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Mahle über Wasserstoff-E-Mobilität: „Einfach mal umsetzen und industrialisieren“

Mahle-Wassserstoff

Bild: Mahle

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Mahle, einer der größten Automobilzulieferer der Welt, hält trotz dem Trend zu Batterie-Elektroautos an seiner Strategie fest, Lösungen für diverse Antriebstechnologien voranzutreiben. Konzernchef Jörg Stratmann erklärte in einem Interview die Hintergründe.

„Wir wollen sowohl neue Antriebsformen vorantreiben, als auch unsere Position im Bereich der Verbrennungsmotoren weiter stärken“, so Stratmann im Gespräch mit der Automobilwoche. „Die Automobilindustrie ist in puncto künftiger Antriebstechnologien von einer großen Unsicherheit geprägt und steht vor sehr großen Herausforderungen.“

Der Mahle-Chef wünsche sich „eine größere Versachlichung der Diskussion“, dazu gehöre auch „eine klare Technologieoffenheit“. Für umweltfreundliche Mobilität sei es erforderlich, den individuellen Mobilitätsbedarf der Menschen stärker zu berücksichtigen. Welches Fahrzeug und welcher Antrieb der richtige sei, hänge maßgeblich von dem jeweiligen Einsatzzweck und Fahrprofil ab.

Neben der Batterie-Elektromobilität und der dazugehörigen Infrastruktur müssten auch andere Technologien vorangetrieben werden, meinte Stratmann – etwa Verbrenner mit alternativen Kraftstoffen, Hybride und Wasserstoff-Systeme. Bei letzteren arbeitet Mahle unter anderem mit dem US-amerikanischen Lkw-Startup Nikola Motor zusammen.

Die Abhängigkeit vom Verbrennungsmotor habe Mahle mittlerweile auf „deutlich unter 50 Prozent“ reduziert. Viele der aktuellen Produkte könnten sowohl in Verbrennern wie Hybriden oder rein elektrischen Fahrzeugen eingesetzt werden. Dazu würden diverse Filtrations- und Thermoprodukte, die Batterietemperierung sowie die klassische Klimaanlage gehören. „Und natürlich auch Produkte wie Traktionsmotoren aus unserem neuen Geschäftsfeld Mechatronik sowie die Leistungselektronik“, so Stratmann.

Mit Blick auf staatliche Fördermaßnahmen sprach sich der Zulieferer-Chef für einen Ausbau der Infrastruktur aus. Er wünsche sich zudem eine Förderung der Brennstoffzellen-Technologie, bei der mit Wasserstoff Energie für den E-Antrieb erzeugt wird. Auf der Fernstrecke sei dies „wahrscheinlich die beste Lösung“ – „insbesondere wenn sich der Wasserstoff mit regenerativer Energie herstellen“ lasse. Stratmann ist überzeugt: „Wenn es das Ziel sein soll, mit Fernverkehrs-Lkw emissionsfrei zu fahren, drängt sich die Brennstoffzelle förmlich auf.“

Damit sich die Brennstoffzelle im Verkehr durchsetzt, müsse Stratmann zufolge „jetzt einfach mal umgesetzt und industrialisiert“ sowie die Infrastruktur vorangetrieben werden. Man dürfe sich nicht rein auf die Rahmenbedingungen für Batterie-Elektroautos konzentrieren, sondern auch die Wasserstoff-Infrastruktur ausbauen. „Wir sollten nach Einsatzzweck und Fahrprofil entscheiden, welche Technologie eingesetzt wird. Das gilt für den Pkw wie auch für das Nutzfahrzeug.“

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