Volkswagen stellt die neue Generation seiner Elektroautos unter den Slogan „True Volkswagen“. Marketing- und Vertriebsvorstand Martin Sander verbindet damit eine Rückbesinnung auf Eigenschaften, die aus seiner Sicht den Erfolg des Unternehmens über viele Jahre getragen haben. Dazu zählt er Vertrautheit, Solidität und Bedienerfreundlichkeit. „Nicht alles, was anders ist, ist automatisch gut“, sagt Sander im Interview dem Portal Edison mit Blick auf frühere Experimente bei Design und Bedienung.
Die Umstellung auf Elektroantrieb führte bei Volkswagen zu einer Neuorientierung. Der strombetriebene Kompaktwagen ID.3 sollte sich klar von Fahrzeugen mit konventionellen Antrieben unterscheiden. Sander hält diesen Ansatz für die damalige Phase für richtig, sieht inzwischen aber Grenzen solcher Veränderungen. Die andere Antriebstechnologie verändere vieles, mache es aber nicht nötig, alles aufzugeben, was Kunden über Jahre geschätzt haben.
Balance zwischen Wandel und Vertrautheit
Bei Bedienkonzepten will Volkswagen wieder stärker auf Vertrautheit setzen. Als Beispiel wird ein Drehknopf zur Regulierung der Radio-Lautstärke genannt. Für eine Volumenmarke mit breiter Kundschaft seien Bedienungsfreundlichkeit und Wiedererkennbarkeit zentrale Punkte. Daraus leitet Sander ab, dass Volkswagen nicht jedem Trend sofort folgen dürfe und bei bestimmten Dingen bewusst wieder einen Schritt zurückgehe.
Auch bei den Modellnamen setzt die Marke auf bekannte Bezeichnungen. Der ID. Polo erscheint nicht wie ursprünglich geplant als ID. 2, weil vertraute Namen in einer Phase technologischen Umbruchs Orientierung geben sollen. Der Polo steht für Sander seit Jahrzehnten für Volkswagen und genießt ein positives Image. Auf diese Bezeichnung im Zeitalter der Elektromobilität zu verzichten, hält er für wenig sinnvoll.
Der ID.3 erhält dagegen in der neuesten Version nicht den Namen ID. Golf, sondern künftig den Zusatz Neo. Sander verweist auf die besondere Stellung des Golf innerhalb der Marke. Der Golf habe 1974 eine neue Klasse definiert und sei für Volkswagen sowie die Branche eine kleine Revolution gewesen. Deshalb lege man an den Namen Golf höhere Maßstäbe an als an jedes andere Modell.
Das jüngste Upgrade des ID.3 wird als großer Schritt nach vorn beschrieben, besonders beim Interieur. Dieses sei beim ID.3 Neo in vielerlei Hinsicht auf ein neues Niveau gehoben worden. Der ID.3 sei damit näher an dem, was Kunden von einem modernen Volkswagen erwarteten. Den Namen Golf sollen jedoch nur Fahrzeuge tragen, die diesen Anspruch in jedem Detail und in jeder Disziplin vollständig erfüllen. Schon ab diesem Jahr werden die sportlichen Varianten der ID.-Modelle GTI heißen, weil Volkswagen ihnen laut Sander wieder stärker das mitgegeben habe, was einen GTI ausmacht.
VW erwartet starke Nachfrage nach neuen E-Kleinwagen
Mit den Kleinwagen ID. Cross, ID. Polo und weiteren Derivaten will Volkswagen in Preisregionen vorstoßen, die es für Elektrofahrzeuge der Marke bisher nicht gab. Preise ab 25.000 Euro sollen mehr Kunden den Einstieg in die Elektromobilität ermöglichen. Volkswagen erwartet daraus spürbare Impulse für den Markt und eine starke Nachfrage. Der Vorverkauf für den ID. Polo ist kürzlich gestartet, die ersten Fahrzeuge sollen im September im Handel stehen.
Volkswagens Kaufprämie für die ID.-Familie – eine Rabattaktion – wurde bis Ende Juni verlängert. Sander verweist darauf, dass die staatliche Förderung noch nicht vollständig verfügbar ist, weil die digitale Plattform für Antragstellung und verbindliche Bestätigung fehlt. Das Interesse sei groß, die Abschlüsse blieben jedoch vergleichsweise gering. Bei Klarheit über die Details erwartet er einen positiven Einfluss der Förderung auf die Nachfrage nach Elektroautos.
