Autohersteller und politische Akteure versuchen, die CO₂-Vorgaben der EU aufzuweichen. Transport & Environment (T&E) warnt jedoch davor. In einem Bericht argumentiert die Umweltorganisation, dass ein solcher Schritt der europäischen Autoindustrie langfristig schaden würde. T&E nennt vier konkrete Gründe, warum das Festhalten an den aktuellen Zielen entscheidend sei.
1. Klimaziele treiben Europas Wettbewerbsfähigkeit
T&E betont, dass CO₂-Grenzwerte maßgeblich zum Aufschwung der Elektromobilität in Europa beigetragen hätten. Im ersten Halbjahr 2025 stiegen demnach die Verkaufszahlen von E-Fahrzeugen europäischer Hersteller um fast 40 Prozent. Besonders bemerkenswert ist die Entwicklung bei Volkswagen: Der größte europäische Autobauer konnte seine E-Verkäufe um 89 Prozent steigern – durch verbesserte Modelle und gesenkte Preise, ausgelöst durch den Druck der Klimaziele.
„Dennoch steht die EU weiterhin unter dem Druck der Automobilhersteller, ihre Emissionsziele für 2030 und 2035 zu lockern“, erklärt T&E. „Tatsächlich steigen die Verkaufszahlen von Elektroautos rasant an, was vor allem auf die Emissionsvorschriften zurückzuführen ist. Durch die Einhaltung der vereinbarten Vorschriften kann Europa seiner Automobilindustrie eine Chance im globalen Wettlauf um Elektrofahrzeuge sichern.“
2. Die Industrie ist auf Kurs
Laut T&E sind nahezu alle europäischen Automobilhersteller auf dem richtigen Weg, die geltenden CO₂-Ziele für die Jahre 2025 bis 2027 zu erreichen. Mercedes-Benz sei die einzige Ausnahme: Das Unternehmen würde die Ziele um 10 Gramm CO₂ pro Kilometer verfehlen und müsste Emissionsgutschriften bei Volvo Cars und Polestar zukaufen. Brisant: Mercedes-Benz führe als amtierender Vorsitzender des europäischen Autolobby-Verbands ACEA die Kritik an den Klimazielen an.
Trotz der überwiegend positiven Entwicklungen übt die Industrie weiter Druck auf die Politik aus. Die EU ist den Herstellern bereits entgegengekommen, indem sie das 2025-Ziel um zwei Jahre verschob. In Reaktion darauf erhöhten die Hersteller der Umweltorganisation zufolge den Preisaufschlag für Elektroautos gegenüber Verbrennern, was laut T&E zu zwei Millionen weniger verkauften E-Autos führte. Weitere Zugeständnisse könnten Europas Rückstand auf dem Weltmarkt verschärfen.
3. Bremsen der E-Mobilität hilft nicht gegen aktuelle Probleme
T&E kritisiert die Industrie für ihren energischen Lobbyeinsatz gegen die Elektrifizierung. Statt Fortschritt setzen demnach viele Hersteller auf Verzögerung und möchten zusätzliche Regelungen für Bio- und E-Fuels etablieren. Gleichzeitig sei der Verkauf von Verbrennern in China massiv eingebrochen, mit Folgen für die europäischen Bilanzen. Auch bei der Digitalisierung und Automatisierung würden viele Unternehmen hinterherhinken.
Die Probleme der Industrie würden nicht durch ein Ausbremsen der E-Mobilität gelöst, so T&E. „Wenn Europa seine Ambitionen aufgibt, die wichtigsten Technologien des 21. Jahrhunderts zu beherrschen, wird es zum Automuseum.“ Weltweit steige die Nachfrage nach Elektrofahrzeugen, in China ebenso wie in Ländern wie Indonesien, Thailand oder Vietnam. Wer auf diesen Märkten bestehen wolle, müsse wettbewerbsfähige Elektroautos liefern.
4. Voraussetzungen für günstige E-Autos gegeben
T&E verweist auf die guten Marktbedingungen für einen breiten Durchbruch bezahlbarer Elektroautos. Bereits Ende 2025 sollen neun neue E-Auto-Modelle mit Einstiegspreisen ab 25.000 Euro erhältlich sein. Bis Ende 2027 soll sich die Zahl auf 19 Modelle erhöhen. Parallel dazu sinken die Batteriekosten laut Prognose: von 2022 bis Ende 2024 um 27 Prozent, von 2025 bis 2027 nochmals um weitere 28 Prozent.
Auch beim Ausbau der Ladeinfrastruktur wurden laut T&E große Fortschritte erzielt. 77 Prozent des EU-Kernnetzes seien bereits mit Lademöglichkeiten ausgestattet. Zudem hätten alle Mitgliedstaaten ihre Zielvorgaben für öffentliche Ladepunkte für 2025 bereits erreicht oder übertroffen.
„Die Marktbedingungen für einen massiven Absatz erschwinglicher Elektrofahrzeuge sind gegeben. Jetzt ist nicht der richtige Zeitpunkt, um die EU-Emissionsvorschriften zu ändern“, so T&E abschließend.

Sebastian meint
Entfernt. Bitte bleiben Sie sachlich. Danke, die Redaktion.
Steffen meint
Alles richtig, sehe ich zu 100 % auch so.