Jaguar hat eine Reihe geplanter Kommunikationsmaßnahmen im Rahmen seines Relaunchs als Luxusmarke für Elektroautos gestrichen. Dies geschah nach negativen Reaktionen auf die „Copy Nothing“-Kampagne im Jahr 2024. Das erklärte Gerry McGovern, der ehemalige Chief Creative Officer von JLR (Jaguar Land Rover), laut Automotive News.
Ein zentraler Punkt der Kritik war ein Video, das vor der Vorstellung des elektrischen Konzeptmodells Type 00 in Miami veröffentlicht wurde. Es zeigte eine diverse Besetzung aus androgynen Models in farbenfroher, ungewöhnlich geformter Kleidung. Kommentatoren kritisierten die Werbung als „woke“, darunter US-Präsident Donald Trump und Tesla-Chef Elon Musk.
McGovern erklärte in einem Podcast von Autocar, dass das Unternehmen Anpassungen vornehmen musste, da die Kommunikation aus Sicht der PR falsch interpretiert wurde. Die Wahl der Models sollte die Botschaft unterstreichen, dass die neu positionierte Marke eine „Kopie von nichts“ sei. Die visuelle Gestaltung der Personen habe diesen Aspekt widerspiegeln sollen. Weitere Kommunikationsmaßnahmen, die auf diesem Konzept basierten, wurden letztlich nicht veröffentlicht.
Auch die Entscheidung, das Konzeptmodell Type 00 in Pink zu lackieren, wurde von Kritikern als Zeichen für eine „woke“ Ausrichtung gewertet. McGovern zufolge sollte die Farbe lediglich an Miami, Flamingos und Art Deco erinnern.
Der Relaunch der Marke folgt auf Schwierigkeiten im Premiumsegment gegenüber Wettbewerbern wie BMW und Mercedes-Benz. Laut McGovern war Jaguar finanziell nicht erfolgreich und verzeichnete über Jahre hinweg Verluste. Die Neuausrichtung sei daher notwendig gewesen. Das bisherige Angebot aus Verbrennern, Plug-in-Hybride und einem ersten Vollstromer wurde eingestellt. Die Marke positioniert sich künftig als Anbieter weniger Luxus-Elektroautos.
Jaguar befindet sich nun in der finalen Phase des Verkaufsstarts der Limousine Type 01 als erstem Modell der Neuausrichtung. Nachdem bisher getarnte Prototype sowie kürzlich ein konkreter Ausblick auf das Interieur gegeben wurden, ist die endgültige Vorstellung für den Oktober geplant.

Elvenpath meint
Schwache Männer haben panische Angst vor allem, was (vermeintlich) woke ist.
Justin Case meint
Nach dem zweiten Weltkrieg war es das Anliegen verschiedener Forscher, die Frage zu klären, welche psychologischen Ursachen den Nationalsozialismus und ähnliche Bewegungen möglich gemacht haben.
Die Forschungsarbeiten von Theodor W. Adorno, Daniel Levinson und Elke Frenkel-Brunswik zur autoritären Persönlichkeit unmittelbar nach dem Krieg sind hier zu nennen. Frenkel-Brunswik, die 1938 als Jüdin aus Deutschland nach Amerika geflüchtet war entwickelte hierbei einen Test, in dem Probanden eine Bildfolge gezeigt wurde, in der ein Hund in kleinen Schritten aber im letzten Bild vollständig in eine Katze transformiert wurde.
Es stellte sich heraus, dass die Haltung derjenigen Probanden, die bis zum letzten Bild einen Hund erkennen wollten, am stärksten mit autoritären/ nationalsozialistischen Haltungen korrelierte. Das Ergebnis der Arbeit: Ambiguität und Ambivalenz (Mehrwertigkeit und Mehrdeutigkeit) wird von Menschen mit autoritärer Persönlichkeit abgelehnt.
Es kommt mir vor, als ob die heutige politische Rechte sich diese Erkenntnisse gezielt zunutze macht und eine antidemokratische, autoritär eingestellte Anhängerschaft im wesentlichen dadurch identifiziert, dass sie auf eigens dafür fabrizierte anti-trans und anti-woke Kampagnen anspricht.
Es ist beängstigend mit anzusehen, wie massiv und auf welche Bereiche des Lebens (hier: Jaguar-Werbung) sich dieser moderne Autoritarismus bereits ausgedehnt hat.
David meint
Das dürfte doch provoziert worden sein. Man wird sehen, ob es nutzen wird.
Shino meint
Gut so. Aber irgendwie glaube ich nicht, dass das daran lag.
EdgarW meint
Die Woke-Hasser sehen in jedem Gänseblümchen einen Angriff auf ihre Langweiler-Kultur und fangen laut an rumzuheulen – mimimimimi!
