Die Bundesregierung will mit einem neuen Gesetz für mehr Ladeinfrastruktur bei Gebäuden mit größeren Parkplätzen sorgen. Sie setzt damit allerdings nur eine EU-Richtlinie um, was die Grünen als unzureichend kritisierten. Auch der Verband der Automobilindustrie (VDA) bemängelt die Initiative. Ehrgeizigere Mindestvorgaben seien nötig, damit Deutschland Vorreiter und Leitmarkt bei der E-Mobilität wird.
„Die Pläne der Bundesregierung zum Aufbau einer gebäudeintegrierten Lade- und Leitungsinfrastruktur für Elektrofahrzeuge zielen grundsätzlich in die richtige Richtung, gehen aber noch nicht weit genug“, kommentierte VDA-Präsidentin Hildegard Müller den aktuellen Gesetzentwurf.
Die Bundesregierung sieht unter anderem vor, dass bei neuen oder einer umfangreichen Renovierung unterzogenen Gewerbeimmobilien mit mehr als zehn Stellplätzen jeder fünfte Stellplatz mit einer Vorbereitung zum Stromtanken ausgerüstet sein muss. Ein Stellplatz ist mit einer Ladeeinrichtung zu versehen. Bei Wohngebäuden muss jeder Stellplatz für Ladeinfrastruktur vorbereitet werden.
„Die von der Bundesregierung geplanten Vorgaben für den Aufbau halb-öffentlicher und privater Ladeinfrastruktur in Gebäuden gehen nicht über die Richtlinie der EU-Kommission hinaus und sind damit noch nicht ambitioniert genug“, sagte Müller. „Das entspricht noch nicht unserer Erwartung einer adäquaten Flankierung der Maßnahmen zur Entwicklung, Produktion und dem Absatz von Elektroautos durch die deutsche Automobilindustrie.“
Für den aus Gründen des Klimaschutzes entscheidenden Hochlauf der Elektromobilität sei ein zeitnaher und umfassender Ausbau der Ladeinfrastruktur unerlässlich, so die VDA-Präsidentin weiter. Mit den derzeitigen Plänen zum Ladesäulen-Ausbau könne Deutschland weder zum Vorreiter noch zum Leitmarkt der E-Mobilität werden.
Um die Nachfrage nach Elektroautos zu steigern, schlägt der VDA ehrgeizigere Vorgaben bei der Zahl der zu installierenden Ladesäulen vor. Diese sollten zudem auch für Bau- oder Renovierungsvorhaben gelten, bei denen laut Gesetz weniger als zehn Stellplätze geschaffen werden – „im Fall von Wohngebäuden am besten ab dem ersten Stellplatz“. Denn das Gros der Neubauten seien Ein- oder Zweifamilienhäuser.


Thrawn meint
Der VDA fordert mehr Engagement und ehrgeizigere Vorgaben – von den anderen.
Was für Wichtigtuer! Und selbst verdonnern sie auch noch ihre eigenen Händler zur Installation von Ladesäulen. Bloß nicht selbst aktiv werden!
Mein Vorschlag: Nehmt doch mal selbst Geld in die Hand! Genug Gewinn macht ihr ja. Warum sollen andere für die Infrastruktur Geld ausgeben, damit Ihr weiter Gewinn machen könnt?
Ehrlich gesagt wird mir Tesla immer sympathischer, obwohl ich kein Fanboy bin. Aber die haben ganz alleine mit eigenem Kapital das wohl beste Ladenetz Europas, wenn nicht der Welt, aufgebaut.
Vorgaben für private Häuslebauer … die ticken wohl nicht richtig! Gesetzliche Rahmen um FREIWILLIG tätig zu werden, gerne. Aber nicht als verpflichtende Vorgaben.
„…Für den aus Gründen des Klimaschutzes entscheidenden Hochlauf der Elektromobilität sei ein zeitnaher und umfassender Ausbau der Ladeinfrastruktur unerlässlich, so die VDA-Präsidentin…“
Als ob die Autobauer Umwelt und Klima je interessiert hätte. Immer fettere Autos, der Abgasbetrug und immer noch keine sauberen Diesel im Winter und Realbetrieb, … es geht nur um Gewinn und Vermeidung von Strafzahlung an die EU.
Was für arrogante Kot***ocken!
Pferd_Dampf_Explosion_E meint
+1.
