Robert Zurawski, Deutschlandchef von Vattenfall, kritisiert im Gespräch mit dem Handelsblatt die Maßnahmen der Bundesregierung zur Bewältigung der Folgen des Irankonflikts als fehlgesteuert. Er bemängelt insbesondere den Tankrabatt für Benzin und Diesel, der seit Anfang Mai gilt und laut seiner Berechnung Deutschland rund 1,6 Milliarden Euro kostet.
Statt einer Reduzierung der Energiesteuer auf Benzin und Diesel plädiert Zurawski für eine Senkung der Stromsteuer, um den Umstieg auf Elektroautos zu fördern. Er führt an, dass das Budget für den Tankrabatt seinem Unternehmen ausgereicht hätte, um 10.000 Schnellladesäulen mit insgesamt 20.000 Ladepunkten zu errichten.
Vattenfall hat sich in Deutschland vom klassischen Kraftwerksbetreiber hin zu einem Anbieter von erneuerbaren Energien entwickelt. Das Geschäft des schwedischen Energieunternehmens umfasst heute den Strom- und Gasverkauf an fünf Millionen Kunden sowie 40 Prozent der deutschen Pumpspeicherkapazitäten.
Das Unternehmen plant den Ausbau der Windkraft an Land mit rund 30 Projekten und einer Gesamtleistung von etwa 1,5 Gigawatt. Im Bereich der Offshore-Windkraft beginnt Vattenfall mit dem Bau des Windparks Nordlicht, der eine Leistung von 1,6 Gigawatt erreichen soll. Zudem befinden sich Solarparkprojekte mit 5,2 Gigawatt sowie angeschlossene Batterien mit einer Leistung von vier Gigawatt in der Entwicklung. Während bereits fünf Solaranlagen mit 0,15 Gigawatt im Betrieb sind, sollen fünf weitere Anlagen noch in diesem Jahr in Betrieb gehen.
Zurawski sieht in der politisch forcierten Transformation der Industrie ein „Industrieförderprogramm“ und die Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit. Er warnt jedoch vor einer Abschwächung des europäischen Emissionshandels durch geplante Reformen, da dies das Vertrauen der Unternehmen untergraben könnte.
Gleichzeitig weist der Vattenfall-Manager Vorwürfe gegen Wirtschaftsministerin Katherina Reiche zurück. Er bezeichnet die Darstellung der CDU-Politikern als „Fossillobbyistin“ als unrechtmäßig und sagt, dass die grundlegenden Ziele der Energiewende aus dem Wirtschaftsministerium nicht infrage gestellt würden.


MK meint
Wie wäre es als Zeichen gewesen, die Energiesteuer nicht explizit nur auf Benzin und Diesel, sondern allgemein zu senken? Dann wäre nämlich auch Strom billiger geworden, wo die Energisteuer weiterhin in voller Höhe bezahlt werden muss.
Dirk meint
Richtig. Man hätte statt sterbende Pferde zu pampern auch den Umstieg beschleunigen können, das hätte, wenn richtig gemacht, besonders den Ärmeren geholfen und wäre nachhaltig gewesen.
Aber die Fossilheads können ja so penetrante Heulsusen sein, wenn ihr Suchtstoff „ganz unerwartet“ wieder teurer wird.
Dann wird die Fehlentscheidung plötzlich zur Aufgabe der Regierung, sie zu retten.
Mike meint
Hätten’s halt laut kommunizieren sollen, als das Thema zur Debatte stand. Nicht erst, wenn es fertig ist.
Thorsten 0711 meint
Ich denke dieses Geld wäre in Lademöglichkeiten für Mehrfamilienhäuser besser angelegt gewesen.
Da steckt in meinen Augen ein großes Potenzial um Mieter zum Wechsel auf Emobilität zu bewegen.
Bei uns sieht es aktuell so aus in der Tiefgarage der Baugenossenschaft:
66 Stellplätze, davon lediglich 3 BEVs. 2 savon gehören meiner Frau und mir. Wallboxen: 0.
Die Wohnanlage umfasst 116 Einheiten. Auf der Straße stehen lediglich Verbrenner.
Jörg2 meint
Ne, in reale Geldauszahlungen an die Steuerzahler.
Dann würde davon auch bei denen etwas ankommen, die die Teuerungsrate aller Konsumgüter %ual am meisten trifft. Krankenschwester, Niedriglohnjobber, Alleinerziehende….
Ladesäulen sind etwas für Besserverdiener.
Nek meint
Stellt doch nicht immer die Krankenschwestern als arme Kirchenmäuse dar. Eine Krankenschwester/pfleger hat 3.200 bis 5.000 brutto. Und da kommen oft noch die ganzen Zuschläge dazu. In der Krankenpflege verhungert keiner.
Mrk meint
Mein Schwager arbeitet in der Krankenpflege, ich im Energiesektor mit einem für mein Empfinden sehr guten Gehalt.
Am Ende des Monats steht bei ihm dennoch mehr auf den Zettel. Zurecht, schließlich ist sieb Job wesentlich anstrengender und verantwortungsvoller als meiner, aber Krankenpfleger verdienen überdurchschnittlich gut.
Referendar meint
Richtig, anstatt Krankenschwester hätte er besser Tesla-Mitarbeiter als Beispiel nehmen sollen, wäre passender.
M. meint
Wie wäre es dann mit Netzausbau, um den günsrigen EE-Strom besser verwerten zu können, und damit Redispatchkosten zu sparen, und Arbeit hierzulande wettbewerbsfähiger zu machen?
Klar, das richtet man mit 1,x Mrd. nicht, aber ein Anfang wäre es…
Matthias meint
Ähemm, der Unterschied zwischen „von dem durch krisenbedingten höheren Ölpreisen erhöhten Tankstellen-Mehrwertsteueraufkommen nicht alles einsacken“ und „mal eben mehr für irgendwas ausgeben“ sollte auch einem Manager&Deutschlandchef klar sein. Was will er eigentlich mit 20000 mehr Schnellladern wenn die bisherigen 51000 allenfalls punktuell temporär mal ausgelastet sind?
Julian meint
Ja, das wäre n vielfacher Hinsicht deutlich sinnvoller gewesen:
Investieren statt konsumieren
Klimaschutz
Resilienz und Unabhängigkeit
Wertschöpfung
Aber das will ja keiner hören
Bär (NL) meint
Reine Analyse und vollkommen richtig. Offenbar basierend auf Wissen und Expertise.
Sie sind also für die Politik ungeeignet. :)