Die Bundesregierung hat sich kürzlich dazu bekannt, dass Deutschland in der Debatte um die EU-Flottengrenzwerte die Forderungen der Autoindustrie übernehmen und sich für Plug-in-Hybride einsetzen wird. Berechnungen der Umweltorganisation Transport & Environment (T&E) auf Basis eines Dokuments des europäischen Autoherstellerverbands ACEA zeigen Folgen der Forderungen für die europäischen Verbraucher: „weniger preiswerte E-Autos, massive Zusatzkosten für Ölimporte“.
Neue T&E-Berechnungen belegen demnach, dass die Forderungen der europäischen Autoindustrie nach schwächeren Flottengrenzwerten EU-weit zusätzlich 74 Milliarden Euro für Ölimporte kosten würden. Die Analyse stützt sich auf ein durchgesickertes Positionspapier des ACEA an die EU-Umweltminister. Die deutsche Regierung habe den ACEA-Standpunkt übernommen, den Verkauf umweltschädlicher Plug-in-Hybride zu verlängern – „ein Schritt, der, sollte er umgesetzt werden, den Übergang der europäischen Automobilindustrie zu vollelektrischen Fahrzeugen lediglich verzögern und den Abstand zu China vergrößern würde“, so T&E. Die Organisation kritisiert, dass sich die Bundesregierung trotz Ölkrise für Verbrenner einsetze, obwohl das Kaufinteresse an E-Autos aktuell hoch sei.
ACEA fordert in dem Papier, die Flottengrenzwerte 2030 über einen Zeitraum von fünf Jahren zu mitteln. „Das ist eine erhebliche Abschwächung im Vergleich zum Vorschlag der EU-Kommission, die das Ziel über drei Jahre mitteln will“, erklärt T&E. Außerdem fordert ACEA die Abschaffung des neuen Nutzfaktors, der die Emissionen von Plug-in-Hybride genauer erfasst. Diese Änderungen würden es den Herstellern ermöglichen, weitaus weniger E-Autos und weitaus mehr umweltschädliche Verbrenner zu verkaufen als unter dem aktuellen Ziel. Das könnte nach T&E-Berechnungen dazu führen, dass die E-Auto-Verkäufe für den Rest des Jahrzehnts bei ihrem derzeitigen Marktanteil von 21 Prozent stagnieren. Mit den aktuell bestehenden Flottengrenzwerten müssten sie auf 57 Prozent im Jahr 2030 steigen
„Die Autohersteller wollen Europas Ölabhängigkeit verlängern, statt den aktuellen E-Auto-Boom zu nutzen. In der Vergangenheit haben sie sich über mangelnde Nachfrage beklagt: Jetzt wäre sie da! Trotzdem will ACEA die Einführung von erschwinglichen E-Autos verzögern, auf die viele angewiesen sind, um umsteigen zu können“, sagt Sebastian Bock, Geschäftsführer von T&E Deutschland. „Am Ende zahlen Verbraucherinnen durch die hohen Spritkosten die Zeche. Die EU muss die Behauptungen der europäischen Industrie zurückweisen, dass eine Verschiebung der Elektrifizierung ihnen helfen würde, mit chinesischen Konkurrenten mitzuhalten. Die Zukunft ist elektrisch. Eine Verzögerung der Ziele schadet den Menschen und der Wettbewerbsfähigkeit Europas.“
Im Dezember schlug die EU-Kommission vor, das Ziel der Hersteller für 2035 von einer 100-prozentigen CO2-Reduzierung auf 90 Prozent abzusenken. Der Verband ACEA fordert eine weitere Absenkung auf 80 Prozent, durch Gutschriften in Höhe von 10 Prozent ohne Auflagen, sowie weitere 5 Prozent für Kraftstoffe, die weniger CO2 ausstoßen als Benzin, und 5 Prozent für kohlenstoffarme Materialien. T&E hat berechnet, dass der Anteil der E-Auto-Verkäufe 2035 dadurch nur 52 statt 100 Prozent betragen könnte. Die Kraftstoffgutschriften würden es den Autoherstellern ermöglichen, weniger E-Autos zu verkaufen, als Gegenleistung für nicht vorhandene Emissionseinsparungen.
Der ACEA-Vorschlag könnte laut T&E der EU zwischen 2026 und 2035 zusätzliche Kosten in Höhe von 74 Milliarden Euro für Ölimporte verursachen, weil weniger E-Autos den Rohöl-Bedarf weniger senken. Im Vergleich zur aktuellen Regelung könnten sich die CO2-Emissionen europäischer Autos zwischen 2026 und 2050 um bis zu 2,4 GtCO₂ erhöhen. Das entspricht den Emissionen der heutigen EU-Fahrzeugflotte über einen Zeitraum von mehr als fünf Jahren.
T&E fordert die EU auf, die derzeitigen Flottengrenzwerte beizubehalten und die Nachfrage nach Elektroautos durch ein ambitioniertes Gesetz für saubere Firmenflotten zu stärken. Der Entwurf dieser „Clean Corporate Vehicles Regulation“ sowie die vorgeschlagene Überarbeitung der Flottengrenzwerte werden derzeit vom Europäischen Parlament und den EU-Regierungen erörtert.

Affeldt meint
Eine Krise folgt auf die nächste, die Preise steigen und steigen, doch in unbeirrbares Dorf mitten in Europa bekämpft die fossile Energiekrise mit noch mehr Verbrennern und Gas- und Ölheizungen. Bravo, CDUCSUSPD, nix verstanden, 6, setzen.
Jeff Healey meint
Tja…, das kann ich nur unterschreiben. Nachhilfestunden bringen da wohl auch nichts mehr…, zwecklos.
Absolut Merkbefreit, unsere Volksvertreter.
Nur meine persönliche Meinung.
Lotti meint
Verbrenner Hersteller: Lobbyismus, Korruption, Verschmutzung, Geldgier, Dekadenz
Warum unterstützen das Menschen?
banquo meint
… und warum sind unter diesen Menschen Politiker mit christlichen Bekenntnis?
M. meint
Die Frage ist berechtigt.
Aber wer beantwortet mir die Frage, warum andere Menschen rechtsradikale, homophobe, demokratiefeindliche (und korrupte) Klimawandelleugner unterstützen?
Das verstehe ich auch nicht.
Lotti meint
Verbrenner Hersteller: Lobbyismus, Dekadenz, Verschmutzung, Geldgier.
Warum unterstützen das Menschen?