Aviloo, eigenen Angaben nach globaler Marktführer für Elektroauto-Batteriediagnose, hat seinen „Aviloo Certified EV Battery Report“ veröffentlicht. Es soll sich um die weltweit größte unabhängige Studie zur Batteriegesundheit gebrauchter E-Fahrzeuge handeln. Der Report wertet demnach über 500.000 einzelne, unabhängige Tests aus, die zwischen 2022 und 2026 an gebrauchten E-Autos in Nord- und Südamerika, Europa, Australien und Asien durchgeführt wurden, und deckt 20 gängige E-Auto-Modelle ab.
„Die Ergebnisse senden eine klare Botschaft an alle, die ein gebrauchtes E-Auto kaufen, verkaufen, finanzieren oder versichern: Batteriegesundheit sollte nicht vermutet, sondern unabhängig getestet werden“, so Aviloo. Jede Zahl in dem Report basiere dabei auf einer unabhängigen Messung durch das Unternehmen, nicht auf der Werksanzeige des Fahrzeugs. Diese könne je nach Hersteller stark variieren und spiegele den tatsächlichen Batteriezustand nicht immer zuverlässig wider.
„Die Batteriegesundheit am Markt ist insgesamt weiterhin robust“, heißt das Fazit. Doch die Aviloo-Daten zeigen deutliche Unterschiede – zwischen Modellen, aber auch zwischen einzelnen Fahrzeugen desselben Modells. Unterschiede, die groß genug sind, um den tatsächlichen Fahrzeugwert zu verändern.
Der Aviloo Certified EV Battery Report basiert auf Daten gebrauchter Elektrofahrzeuge, die mit dem unabhängigen Flash Test des Spezialisten geprüft wurden. Für jedes Modell zeigt die Auswertung den medianen Batteriezustand bei drei Kilometerständen (50.000, 100.000 und 150.000 km) sowie die Bandbreite, in der sich 99 Prozent der Fahrzeuge an diesen Punkten bewegen.
Der State of Health (SoH), also der Prozentsatz der ursprünglich nutzbaren Batteriekapazität, der noch vorhanden ist, sei die klarste Einzelkennzahl dafür, wie eine gebrauchte E-Auto-Batterie gealtert ist, erklärt Aviloo. Eine Batterie mit 95 Prozent SoH liefere noch rund 95 Prozent der ursprünglichen Reichweite pro Ladung.
Der Vergleich der drei Kilometerstände zeigt laut den Experten drei klare Muster: Erstens sinke die mediane Batteriegesundheit mit steigendem Kilometerstand. Zweitens würden die Unterschiede zwischen einzelnen Fahrzeugen mit der Laufleistung größer – Degradation sei real und nehme mit der zurückgelegten Strecke zu. Drittens blieben die Unterschiede zwischen den Modellen an allen drei Kilometerständen bestehen.
Vier E-Auto-Beispiele
Der Tesla Model Y (78,8 kWh) war drei Jahre in Folge das meistverkaufte Auto weltweit, unabhängig vom Antrieb. In den Aviloo-Daten liegt der mediane State of Health gebrauchter Model Y bei 94,5 Prozent bei 50.000 Kilometern und sinkt auf 90,3 Prozent bei 150.000 Kilometern – das entspricht einer realen Reichweite von rund 379 Kilometern pro Ladung, die auf etwa 362 Kilometer sinkt. Dieser Median beschreibt allerdings nur ein durchschnittliches Model Y, einzelne Fahrzeuge weichen davon um bis zu 11 Prozent State of Health ab, was rund 46 Kilometer realer Reichweite pro Ladung entspricht.
Der VW ID.4 (77 kWh) gehörte 2025 zu den meistverkauften E-Autos Europas: über 40.000 Stück allein im ersten Halbjahr. Die Batteriegesundheit reicht von 95,3 Prozent nach 50.000 Kilometern bis 90,6 Prozent nach 150.000 Kilometern, rund 373 Kilometer Reichweite, sinkend auf etwa 354 Kilometer. Einzelne Autos schwanken bei höheren Kilometerständen um bis zu 11 bis 12 Prozent SoH, das sind rund 45 Kilometer Unterschied in der Reichweite.
Der Hyundai Ioniq 5 (72,6 kWh) ist ein weiteres populäres E-Auto. In Aviloos Daten reicht der SoH von 97,2 Prozent nach 50.000 Kilometern bis 92,8 Prozent nach 150.000 Kilometern, rund 335 Kilometer Reichweite, sinkend auf etwa 319 Kilometer. Die Streuung zwischen einzelnen Autos wächst bis 150.000 Kilometer auf über 12 Prozent SoH, das sind rund 42 Kilometer Reichweite Unterschied.
Der Nissan Leaf ZE1 (40 kWh) hat die kleinste Batterie der vier Modelle, nur etwa halb so groß wie bei den anderen, und muss deshalb viel öfter geladen werden. Das sieht man auch in den Daten: Der SoH sinkt im Median von 91,1 Prozent nach 50.000 Kilometern auf 86,3 Prozent nach 150.000 Kilometern, durchgehend der niedrigste Wert im Vergleich. Auch die Streuung ist hier am größten: bis zu 13,5 Prozent SoH nach 150.000 Kilometern, das sind rund 29 Kilometer Realreichweite Unterschied. In der Praxis bedeutet das: Der mediane SoH entspricht nach 50.000 Kilometern rund 196 Kilometer Reichweite, nach 150.000 Kilometern sind es nur noch etwa 185 Kilometer, deutlich weniger als bei den anderen drei Modellen.
Batteriegesundheit hängt nicht nur vom Kilometerstand ab. Auch die Temperatur spielt eine wichtige Rolle: Sie beeinflusst, wie schnell eine Batterie altert und wie gut sie lädt. In kühleren Regionen lädt eine Batterie zum Beispiel langsamer, und sie verschleißt anders als in wärmeren Klimazonen. Aviloo betont die globale Reichweite seiner Batteriediagnose: Weil der Report auf Tests aus Nord- und Südamerika, Europa, Australien und Asien basiere, zeige er ein echtes Bild über alle Klimazonen und Fahrbedingungen hinweg.
„Was diese Daten wirklich zeigen: Durchschnittswerte verschleiern eine Menge. Ja, E-Auto-Batterien altern besser, als ihr Ruf vermuten lässt, aber das ist nicht die spannendste Erkenntnis. Viel wichtiger: Die Batteriegesundheit unterscheidet sich stark zwischen Modellen, und noch stärker zwischen einzelnen Autos desselben Modells“, sagt Marcus Berger, CEO von Aviloo. „Zehn oder fünfzehn Prozentpunkte Unterschied beim State of Health bedeuten einen echten Unterschied bei Reichweite, Wert und Verlässlichkeit. Ohne unabhängigen Test wissen Sie einfach nicht, wo Ihr Auto in dieser Bandbreite steht.“

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