Volkswagen steht offenbar vor einer grundlegenden Entscheidung über seine künftige Softwarestrategie. VW-Markenchef Thomas Schäfer will laut dem Manager Magazin die in China entwickelte Elektronik- und Softwarearchitektur CEA künftig auch in Europa einsetzen und damit für einen Großteil der Volumenmodelle von der bislang vorgesehenen Technologie des US-Partners Rivian abweichen. Nach Berechnungen der VW-Strategen könnte der Konzern durch den Wechsel insgesamt vier bis fünf Milliarden Euro einsparen.
Die China Electrical Architecture (CEA) ist eine zonale Software- und Elektronikarchitektur, die bereits in chinesischen VW-Modellen eingesetzt wird und unter anderem drahtlose Softwareupdates ermöglicht. Volkswagen begann 2023 gemeinsam mit dem chinesischen Start-up XPeng mit der Entwicklung einer eigenen Softwarearchitektur. Anschließend entwickelten das chinesische VW-Entwicklungszentrum VCTC und der China-Ableger der Softwaretochter Cariad die XPeng-Architektur zur CEA für VW-Modelle weiter. Nach Unternehmensangaben verfügt Volkswagen inzwischen auch über die Rechte am geistigen Eigentum der Architektur.
Schäfer soll die Technologie für die künftigen Elektroplattformen SSP31 f und h nutzen wollen, die Fahrzeuge oberhalb der Polo-Größe abdecken, darunter Modelle wie die erwarteten ID. Golf und ID. Passat sowie den nächsten Škoda Enyaq. Eine Entwicklerstunde beim Rivian-Joint-Venture RVT kostet dem Bericht zufolge rund viermal so viel wie beim VCTC im chinesischen Hefei. Selbst bei einer vollständigen Weiterfinanzierung des Rivian-Joint-Ventures durch die Markengruppe Core erwarteten die Strategen Einsparungen von mindestens drei Milliarden Euro.
Bislang sieht Konzernchef Oliver Blume nach Informationen des Manager Magazins vor, chinesische Volkswagen-Technologie vor allem in der Volksrepublik sowie weiteren Exportmärkten einzusetzen, während Europa und die USA mit Rivian-Software versorgt werden sollen. Im Vorstand gebe es Bedenken hinsichtlich der Anpassung der chinesischen CEA an europäische Vorschriften und der Risiken ihrer Weiterentwicklung. Nachdem Schäfers Vorstoß zunächst nicht zu einer Änderung der bisherigen Strategie geführt habe, wolle er das Projekt erneut im Vorstand vorbringen. Als zentral gelte dabei die Position von Finanzvorstand Arno Antlitz.

Paul L meint
Während international vom China-De-Risking gesprochen wird, wählt Herr Schäfer den Weg des geringsten Widerstands. Um die eigenen Bonifikationen zu sichern, meidet er den Konflikt mit dem Betriebsrat.
Auf Sicht von fünf Jahren mag der Fokus auf die CEA-Architektur wirtschaftlich vorteilhafter sein, auf Sicht von zehn Jahren droht daraus jedoch eine technologische Sackgasse zu werden.
Es bleibt zudem fraglich, weshalb Herr Schäfer diese Entwicklung nicht bereits vor zwei Jahren vorausgesehen hat – und warum der Vertrag mit Rivian seinerzeit überhaupt um „ausgewählte MEB-Modelle“ erweitert wurde.
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Miro meint
wie oft die nun ständig umschwenken ist schon unterirdisch! Zuerst x mal beim thema autonomie und nun auch noch bei software…
42 meint
war klar … SSP kommt nicht wie ursprünglich geplant, China übernimmt … das Ende steht bevor
F. K. Fast meint
Was kommt dann bei VW eigentlich noch aus Deutschland/Europa? Die Luft im Reifen?