Die Umweltschutzorganisation Transport & Environment (T&E) verweist auf eine Auswertung von Geschäftsberichten aus den Jahren 2019 bis 2024, ergänzt durch eine Analyse von Geschäftsberichten für 2025. Untersucht wurden große europäische Lkw-Hersteller und ihr Verhältnis von Aktionärsausschüttungen, Forschung und Entwicklung sowie Investitionen in emissionsfreie Technik.
Die Europäische Union beschloss 2019 erste CO2-Standards für Lkw mit Minderungszielen für 2025 und 2030. Im Juni 2024 wurden die Vorgaben verschärft, unter anderem mit einem höheren Ziel für 2030, erweitertem Geltungsbereich sowie neuen Zielen für 2035 und 2040. Drei Monate später forderten Lkw-Hersteller, die Regelung wieder zu öffnen.
Die Hersteller beschreiben die Einführung emissionsfreier Lkw als „zu langsam, zu konzentriert und zu fragmentiert“. Als Engpässe nennen sie öffentliche Ladeinfrastruktur und Mautpolitik. „Doch hohe Fahrzeugpreise und eine geringe Reichweite – beides Faktoren, die vollständig im Einflussbereich der Hersteller liegen – bleiben die beiden größten Hindernisse für batterieelektrische und wasserstoffbetriebene Lkw“, so T&E.
2025 erreichten durchschnittliche Aktionärsausschüttungen der Auswertung zufolge 4,9 Prozent des Umsatzes der Lkw-Hersteller. Damit lagen sie erstmals seit 2019 über den Ausgaben für Forschung und Entwicklung (F&E), die 4,4 Prozent des Umsatzes ausmachten. Diese F&E-Ausgaben verteilen sich auf Bereiche wie autonomes Fahren, Fahrzeugplattformen sowie Diesel- und Gasmotoren. „Die Forschung und Entwicklung im Bereich emissionsfreier Technologien macht somit nur einen geringen Anteil der gesamten F&E-Investitionen aus und wird von den Ausschüttungen an die Aktionäre in den Schatten gestellt“, erklärt T&E.
Lkw-Hersteller gefährden laut T&E ihr Wachstum
„Die Vorbereitungen auf das CO₂-Ziel für 2025 hätten eine Gelegenheit sein können, im Wettlauf um die Elektromobilität zu China aufzuschließen, wo im Jahr 2025 bereits 16 Prozent der neuen Lkw elektrisch waren“, so T&E. „Stattdessen haben die europäischen Lkw-Hersteller zunehmend den Ausschüttungen an die Aktionäre Vorrang eingeräumt. CO₂-Einsparungen wurden vor allem durch geringfügige Verbesserungen (wie Motoreneffizienz und Aerodynamik) erzielt und nicht durch eine Ausweitung der Produktion von Elektro-Lkw.“
Damit gefährde die Branche ihr künftiges Wachstum, warnt die Umweltorganisation. „Wenn sie noch Hoffnung auf Marktanteilsgewinne in China (dem weltweit größten Markt für mittelschwere und schwere Nutzfahrzeuge) oder auf Wettbewerbsfähigkeit auf den Exportmärkten haben wollen, müssen Forschung und Entwicklung sowie Investitionen im Bereich emissionsfreier Technologien oberste Priorität erhalten.“ Zudem sei der Heimatmarkt der europäischen Lkw-Hersteller einem zunehmenden Wettbewerb durch aufstrebende chinesische Hersteller ausgesetzt.
Dennoch scheinen die europäischen Hersteller den Fokus eher darauf zu legen, sich für mehr Flexibilität und eine frühzeitige Überprüfung einzusetzen. Die EU schwächte die Lkw-CO2-Standards im März 2026 auf Betreiben der Hersteller bereits einmal ab. Doch ohne strenge CO₂-Vorschriften, die sicherstellen, dass die Hersteller in emissionsfreie Fahrzeuge investieren, setze die EU ihre Lkw-Industrie der Gefahr neuer Konkurrenz aus, erklärt T&E. „Mehr denn je ist es nun entscheidend, den im Jahr 2024 vereinbarten Zeitplan und die ehrgeizigen Ziele beizubehalten, um eine weitere Verzögerung der Elektrifizierung zu vermeiden.“

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