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EnBW schaut beim Ladeausbau nicht mehr nur auf Zahl der Ladepunkte

10.06.2026 in Aufladen & Tanken von Thomas Langenbucher | Kommentieren

EnBW-Schnellladestation

Bild: EnBW

Martin Roemheld zieht nach rund 100 Tagen als Chef des Ladegeschäfts der EnBW im Interview mit dem Portal Electrive eine erste Bilanz zur Entwicklung der Elektromobilität. Er stellt fest, dass die Branche durch Faktoren wie die Preisentwicklung an Tankstellen infolge des Irankonflikts wieder an Dynamik gewinnt, was sich in Zulassungszahlen und der Nutzung der Ladeinfrastruktur widerspiegele.

Die Auslastung des flächendeckenden Netzes der EnBW in Deutschland ist laut Roemheld sehr heterogen. Während es an einigen Orten zu Hotspots mit Schlangenbildung komme, gebe es Standorte mit geringer Auslastung, bei denen eine ausreichende Bedarfsentwicklung noch offen sei.

Um neue Kundengruppen zu erreichen, setzt die EnBW auf ein einfaches Kundenerlebnis durch weitgehend gleicher Hardware und drei Tarif-Varianten. Zudem wird an der Stärkung der Marke gearbeitet, um Produktqualität und Abdeckung zu vermitteln. An den Ladeparks werden zudem „situative Events“ angeboten, um den Kunden vor Ort Informationen bereitzustellen. Der Fokus liegt derzeit aber vor allem auf der Erfüllung von Bedürfnissen während der Ladepause, etwa durch die Bereitstellung von Sanitärangeboten oder Retail-Optionen.

Hinsichtlich des Netzausbaus orientiert sich die EnBW nicht mehr ausschließlich an absoluten Zahlen wie dem zunächst 30.000, später nur noch 20.000 Ladepunkte lautenden Ziel. Entscheidend ist Roemheld zufolge die Entwicklung der Ladeleistungen auf Fahrzeugseite, da höhere Leistungen pro Stecker eine geringere Anzahl an Ladepunkten ermöglichen könnten.

Netzanschlüsse „der Punkt, der alles andere überstrahlt“

Das zentrale Hindernis für den weiteren Ausbau sind dem EnBW-E-Mobilitäts-Manager zufolge die Netzanschlüsse. Die Verfügbarkeit der notwendigen Leistung sei oft nicht gegeben, und der erforderliche Netzausbau durch die Vielzahl unterschiedlicher regionaler Netzbetreiber dauere teilweise mehrere Jahre. Roemheld fordert hierfür Standardisierung sowie verlässliche Prozesse und Fristen.

Mit Blick auf die Ladepreise betont Roemheld, dass die Gesamtkosten für E-Fahrzeuge aufgrund niedrigerer Betriebskosten vorteilhaft seien. Die EnBW plane, das aktuelle Preisniveau stabil zu halten und strebe langfristig eine Senkung der Preise an, sofern Auslastung und Kosten sinken.

Für den europäischen Markt außerhalb Europas bietet die EnBW Roaming. Roemheld weist jedoch auf die Fragmentierung des Marktes hin, die Prozesse kompliziert und teuer mache. Eine Marktkonsolidierung könnte hier zur Vereinfachung beitragen.

Die EnBW verfolgt das Ziel, einen Marktanteil von 20 Prozent an der Ladeinfrastruktur zu erreichen. Dabei möchte der Energiekonzern sowohl als E-Mobilitätsanbieter (e-Mobility Provider, EMP) als auch als Ladepunktbetreiber (Charge Point Operator, CPO) agieren. Mit Blick auf die technologische Entwicklung in China und steigende Ladeleistungen sieht Roemheld eine mögliche Reduzierung der Anzahl an Steckern zugunsten höherer Leistung pro Ladepunkt. Das könne die Wirtschaftlichkeit durch höhere Umschlagsgeschwindigkeiten verbessern und langfristig zu niedrigeren Ladepreisen führen.

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Via: Electrive
Tags: Ladestationen, SchnellladenUnternehmen: EnBW
Antrieb: Elektroauto

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Über den Autor

Thomas Langenbucher ist Experte für Elektromobilität mit beruflichen Stationen in der Automobilindustrie und Finanzbranche. Seit 2011 berichtet er auf ecomento.de über Elektroautos, nachhaltige Technologien und Mobilitätslösungen. Mehr erfahren.

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