Shell arbeitet an einem neuen Konzeptfahrzeug, das als Demonstration für Elektroauto-Technik der nächsten Generation dienen soll. Das Projekt zielt laut dem Ölmulti auf schnelleres Laden, höhere Effizienz und niedrigere CO2-Emissionen. Die offizielle Vorstellung ist für Juni angekündigt.
Das Shell Triple 10 Challenge Concept Car soll kein unpraktischer Hypercar-Entwurf mit unerreichbarer Zukunftstechnik sein. Stattdessen handelt es sich den Angaben zufolge um ein SUV des Kleinwagen-Segments, das mit realitätsnahen Lösungen entwickelt wurde, die in Großbritannien entstanden sind.
Das Konzept soll ein echtes, fahrbares Auto sein. Im Mittelpunkt steht ein Elektrofahrzeug, das nutzbarer und nachhaltiger sein soll. Vorgesehen sind Schnellladen in unter zehn Minuten, eine Effizienz von mehr als zehn Kilometern pro Kilowattstunde (kWh) und ein gesamter CO2-Fußabdruck über die Lebensdauer von unter zehn Tonnen.
Shell will diese Ziele durch eine immersive Batteriekühlung erreichen. Dabei werden Batteriezellen von einer nicht leitenden Kühlflüssigkeit umschlossen. Diese soll die beim Laden oder Beschleunigen entstehende Wärme wirksamer über die Batterieeinheit verteilen. Durch einen freieren Elektronenfluss soll das Fahrzeug seine Spitzenladegeschwindigkeit länger halten können. Zugleich soll die Effizienz insgesamt steigen.
Exakte technische Daten des Shell-Fahrzeugs sind noch nicht bekannt. Cara Tredget, Vice President of Mobility and Lubricant Technology, sagte AutoExpress: „Das Team begann mit einem Ansatz wie auf einem leeren Blatt Papier.“ Man habe gefragt, was mit verfügbaren und skalierbaren Materialien erreichbar sei, „nicht mit seltsamen Raketenmaterialien“.
Tredget zufolge strebt das Team ein Leergewicht von rund 1000 Kilogramm an. Zum Vergleich: Die 2024 als Elektroauto gestartete Neuauflage des Kleinwagens Renault 5 wiegt mit kleinem, aber immer noch vergleichsweise schwerem Batteriepaket leer 1524 Kilogramm.
Shells Elektro-Konzept wird der Ankündigung zufolge eine überzeugende Reichweite bieten, weil das immersiongekühlte Akkupack deutlich effizienter sein soll als eine typische luftgekühlte oder indirekt flüssigkeitsgekühlte Batterie. Leichte und umweltfreundliche Verbundmaterialien wie Carbonfaser für Karosserie und Räder sollen die Effizienz weiter verbessern.


Futureman meint
Wenn Shell so etwas vorstellt, klingt das mehr nach: wartet mal mit dem E-Auto-Kauf, schon bald gibt es viel bessere Modelle. Solange kauft weiter schön Verbrenner.
Erinnert etwas an das schon 50 Jahre dauernde Märchen der Brennstoffzellenfahrzeuge.
Bei den heutigen Akkugrößen (wegen Reichweite) und Strompreisen unter 0,10€/kWh (PV oder Börsenstrom) macht ein viel niedriger Verbrauch (der wohl teuer erkauft werden muss) zu dem gar keine Sinn mehr.
M. meint
BMW i3. Mit 10 kWh effektiv fahrbar. 2013. Aber mit „seltsamen Raketenmaterialien“.
Hyundai Ionic electric. „Kompromissbehafterer Verbrennermix-Bau“, 10 bis 12 kWh sind machbar. 2016.
Also ja: 10 kWh sollten 2026 mit einem Prototyp machbar sein.
Aber Sinn ergibt das nur, wenn man dieses 1000 kg Auto nicht nur fahren, sondern wirklich im Alltag nutzen und (irgendwann) zu vertretbaren Preisen kaufen kann.
Dem Initiator traue ich aber nicht über den Weg. Man wird erst noch sehen, ob das hier mehr ist als das bekannte Greenwashing.
SB meint
Die Herausforderung sind 10 kWh/100 km im WLTP-Zyklus. Der Ioniq hatte einen WLTP-Verbrauch von knapp 14 kWh.
„im Alltag fahrbar“ unterbiete ich mit einem Hummer EV nicht nur die 10 kWh, ich schaffe sogar unter 0 – wenn ich im Alltag immer nur die Großglocknerstraße bergabwärts fahre.
M. meint
Na, dann fahr die mal im Alltag dauerhaft runter.
Wenn du den Hummer hinten 1 m höher legst, geht’s vielleicht.
Oder du schiebst ihn wieder hoch. 🥱
Meistens ist es ja so, dass Praxisverbrauch über WLTP liegt. Die beiden genannten Fahrzeuge können aber real unter WLTP gefahren werden. Und eine Norm hat Shell nicht angegen, oder?
David meint
Da muss man sich wundern, dass ausgerechnet ein Mineralölkonzern unter die Elektroauto Entwickler gehen möchte. Aber nichts dagegen, und was sie vorhaben, ist durchaus plausibel. Denn in der Tat sind bisher die meisten Temperier-Bemühungen für den Akku relativ schwach in ihrer Wirkung.