Die Dekarbonisierung des Straßengüterverkehrs schreitet voran. Friedrich Baumann, Vorstand für Vertrieb und Customer Solutions bei MAN Truck & Bus, erläuterte in einem Interview mit dem Portal nfz-messe.com, dass batterieelektrische Lkw für bestimmte Einsatzprofile bereits wirtschaftlich seien. Bei Fahrleistungen von mindestens 100.000 Kilometern pro Jahr und einer hohen Nutzung mautpflichtiger Autobahnen könne ein Break-even – die Gewinnschwelle – nach etwa drei bis dreieinhalb Jahren erreicht werden.
Die Wirtschaftlichkeit hängt laut dem MAN-Manager stark von der Energiequelle ab. Unternehmen, die eigenen Strom über Photovoltaik nutzen, könnten durch niedrige Kosten von rund zehn Cent pro Kilowattstunde Wettbewerbsvorteile gegenüber Dieselantrieben erzielen. Ein wesentlicher Faktor sei dabei die Integration von Infrastruktur wie Batteriespeichern oder das bidirektionale Laden, bei dem Fahrzeuge am Wochenende als Speicher für selbst erzeugten Strom dienen können.
Im Bereich der Wasserstofftechnologie setzt MAN Truck & Bus derzeit eine Kleinserie von etwa 100 bis 150 Fahrzeugen ein. Eine Großserie ist dem Unternehmen zufolge aufgrund der aktuellen Nachfrage und der hohen Kosten für öffentlichen Wasserstoff, die zwischen 12 und 18 Euro pro Kilogramm liegen können, noch nicht in Sicht. Für eine wirtschaftliche Nutzung wäre ein Preis zwischen 3 und 5 Euro pro Kilogramm erforderlich, erklärt Baumann.
Als größte Hürde für den Ausbau der Elektromobilität identifiziert der MAN-Manager nicht die Ladesäulen selbst, sondern die fehlenden Netzanschlüsse. Der Strombedarf steige, doch die Stromnetze seien über Jahre nicht ausreichend ausgebaut worden. Um diese Herausforderung zu bewältigen, arbeite der Nutzfahrzeughersteller unter anderem mit dem Energiekonzern E.On zusammen.
Der Dieselmotor wird bei MAN auch in Zukunft eine zentrale Rolle spielen. Das Unternehmen investiert weiterhin in die Entwicklung der Euro-7-Technologie und Verbrauchsreduzierungen. Baumann prognostiziert, dass Anfang der 2030er-Jahre etwa 40 Prozent der Lkw in Europa batterieelektrisch angetrieben sein werden. Dennoch bleibt der Diesel aufgrund der technologischen Reife und internationaler Märkte wichtig, auch wenn die Kosten durch zusätzliche Technik steigen könnten.
MAN plant, als internationaler Hersteller langfristig mit mehreren Technologien parallel zu agieren. Die Entscheidung für eine Antriebstechnik wird für Kunden zunehmend komplexer, weshalb laut Baumann die Beratung durch den Hersteller an Bedeutung gewinnt. Zukünftig werden seinen Worten nach technologische Schritte wie das Megawatt-Laden zur Verkürzung der Ladezeiten sowie die weitere Entwicklung des bidirektionalen Ladens den Markt prägen.

Jörg2 meint
Da im Transportgeschäft viele eigene Betriebshöfe existieren, die Fahrzeuge dort „ab und zu“ vorbeikommen, ist rs eine kluge Idee, dem E-Lkw-Käufer auch die benötige Ladeinfrastruktur anzubieten, vielleicht sogar den Strombezug und -verkauf zu organisieren und, wenn gewünscht, die Insellösungen unter einem Softwaredach in ein flächendeckendes Netz zu integrieren.
Gunnar meint
Ich kann CaptainPicard nur zustimmen. Auf welcher Grundlage wird ein Aufpreis von 150.000 € gerechtfertigt?
Wenn man pro kWh 100 € veranschlagt und 600 kWh verbaut sind, macht das 60.000 € Mehrkosten. Dafür fallen andere Komponenten weg. Tank weg, Abgasanlage weg, Verbrenner weg. Kühlsystem deutlich reduziert.
Ein Elektromotor kostet nur ein Bruchteil eines Verbrennungsmotors.
MK meint
Das Leben ist doch immer am schönsten, wenn andere Schuld sind. Dass MAN überhaupt erst 2025 die Serienfertigung fernverkehrstauglicher BEV-LKW aufgenommen hat und auch jetzt nur begrenzte Stückzahlen liefern kann, hat sicher nichts mit der noch geringen Verbreitung zu tun ;)
Futureman meint
Immerhin erkennt ein weiterer Hersteller, das im Wasserstoff keine Zukunft ist. Dazu die Erkenntnis, dass es für Speditionen sehr lukrativ ist, mit PV-Strom zu fahren. Zukünftig sind damit Lieferungen am Montag (E-LKW am Wochenende mit günstigen Strom geladen) günstiger als in der Woche (Laden am Schnelllader unterwegs). Viele spannende neue Marktbedingungen.
CaptainPicard meint
Nein, eure absurd hohen Preise sind der Hauptgrund. Bietet den E-LKW zu einem fairen Preis (50k-70k Euro Aufpreis gegenüber einem Diesel für die Batterien, nicht 150.000 Euro Aufpreis) an und schon werden viele Logistikfirmen auch bereit sein in Ladeinfrastruktur zu investieren.
Außerdem verrückt dass man in dieser schwierigen wirtschaftlichen Lage in der sich VW aktuell befindet weiterhin Geld für Wasserstoffspielereien verschwendet.