Die Folge, vor allem aufgrund ihrer gekauften Medienmacht: Cancel-Kultur in Reinstform. Wie auch bei ihren vielen anderen Behauptungen, tun sie genau das, was sie ihren Gegnern – mit Methode – immer und immer wieder vorwerfen, egal ob etwas dran ist (und mitunter ist es das natürlich, deshalb funktioniert es ja).
Ich hoffe, irgendwann verstehen das auch die einfacher Gestrickten und die Welt wird irgendwann wieder normaler, offener, pluralistischer und somit demokratischer werden können, sodass alle (nicht menschenfeindlichen) Kulturen wieder nebeneinander existieren können.
Marek meint
Man kann gerne offen und bunt leben. Man sollte es nur nicht jedem tagtäglich ins Gesicht schreien.
Oder möchtest du von mir täglich ein Update, dass ich hetero bin und was meine Pronomen sind? Die Werbung kann gerne die Mehrheitsgesellschaft abbilden.
Wenn in einer Werbung aber 3 farbige, 2 genderfluide und ein lesbischer Esel im Rollstuhl gezeigt werden ist das nicht die Mehrheitsgesellschaft, sondern einfach ober the Top lächerlich.
Justin Case meint
Gibt es tatsächlich echte(!) Menschen, die Dir täglich sexuelle Orientierung und ihre Pronomen ins Gesicht schreien? Oder ist es nur ein „social“-media-Feed, der Dir suggeriert, dies sei die Realität?
Mit ist dergleichen jedenfalls noch nie passiert.
Elvenpath meint
Seit Jahrzehnten wird uns bei jeder Gelegenheit Heterosexualität ins Gesicht geschleudert. Ob Werbung mit halbnackten Frauen, oder die Macho Bond Filme, groß gefeierte Hochzeiten etc.
Da beschwert sich niemand drüber. Aber wehe, Homosexuelle und Transsexuelle machen sich sichtbar. Dann heißt es gleich „man muss das ja nicht allen auf’s Auge drücken“.
Was du verlangst ist dass nur Heterosexualität sichtbar sein darf. Damit bist du ein Teil des Unterdrückungssystems.
Steffen meint
War ja klar, dass sich die Rechten auf alles stürzen und diffamieren, was ihnen nichts ins Weltbild passt. Ob es allerdings schlau war, den Korridor an Kunden so zu verengen steht auf einem anderen Blatt. Vorhersehbar war das ja absolut.
MK meint
@Steffen:
Denke ich mir auch: Wenn man einen Neustart als Elektroauto-Marke wagen will, ist ein anbiedern an Donald Trump (der laut aktuellen Umfragen auch in den USA nicht grade der beliebteste ist…) sicher nicht das erste, was ich tun würde. Die Erfahrung hat ja auch Tesla-CEO Musk schon gemacht…und dass er selber inhaltlich so weiter redet, scheint zumindest nicht hilfreich für Tesla zu sein…immerhin lag man da trotz eines insgesamt seitdem extrem gewachsenen BEV-Marktes auch im ersten Halbjahr 2026 beim Absatz wieder unter dem Rekord für ein erstes Halbjahr ins 2023.
M. meint
Ja, schlau war das nicht. Jaguar kennt man auch nicht als „woke“ Marke (wobei diese Eingrenzungen eh meist Schwachsinn sind), und das Auto selbst – ohne spezielle Farbe – strahlt das ja nicht aus. Das ist, salopp gesagt, ne fette Karre, und aus.
Ich wüsste jetzt nicht, warum die ausgerechnet vom linken Spektrum gewählt werden würde. Die passt rechts nicht schlechter.
Marek meint
Ob es allerdings schlau war, jeden möglicherweise elektrointeressierten Verbrennerfahren Dieseldieter zu nennen und afd-nähe zu unterstellen, wird so hnebenfals noch zeigen.
M. meint
Es gibt durchaus BEV-Fahrer, denen ich AfD-Nähe unterstelle. Aber nicht einfach so, sondern auf Basis von Statistik.
https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/unternehmen/elon-musk-warum-tesla-in-afd-hochburgen-so-beliebt-ist-accg-200670790.html
Future meint
Gegen die Macht und den Einfluss von Trump und Musk im Marketing hat natürlich auch Jaguar keine Chance. Vielfalt und »Wokeness« wurden ja deshalb in allen Unternehmen mehr oder weniger abgeschafft, weil eben gute Geschäfte mit Amerika gemacht werden müssen – jedenfalls in der öffentlichen Darstellung wurde das abgeschafft. Nachdem Jaguar die Kampagne also beendet hatte, wurde das Auto auch gleich überall viel besser kommentiert. Das war natürlich auch hier im Blog so nach der ganzen Empörung.