Die BMW Group beschleunigt ihre Anpassung an deutlich veränderte Marktbedingungen. Als Belastungen nennt der Konzern Rückgänge in China, einen verschärften globalen Wettbewerb, steigende regulatorische Anforderungen und geopolitische Konflikte. Mit dem Gesamtbetriebsrat wurde ein Personalstrukturprogramm vereinbart, das ein freiwilliges Aufhebungsprogramm für indirekte Funktionen in Deutschland umfasst.
Im zweiten Quartal 2026 wurde die Geschäftsentwicklung besonders durch die negative Marktentwicklung in China, den Wettbewerb im asiatisch-pazifischen Raum und die Folgen des anhaltenden Nahostkonflikts beeinflusst. Das Vorsteuerergebnis des Konzerns sank um 35,1 Prozent auf 1,697 Milliarden Euro. Milan Nedeljković, seit Mai neuer Chef des BMW-Konzerns, erklärte, die Ergebnisse des zweiten Quartals entsprächen der angepassten Prognose, die Zahlen des ersten und zweiten Quartals seien jedoch nicht zufriedenstellend.
Als Hauptgrund für die Prognoseanpassung im Juni bezeichnete Nedeljković die „rasante“ Verschlechterung der Marktlage in China. Weitere Belastungen waren neue Wettbewerber in Asien-Pazifik, Lateinamerika und Europa sowie Zölle, Handelsbarrieren, Wechselkurse und strengere regulatorische Anforderungen.
Fixkosten und Personalstrukturen im Fokus
Kurzfristig will BMW bereits laufende Kostensenkungen beschleunigen und mit Struktur- und Effizienzmaßnahmen die Fixkosten nachhaltig reduzieren. Die Auswirkungen sollen ab dem nächsten Jahr sichtbar werden. Die vereinbarten Personalmaßnahmen sollen nun umgesetzt werden, damit ihre Vorteile kurzfristig realisiert werden können. Berichten zufolge sollen rund 8000 Arbeitsplätze wegfallen.
Parallel hat der Konzern seine Wertschöpfungskette analysiert und Maßnahmen in vier Bereichen begonnen: Customer Journey, Organisationsstrukturen, Lieferanten und Einkauf sowie Entwicklung. In Europa wird ein neues Vertriebsmodell weiter umgesetzt, das einen Wechsel vom Wholesaler zum Retailer erfordert. Zudem sollen Kundenkontaktpunkte optimiert und verfügbare Daten für zusätzliche Geschäftsmöglichkeiten genutzt werden.
Innerhalb der Organisation soll künstliche Intelligenz Prozesse automatisieren, beschleunigen und die Entscheidungsfindung unterstützen. Im Einkauf prüft BMW die globale Verteilung der Wertschöpfung und eine Ausweitung des „Local-for-Local“-Ansatzes. In der Entwicklung sollen Standardisierung sowie gemeinsame technische Lösungen und Komponenten die Entwicklungsgeschwindigkeit erhöhen.
Im zweiten Quartal verzeichnete BMW eine starke Entwicklung in Europa und den USA, die Rückgänge in China und Asien-Pazifik teilweise ausglich. In Europa stiegen die Verkäufe batterieelektrischer Fahrzeuge um mehr als ein Drittel, während in den USA Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor für zweistelliges Wachstum sorgten. Die Leistung in China entsprach im bisherigen Jahresverlauf 2026 zumindest der allgemeinen Marktentwicklung.
E-Autos der „Neuen Klasse“ treffen auf starke Nachfrage
Die Markteinführung der Elektroauto-Plattform „Neue Klasse“ läuft nach Unternehmensangaben. BMW erwartet als nächsten Meilenstein 100.000 Bestellungen für die jüngste Generation des SUV iX3 und hat im Werk Debrecen vorzeitig eine zweite Schicht eingeführt. Seit Beginn der Serienproduktion in Ungarn wurden dort 50.000 Fahrzeuge des ersten Neue-Klasse-Modells produziert. Für das zweite Modell der Neuen Klasse, die Limousine i3, meldet der Hersteller ebenfalls eine starke Nachfrage nach der zuerst angebotenen „Launch Edition“. Der reguläre Bestellstart ist für Ende September vorgesehen.
„Die positive Resonanz auf den BMW iX3, den i3, die neue 7er-Reihe und den X5 zeigt, dass wir die richtigen Investitionen getätigt haben, um den Märkten das richtige Produktmomentum zu verleihen“, so Nedeljković. „Und es wird noch viel mehr folgen. Unsere Produktroadmap läuft weiterhin planmäßig: Bis Ende nächsten Jahres werden wir 40 neue und überarbeitete Modelle auf den Markt bringen.“ Dazu gehören für China entwickelte Langversionen des iX3 und i3, die in Shenyang produziert werden und Technologien lokaler Unternehmen integrieren.
BMW überprüft, welche Technologien, Modellvarianten und Antriebsstränge künftig benötigt werden und wo neue Partnerschaften wirtschaftlich und technologisch sinnvoll sein könnten. Der Konzern verweist auf Investitionen in die Neue Klasse, die Konsolidierung des Händlernetzes in China und Kosteneinsparungen von 2,5 Milliarden Euro im Jahr 2025.
„Die Herausforderungen in der gesamten Automobilindustrie nehmen rasant zu: Ein harter globaler Wettbewerb, steigende regulatorische Anforderungen und die Auswirkungen geopolitischer Konflikte werden unser Geschäftsmodell in den nächsten Jahren prägen. Daher gilt es, schlank und agil zu sein“, sagte Konzernchef Nedeljković. „Wir werden unsere Organisation und unsere Prozesse neu gestalten. Damit richten wir das Unternehmen auf die sich verschärfenden Rahmenbedingungen der kommenden Jahre aus.“

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