Die Hyundai Motor Group (Hyundai, Kia, Genesis) hat mit „Pleos Connect“ ein Infotainmentsystem der nächsten Generation vorgestellt. Das System soll das Mobilitätserlebnis der Kunden grundlegend verändern und gilt in dem Konzern als erster wichtiger Schritt beim Wandel zu einem „softwareorientierten Mobilitätsführer“.
Pleos Connect basiert laut den Südkoreanern auf den drei Entwicklungsprinzipien Benutzerfreundlichkeit, Sicherheit und Offenheit. Die Plattform verbindet eine für mobile Endgeräte optimierte Nutzerumgebung mit künstlicher Intelligenz (KI) und wird per Over-the-Air-Updates fortlaufend um neue Funktionen und Leistungsverbesserungen ergänzt.
Die Einführung beginnt im Mai in Korea im neuen Hyundai Grandeur. Danach ist eine schrittweise weltweite Markteinführung vorgesehen. In Europa wird das neue kompakte Hyundai-Elektroauto Ioniq 3 als erstes Fahrzeug mit Pleos Connect ausgestattet sein. Bis 2030 sollen rund 20 Millionen Fahrzeuge der Marken Hyundai, Kia und Genesis mit dem System ausgerüstet werden.
„Pleos Connect ist ein Infotainment-System der nächsten Generation, das Kunden ein gehobenes Mobilitätserlebnis bietet, indem es eine mobilfreundliche Plattform mit fortschrittlicher KI-Technologie kombiniert. Mit der neuen Gleo-KI und einem offenen App-Markt werden Nutzer das grenzenlose Potenzial der Mobilität der Zukunft erleben“, so Jongwon Lee von der Hyundai Motor Group.
Pleos Connect ist die Serienversion eines Forschungs- und Entwicklungskonzepts, das 2025 erstmals auf der Entwicklerkonferenz Pleos 25 vorgestellt wurde. Das Cockpit ist auf intuitive Bedienbarkeit ausgelegt und kombiniert Touch-Bedienung mit physischen Bedienelementen. Die Benutzererfahrung wurde den Entwicklern zufolge auf Grundlage umfangreicher Untersuchungen zum Fahrerverhalten in UX-Studios in Seoul, Irvine, Frankfurt und Shanghai entwickelt. Ziel war eine an Smartphones orientierte Bedienlogik, um die Benutzerfreundlichkeit zu verbessern und die Ablenkung des Fahrers zu minimieren.
Zwei Hauptdisplays
Das Pleos-Connect-Cockpit verfügt über zwei Hauptdisplays. Der große zentrale Bildschirm ist in drei Bereiche gegliedert: einen Fahrinformationsbildschirm mit Angaben wie Geschwindigkeit, Warnmeldungen sowie 3D-Grafiken von Objekten und Personen in der Umgebung, einen App-Bildschirm für Navigation, Medien und Drittanbieter-Anwendungen sowie eine untere Leiste für den schnellen Zugriff auf zuletzt verwendete oder angeheftete Apps. Der App-Bildschirm kann zwischen Einzelbildschirm-Modus und geteiltem Bildschirm wechseln. Ergänzt wird dies durch ein schlankes Display, das für den Fahrer so positioniert ist, dass wichtige Informationen wie Geschwindigkeit, Medien und detaillierte Wegbeschreibungen direkt im Blickfeld liegen.
Sicherheit und Komfort sollen durch physische Tasten am Lenkrad und unterhalb des großen zentralen Bildschirms erhöht werden. Sie ermöglichen den schnellen Zugriff auf wichtige Bedienelemente, ohne den Touchscreen zu nutzen. Zusätzlich erlaubt eine Drei-Finger-Geste, App-Fenster neu zu positionieren oder nicht benötigte Anwendungen sofort zu schließen.
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche „Inhalt entsperren“. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Auch das Navigationssystem wurde nach Angaben von Hyundai deutlich weiterentwickelt. Durch die Analyse von Big Data bestehender Navigationsnutzer wurden Layout und Menüs um häufig genutzte Funktionen herum neu organisiert. Komplexe Grafiken wurden zugunsten einfacher Symbole reduziert. Zugleich wurde die Oberfläche modular gestaltet, sodass Fahrer das Layout frei konfigurieren und Navigation sowie eine weitere App parallel auf dem großen Display nutzen können. Wichtige Informationen wie vollständige Route und voraussichtliche Ankunftszeit erscheinen in schwebenden Karten.
Für die Routenführung nutzt das System Echtzeit-Verkehrsdaten, die von Fahrzeugen erfasst werden. Hinzu kommt eine Live-Online-Karte, die Straßeninformationen fortlaufend aktualisiert und zur optimalen Route führen soll. „Navigation bietet ein besseres Mobilitätserlebnis, wenn die Komplexität reduziert wird. Geleitet von dieser Philosophie wurde das Pleos Connect-Navigationssystem neu gestaltet, damit es für jeden einfach und intuitiv zu bedienen ist“, sagt Manager Hanna Yun.
KI-Sprachassistent „Gleo AI“
Im Zentrum von Pleos Connect steht Gleo AI, ein KI-Sprachassistent auf Basis eines Large Language Model (LLM). Das System konzentriert sich zunächst auf Fahrzeugsteuerung und Komfortfunktionen und soll nach der ersten Integration in Serienmodelle kontinuierlich weiterentwickelt werden. Geplant ist außerdem die Verknüpfung mit verschiedenen Anwendungsdiensten, damit App-Funktionen per Sprachbefehl genutzt werden können. Darüber hinaus will die Gruppe Technologien beschleunigt entwickeln, damit Gleo AI personalisierte Dienste anbieten kann, die auf individuelle Eigenschaften des Fahrers zugeschnitten sind.
Gleo AI nutzt Gesprächs- und Fahrkontext, um auch abstrakte Befehle zu interpretieren, kann mehrere Aufgaben in einer Anfrage ausführen und per Websuche auf Fragen zu Nachrichten, Wetter und Sport antworten. Nutzer können mit natürlicher Sprache unter anderem Navigation und Klimaregelung steuern sowie Informationen aus dem Fahrzeughandbuch abrufen. Das System erkennt zudem die Position des Sprechers im Fahrzeuginneren und kann Unterhaltungen in einer eigenen Anwendung als Text anzeigen.
App-Markt für Dienste von Drittanbietern
Ergänzt wird Pleos Connect durch einen offenen App-Markt für Dienste von Drittanbietern, darunter zum Start Partner wie Naver für Karten und Autodienste. Dienste wie YouTube oder Spotify sind direkt verfügbar, weitere Angebote aus Gaming, Unterhaltung und Fahrzeugmanagement sind geplant. Über die Entwicklerplattform Pleos Playground werden dafür APIs und Tools bereitgestellt.
Zugleich beschreibt Hyundai Pleos Connect als ersten konkreten Schritt in Richtung SDV-Architektur (Software-defined Vehicle = softwaredefiniertes Fahrzeug. Langfristig soll die Entwicklung über SDVs hinaus in Richtung Artificial-Intelligence–Defined Vehicles (künstliche-Intelligenz-definiertes Fahrzeug) führen.

Ihre Meinung