Clevere Eigenheimbesitzer und Vermieter legen bei Umbauten und Renovierungen sowieso schon Leerrohre für einen bedarfsbezogenen Aufbau der Infrastruktur. Schlimm genug, dass Politiker für so etwas die Vorgaben der EU benötigen. Wie wäre es denn mit „Selbstdenken“ und „Selbsthandeln“.
Leser meint
Ich glaube, der größte Knackpunkt für den großen Durchbruch der E-Mobilität ist bisher schlicht das Thema Laden der Batterien: Erstens überhaupt eine Steckdose/Ladestation in der Nähe des Stellplatzes zu haben und zweitens auch die Ladegeschwindigkeit. Ob Öko oder nicht – damit hat das eher wenig zu tun.
Ich glaube: Würde man die Fahrzeuge flexibler konstruieren, so dass der Batteriespeicher in einen fest eingebauten Anteil für z.B. ca. 200-300 km Reichweite eingeteilt ist und ein weiteres „Batteriefach“ schaffen, in dem je nach Bedarf an schnell gewonnener Akkuladung und/oder möglicher Gesamtreichweite tragbare Standard-Akkumodule durch einschieben oder rausziehen schnell austauschbar sind, wäre die ganze Ladeproblematik für die Masse schon ein ganzes Stück abgemildert, weil idealerweise herstellerübergreifend, in Standardbauform konstruierte Akkumodule an Ladestationen/Tankstellen in verträglicher Zeit geladen und schnell leere Akkus gegen volle getauscht werden könnten. So ein „Batteriefach“ zum Tausch von Akkumodule könnte zum Beispiel unterhalb des Kofferraums mit Zugangsöffnung/Klappe o.ä. hinter der Heckstoßstange sein, oder im Motorraum..?
Dennoch bleiben wohl genügend Steckdosen/Ladestationen unmittelbar an den Stellplätzen unvermeidbar.
Höchstens ein Stückchen unabhängiger von den Ladestationen würden zum Beispiel Solarzellen an den Außenflächen des E-Auto machen..
Peter W meint
Ich fordere ein ehrgeizigeres Vorgehen des VDA um die E-Monilität voran zu bringen.
Der Bremserverein muss sich gar nicht aufregen, schließlich ist der VDA die Ober-E-Bremse!
Lieber VDA, mach erst mal selber Deine Hausaufgaben.
Jeru meint
Weil die (falschen) Behauptungen und irgendwelche Verschwörungstheorien der User hier viel zu oft unkommentiert im Raum stehen bleiben und so ein Gefühl zum Fakt wird.
„Bruford meint
05.03.2020 – 17:02
Die glauben vermutlich an diesen -für PKW- völligen Wasserstoff- und E-Fuelsunsinn, etc., lassen die Ladetechniken somit auf Sparflamme.
Diesen Irrglauben liest und hört man immer wieder von FDP-lern mit ihrem Gefasel von der Technologieoffenheit, die doch nur der letzte Strohalm der Verbrennerlobby ist.
Jepp: Abwählen !“
Der VDA fordert mehr (!) Engagement beim Thema Aufbau von Ladeinfrastruktur! Haben alle das wahrgenommen?!
Bans Meier meint
Nachdem vorher jahrelang mit dem Eichgesetz auf Bundesebe alles extra blockiert wurde… :) Und jetzt will man den edler Retter spielen… Einen ordentlicher Tritt in den Arsch gehört denn mal und die Industrie soll das jetzt komplett selber finanzieren, auf eigene Firmenkosten.
xdaswarsx meint
Was auch fehlt ist eine Richtlinie zum Ausbau, z.B. in Mehrfamilienhäusern und Parkhäusern.
Was bringen viele Leerrohre, wenn auf einmal einer nach dem anderen sein „eigenes Ding“ durchzieht und 11, bzw 22kW Wallboxen installiert.
So riesig sind die Leitungen normalerweise nicht, dass sie mal eben 100 oder 200kW zusätzlich auf einmal hergeben können (auch nicht bei Neubauten).
Es benötigt hier dringend ein Lastmanagement, was nicht auf den ersten Mieter mit Wallbox umgelegt werden sollte; sowas sollte auch zum Standard werden.
Auch sollte eine gewisse „Leitungsreserve“ bei der Planung der Verkabelung berücksichtigt werden (z.B. 5 kW pro Stellplatz).