Ladeinfrastruktur bleibt Schlüssel zur E-Mobilität
Für mehr Elektromobilität nennt der Manager vor allem den Ausbau der Ladeinfrastruktur als zentralen Punkt. Benötigt würden öffentliche Lademöglichkeiten in unterschiedlichen Varianten, besonders im urbanen Bereich für Menschen ohne Eigenheim. Bundesweit, in manchen Städten und auch in Europa gebe es noch viele weiße Flecken. Zugleich verweist Sander darauf, dass Lademöglichkeiten bereits an vielen Orten vorhanden seien, an denen Fahrzeuge geparkt werden.
Bei kleinen Elektroautos sieht Volkswagen weiterhin höhere Produktionskosten als bei vergleichbaren Verbrennermodellen, vor allem wegen der Batteriekosten. Mit der „Electric Urban Car Family“ (ID.2 Polo, ID. Cross, Cupra Raval, Skoda Epiq) sollen höhere Stückzahlen erreicht und Skaleneffekte genutzt werden. Auch die bei der Batterietochter PowerCo und anderen Zulieferern produzierte „Einheitszelle“ soll durch den Einsatz in vielen Modellen zusätzliche Skaleneffekte schaffen.
Für Europa erwartet Sander weiterhin ein Nebeneinander von Elektroautos und Verbrennern. Hier lag der Anteil der Vollstromern an den Neuzulassungen im vergangenen Jahr bei etwa 20 Prozent. 2026 und 2027 soll dies durch ID. Polo und ID. Cross gesteigert werden. Verbote hält Sander nicht für den richtigen Weg und fordert eine stärkere Kommunikation der Vorteile von Elektromobilität: bessere Beschleunigung, Ruhe, lokal emissionsfreies Fahren, niedrigere Betriebs- und Wartungskosten sowie langlebige Batterien. „Kunden überzeugt man nicht, indem man ihnen das verbietet, was sie seit Jahrzehnten kennen“, sagt der Manager.

F. K. Fast meint
Es geht bei Bedienung nicht um Vertrautheit, sondern darum, dass z.B. Drehregler Touchflächen in der Funktion weit überlegen sind: man muss nicht hinschauen, man kann trotz wackelndem Arm die gewünschte Einstellung vornehmen ohne eine Fehlbedienung auszulösen.
David meint
Das ist so. Der Random-Kunde hat noch Angst. Man kann also zu einer Zeit nur das Kundensegment in die Elektromobilität überführen, das dafür reif ist. Das hat zwei Dimensionen, Bereitschaft und Preis. Mit diesem Auto für 25.000 € wird man wieder viele neue Kunden erreichen, die bisher nicht elektrisch fuhren.
Es ist eine Weiterentwicklung des e-up in allen Bereichen zu inflationsbereinigt gleichem Preis. Unternehmen, die innerhalb einer Region oder Stadt operieren, haben auf ein solides und bezahlbares deutsches Fahrzeug in dieser Preisklasse gewartet. Und die Lehrerin, die bisher ein Polo fährt, wird übernächstes Jahr beim Autowechsel auf diesen elektrischen Polo umsteigen.
Diesel Dieter und Tesla Schlaumeier sind noch keine Kunden. Aber vielleicht einige Teslafahrer, die auf ihrem Basismodell stehen haben: „I bought this before Elon got crazy“. Denn im ID. Polo Grundmodell bestellen sie CarPlay für 260€ dazu, was es im Tesla immer noch nicht, auch nicht für Geld und gute Worte, gibt und sparen einen fünfstelligen Betrag in der Anschaffung zum günstigsten Tesla. Und ein Steilheck ist im Alltag deutlich praktischer.
CJuser meint
„Schon ab diesem Jahr werden die sportlichen Varianten der ID.-Modelle GTI heißen, weil Volkswagen ihnen laut Sander wieder stärker das mitgegeben habe, was einen GTI ausmacht.“
Dann bin ich ja mal gespannt, was beim ID. Tiguan und ID. Passat (?) passieren wird. GTI mit Allrad passt nicht und halte eine „R-Line 340“ (analog zur „R-Line 265“ bei den Verbrennern) für passender.
Beim ID. Buzz ist man inzwischen ja dazu übergegangen, den Antrieb des GTX auch einfach als Pro 4MOTION zu verkaufen. Der GTX ist somit nur eine höhere Ausstattungsvariante.
M. meint
„Den Namen Golf sollen jedoch nur Fahrzeuge tragen, die diesen Anspruch in jedem Detail und in jeder Disziplin vollständig erfüllen.“
…und da ist der ID.3 neo trotz aller Fortschritte noch nicht. Das sehe ich auch so.