Das US-Ladeinfrastruktur-Unternehmen Chargepoint sieht in Europa ein erhebliches Wachstumspotenzial für die Elektromobilität. Laut CEO Rick Wilmer bietet dieser Markt derzeit bessere makroökonomische Rahmenbedingungen als Nordamerika, da dort politische Unterstützung, Emissionsvorgaben und Anreize den Übergang beschleunigen. In den USA seien viele dieser Instrumente zurückgenommen worden.
Wilmer verfolgt das ambitionierte Ziel, dass Europa perspektivisch die Hälfte des Chargepoint-Umsatzes ausmachen könnte. Er strebt an, diese Schwelle innerhalb der nächsten zwei bis drei Jahre zu erreichen. Ein wesentlicher Faktor für diese Entwicklung ist die neue Schnellladeplattform Express, die sowohl für Pkw als auch für Lkw konzipiert ist.
„Bei klassischen DC-Schnellladern werden die Umwandlung von Wechselstrom in Gleichstrom und die anschließende Anpassung der Gleichspannung meist in einem Leistungsmodul erledigt“, erklärt Wilmer zur Express-Architektur. „Wir haben diese Schritte getrennt: Die AC/DC-Wandlung erfolgt in eigenen Modulen, die DC/DC-Wandlung in separaten Modulen. Dazwischen liegt ein DC-Bus.“ Auf letzerem lassen sich Batteriespeicher oder Photovoltaikanlagen direkt integrieren, ohne dass zusätzliche Wechselrichter nötig sind. Das soll Energie sparen, Wärmeverluste reduzieren und das System kompakter machen.
Die Leistungselektronik der Express-Stationen ist luftgekühlt, während lediglich die Kabel flüssiggekühlt sein können. Diese Bauweise senkt Wilmer zufolge Kosten und verringert den Platzbedarf, was besonders auf Betriebshöfen vorteilhaft sei. Die Auslieferung der neuen Einheiten nach Europa soll gegen Ende dieses Jahres beginnen, wobei der Produktionshochlauf für das Jahr 2027 geplant ist.
Um Netzengpässe abzufedern, arbeitet das Unternehmen an Lösungen, die erneuerbare Energien, Speicher und Ladeinfrastruktur verbinden. Bei der Frage nach extrem hohen Ladeleistungen von bis zu 1000 Kilowatt weist Wilmer im Gespräch mit der Automobilwoche darauf hin, dass die Vorteile sehr schneller Ladezeiten ab einem gewissen Punkt abnehmen und die Kosten für noch höhere Leistungen stark steigen würden.
Chargepoint arbeitet zudem an Lösungen, die erneuerbare Energieerzeugung, Batteriespeicher und Ladeinfrastruktur besser verbinden. Ein zukünftiger Treiber für den Ladebedarf könnten autonome Fahrzeuge sein, da diese elektrisch betrieben werden. Das Unternehmen bereite sich darauf vor, spezielle Anforderungen autonomer Flotten mit bevorzugten Lösungen zu bedienen.
Hinsichtlich der finanziellen Entwicklung gibt Wilmer keine konkreten Prognosen ab, betont jedoch, dass das Unternehmen mit Hochdruck am Erreichen der Profitabilität arbeite. Europa sei dabei ein Schlüsselmarkt.

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