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Mate Rimac setzt auf Batterien, Energiespeicher und Robotaxis

30.10.2026 in Autoindustrie von Thomas Langenbucher | Kommentieren

Mate-Rimac-Nevera

Bild: Rimac

Mate Rimac treibt den Ausbau seiner Unternehmensgruppe voran und setzt dabei zunehmend auf Geschäftsfelder außerhalb der Autoindustrie. Neben der Entwicklung von Elektro-Supersportwagen und der Lieferung von Batterietechnik für Hersteller wie BMW und Porsche gewinnen Energiespeichersysteme und autonome Mobilität an Bedeutung. Gleichzeitig stellt der kroatische Unternehmer im Gespräch mit Automotive News die wirtschaftlichen Perspektiven rein elektrischer Supersportwagen infrage und sieht Europas Autobauer im Wettbewerb mit China vor erheblichen Herausforderungen. Besonders großes Veränderungspotenzial schreibt er dem autonomen Fahren und Robotaxis zu.

Der 38-jährige Unternehmer gründete 2009 den Elektro-Supersportwagen-Hersteller Rimac und ist heute Präsident der Rimac Group sowie CEO von Bugatti Rimac. Die Unternehmensgruppe umfasst vier eigenständig geführte Gesellschaften: Bugatti Rimac, Rimac Technology, Rimac Energy und den Robotaxi-Anbieter Verne. Auf einem 100.000 Quadratmeter großen Campus nahe Zagreb wurden rund 130 Millionen Euro in Gebäude und weitere 300 Millionen Euro in Produktionsanlagen investiert. Die Kapazitäten sind bereits vollständig ausgelastet, weshalb das Unternehmen eine Erweiterung erwägt.

Bugatti Rimac beschäftigt rund 1000 Mitarbeiter und erwirtschaftete im vergangenen Jahr 640 Millionen Euro Umsatz sowie ein EBITDA von 200 Millionen Euro. Rimac Technology verfügt dem Gründer zufolge mit 1200 Beschäftigten über Aufträge von Automobilherstellern im Wert von fünf Milliarden Euro und steigerte seinen Jahresumsatz innerhalb weniger Jahre von weniger als 100 Millionen auf zuletzt 250 Millionen Euro. Für das laufende Jahr erwartet Rimac rund 350 Millionen Euro Umsatz, im folgenden Jahr soll sich dieser Betrag verdoppeln.

Zu den öffentlich bekannten Kunden von Rimac Technology zählen BMW, Porsche und der saudi-arabische Elektroautobauer Ceer. Mit BMW wurde der i7 als erstes Fahrzeug mit gemeinsam entwickelter Technologie angekündigt, zwei weitere Modelle befinden sich in Vorbereitung. Für den Porsche 911 GTS T-Hybrid liefert Rimac ein speziell entwickeltes Lithium-Ionen-Batteriepaket mit 1,9 Kilowattstunden und 400 Volt, während Ceer vollständig integrierte elektrische Antriebssysteme erhält.

Rimac Energy beschäftigt 60 Mitarbeiter, entwickelt stationäre Energiespeicher unter anderem für Rechenzentren und hat laut Mate Rimac Verträge mit Energieanbietern im Wert von mehr als einer Milliarde Euro unterzeichnet. Der Robotaxi-Anbieter Verne mit rund 150 Beschäftigten hat nach seinen Angaben den ersten kommerziellen Robotaxi-Dienst Europas gestartet und arbeitet unter anderem mit Uber zusammen.

Mate Rimac sieht sowohl bei autonomen Fahrzeugen als auch bei Energiespeichern erhebliches Potenzial, während er im klassischen Automobilzuliefergeschäft auf vergleichsweise geringe Gewinnmargen verweist. Das größte Potenzial zur Wertschöpfung schreibt er Bugatti Rimac zu, wo kürzlich eine Transaktion über eine Milliarde Euro mit Beteiligung von Private-Equity-Fonds abgeschlossen wurde.

Mate Rimac über Wachstum, E-Mobilität und Wettbewerb

Rimac Technology soll seine Kompetenzen bei Batterien, elektrischen Antrieben, Elektronik und Software künftig verstärkt außerhalb der Automobilbranche einsetzen, ohne das bestehende Produktportfolio auszuweiten. Mate Rimac begründet diese Ausrichtung damit, dass sein Unternehmen mit Aufträgen im Wert von fünf Milliarden Euro die ursprünglichen Ziele im Automobilzuliefergeschäft bereits weit übertroffen habe.

Zugleich hat Mate Rimac seine Einschätzung zur kommerziellen Attraktivität rein elektrischer Supersportwagen geändert. Den vollelektrischen Nevera mit vier einzeln angetriebenen Rädern würde er aus technischer Perspektive erneut entwickeln, wirtschaftlich hält er diese Entscheidung unter heutigen Marktbedingungen jedoch für falsch.

Rückmeldungen zum Rimac Nevera hätten gezeigt, dass Kunden im obersten Marktsegment keine gewöhnlich gewordene Technologie wollten, weshalb sich Bugatti beim Tourbillon gegen einen reinen Elektroantrieb und für einen V16-Plug-in-Hybrid entschied. Volkswagen hatte nach Rimacs Angaben ursprünglich auf einen vollelektrischen Bugatti gedrängt, der sich auf Basis der vorhandenen Nevera-Plattform leichter hätte realisieren lassen.

Nach dem Ausscheiden von Porsche als Anteilseigner sieht Mate Rimac größere unternehmerische Freiheiten und deutlich kürzere Entscheidungswege, während er eine effiziente, unternehmerische Führung für den wirtschaftlichen Erfolg von Bugatti als entscheidend betrachtet. Den Tourbillon habe das Unternehmen ohne finanzielle Unterstützung von Volkswagen oder Porsche, zusätzliche Kapitaleinlagen oder Bankkredite entwickelt. Bugatti Rimac sei gleichwohl inzwischen profitabel und erwirtschafte eigene liquide Mittel.

Mit Blick auf den internationalen Wettbewerb sieht Mate Rimac erhebliche Probleme für europäische Automobilhersteller gegenüber chinesischen Konkurrenten. Besonders bei preisgünstigen Fahrzeugen und elektrischen Antrieben hält er den Kontinent nicht für konkurrenzfähig und fordert eine Konzentration auf eigene Marktnischen. Die größere Veränderung der Branche erwartet er allerdings nicht durch die Elektrifizierung, sondern durch autonomes Fahren und Robotaxis. Mate Rimac beschreibt eine Zukunft, in der Menschen Fahrzeuge nicht mehr selbst kaufen und steuern, sondern lediglich nutzen.

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Via: Automotive News (kostenpflichtig)
Tags: AutozuliefererUnternehmen: Bugatti, Rimac
Antrieb: Elektroauto, Hybridfahrzeuge

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Über den Autor

Thomas Langenbucher ist Experte für Elektromobilität mit beruflichen Stationen in der Automobilindustrie und Finanzbranche. Seit 2011 berichtet er auf ecomento.de über Elektroautos, nachhaltige Technologien und Mobilitätslösungen. Mehr erfahren.

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