so viel. Die Differenz zwischen offiziellen Angaben und Realbetrieb kostete den Fahrer eines 2024 verkauften PHEVs im Schnitt 680 Euro zusätzlich pro Jahr für Sprit.
T&Es Analyse der Daten der Europäischen Umweltagentur zeigt, dass die tatsächlichen Emissionen von PHEVs nur 14 Prozent niedriger sind als die von herkömmlichen Verbrennern und Hybriden, obwohl offizielle Testwerte eine Reduzierung um 83 Prozent angeben. Selbst wenn ein Fahrzeug im Batteriemodus fährt, läuft der Verbrennungsmotor bei etwa einem Drittel der gefahrenen Kilometer mit, so die Auswertung von T&E.
Die EU geht die Diskrepanz zwischen den tatsächlichen Emissionen und den offiziellen Werten an, indem sie den sogenannten „Nutzfaktor“ anpasst. Dieser legt bei der Berechnung der offiziellen PHEV-Emissionen den Anteil der elektrischen Fahrten fest. T&Es Analysen zeigen, dass die erste Anpassung im Jahr 2025/26 die Hersteller bereits dazu veranlasst hat, größere Batterien einzubauen und die elektrische Reichweite zu erhöhen. Dem Bericht zufolge gleicht die längere elektrische Reichweite drei Viertel des durch den Nutzfaktor bedingten Anstiegs der offiziellen CO2-Emissionen bei den überarbeiteten Modellen aus.
Die Analyse zeigt auch, dass weitere Fortschritte bei Technologie und Design die Emissionen unter 50 Gramm CO₂ pro Kilometer (gCO₂/km) halten könnten, sobald die EU-Emissionsvorschriften für PHEVs weiter angepasst werden. Da die nächste Anpassung der PHEV-Vorschriften im November 2026 in Kraft treten soll, fordert T&E die Bundesregierung auf, diese beizubehalten, um die tatsächlichen Emissionen von PHEVs besser zu erfassen. Diese Warnung erfolge vor dem Hintergrund, dass Deutschland im Rahmen der aktuellen Verhandlungen mit Frankreich über ein umfassenderes Automobilpaket darauf dränge, die anstehende Anpassung des PHEV-Nutzungsfaktors auszusetzen.
„Die anstehende Korrektur einzufrieren käme einer Manipulation der Emissionsberechnung für Autos in Europa gleich“, sagt Susanne Goetz, Senior-Referentin E-Mobilität bei T&E Deutschland. „Sollte sich Deutschland durchsetzen, würden die Autohersteller weiterhin die elektrische Fahrleistung von Plug-in-Hybriden zu hoch angeben. Unterm Strich heißt das für die Verbraucherinnen und Verbraucher: höhere Kraftstoffkosten. Gleichzeitig wird so Europas Öl-Abhängigkeit unnötig verlängert. Die Korrektur des Nutzfaktors bewirkt mehr als nur die Berichtigung irreführender Emissionsangaben. Sie zwingt die Autohersteller dazu, die wirkliche Reichweite von PHEVs zu verbessern.“
T&E hat 20 der meistverkauften Modelle analysiert, auf die 51 Prozent der Verkäufe im Jahr 2025 entfielen. Der Volkswagen-Konzern führte infolge der Nutzfaktor-Korrektur im Jahr 2025 die wirkungsvollsten Upgrades ein. Durch Verbesserungen bei fünf VW-Modellen seien 90 Prozent des mit der Korrektur verbundenen Anstiegs der offiziellen Emissionen ausgeglichen worden. Beispielsweise habe sich die elektrische Reichweite des VW Tiguan von 55 auf 119 Kilometer mehr als verdoppelt, wodurch die offiziellen Emissionen bei 36 gCO2/km gehalten werden konnten (verglichen mit 32 gCO2/km vor der Korrektur). Das helfe Fahrzeughaltern, Kraftstoff zu sparen, indem sie länger im Elektromodus fahren können.
Hersteller könnten ihre Fahrzeuge bei der nächsten Korrektur des Nutzfaktors durch eine höhere elektrische Reichweite, mehr Effizienz im Verbrennungsmodus, verbesserte Aerodynamik, leichtere Materialien und eine effizientere Energierückgewinnung weiter optimieren. Ein Einfrieren der Vorschriften auf dem Niveau von 2025–2026 würde laut T&E dazu führen, dass die tatsächlichen Emissionen von PHEVs weiterhin um 56 Prozent unterschätzt würden. Im Umkehrschluss bedeute das, dass die Hersteller deutlich weniger E-Autos verkaufen müssen, um das CO2-Ziel für 2030 einzuhalten.
„Ein Jahrzehnt nach dem Dieselskandal ist es unerhört, dass Europa erneut darüber debattiert, ob weiterhin irreführende Emissionswerte für Autos verwendet werden dürfen“, kritisiert Goetz. „In den laufenden Verhandlungen über die Flottengrenzwerte für Pkw stehen das Europäische Parlament und der Rat vor einer klaren Wahl: den Geldbeutel der Autofahrer schützen oder den Herstellern erlauben, die Verbraucher weiter in die Irre zu führen. Die Fahrer verdienen die Wahrheit und nicht noch einen faulen Kompromiss zum Schutz der Herstellergewinne, der letztendlich die Verbraucher Hunderte von Euro pro Jahr zusätzlich kostet.“

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