Die Denkfabrik Agora Verkehrswende kritisiert, politisches Zögern habe Deutschland beim Markthochlauf der Elektromobilität wertvolle Zeit gekostet. Zugleich verfüge die Politik über erheblichen Spielraum, das Tempo zu erhöhen. Der Marktanteil elektrischer Fahrzeuge seit 2020 zeige Zusammenhänge mit politischen Maßnahmen.
Mit verschärften CO2-Standards für Neuwagen und Kaufzuschüssen nahm der Absatz von Elektro-Pkw zwischen 2020 und 2022 deutlich Fahrt auf. Der anschließende Rückgang des Marktanteils, besonders 2024, ging mit dem zunächst schrittweisen und dann abrupten Ende der Kaufzuschüsse einher. Ab 2025 stiegen die Anteile mit der nächsten Stufe der CO2-Standards wieder merklich, während erneute Kaufzuschüsse für private Pkw dem Markt 2026 weiteren Auftrieb geben.
Weitere Faktoren beeinflussen die Entwicklung ebenfalls, erklärt Agora. Förderlich wirken demnach ein wachsendes Angebot an Fahrzeugmodellen, der Ausbau der Ladeinfrastruktur, technische Weiterentwicklungen, sinkende Fahrzeugpreise und hohe Spritpreise. Eine schwache wirtschaftliche Entwicklung und höhere Inflationsraten führen dagegen dazu, dass weniger in Neuanschaffungen investiert wird.
Deutschland fördert den Markthochlauf von Elektrofahrzeugen seit Jahren politisch, stellt Maßnahmen jedoch wiederholt infrage. Zugleich werden Zweifel an der Technologie verbreitet, etwa durch Debatten über „E-Fuels“, Biokraftstoffe und „hocheffiziente Verbrenner“, die von Agora als praktisch nicht tragfähige Alternativen bewertet werden. Hinzu kommen Versuche, die europäischen CO2-Standards für Neufahrzeuge aufzuweichen.
Bestehende Steuern, Abgaben und Subventionen berücksichtigen die mit Pkw verbundenen volkswirtschaftlichen Kosten für Klima und Umwelt nur unzureichend. Genannt werden die Besteuerung von Energie und Fahrzeugen sowie die Nutzung von Dienstwagen. Nach Einschätzung von Agora Verkehrswende ist diese Situation für den Automobilstandort Deutschland schädlich.
Verbraucher, Industrie und Investoren würden dadurch verunsichert, Planungen ungewiss und Investitionen verhindert oder entwertet. Der Wechsel zur Elektromobilität verzögere sich, etablierte Hersteller verlören weiter an Wettbewerbsfähigkeit und die Risiken für den Arbeitsmarkt nähmen zu. Gleichzeitig halte die Abhängigkeit von fossilen Kraftstoffen länger an.
Als bestes Gegenmittel wird ein klarer Kurs der Bundesregierung in Richtung Elektromobilität genannt. Für diesen Kurs sprächen neben dem Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen auch Wettbewerbsfähigkeit, Arbeitsplätze und Energiesicherheit. Weitere angeführte Aspekte sind Geopolitik, Bezahlbarkeit und Lebensqualität.


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