Bundeskanzler Friedrich Merz setzt sich dafür ein, dass die EU ihre geplanten strengeren Vorgaben für weniger Emissionen von Autos in Europa überdenkt. Nun sprechen sich sechs weitere Staats- und Regierungschefs der Europäischen Union dafür aus, das geplante Verbot von klassischen Verbrennerautos zu kippen.
Die Politiker fordern laut Bloomberg News in einem Schreiben an Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, dass die bevorstehende Überarbeitung der EU-Vorschriften für Neuwagen auch nach 2035 Plug-in-Hybride, Range-Extender-Elektroautos und Brennstoffzellentechnologie zulassen soll.
„Wir befinden uns an einem Wendepunkt sowohl für die Automobil- und Autokomponentenindustrie der EU als auch für die europäischen Klimaschutzmaßnahmen“, schreiben die Staats- und Regierungschefs von Bulgarien, Italien, Polen, der Slowakei, Tschechien sowie Ungarn. „Wir können und müssen unser Klimaziel auf effektive Weise verfolgen, ohne dabei unsere Wettbewerbsfähigkeit zu beeinträchtigen, denn in einer industriellen Wüste gibt es nichts Grünes.“
Die EU verschärft ihre Vorgaben für die Automobilindustrie in diesem Jahrzehnt deutlich, um den Verkehr sauberer zu machen. Ab 2035 sollen keine Neuzulassungen von neuen Autos, die fossile Kraftstoffe in Verbrennungsmotoren nutzen, mehr erlaubt sein. Das bedeutet in der Praxis den Umstieg auf Elektro- und Wasserstoffautos. Brüssel ist den Autobauern in diesem Jahr bereits entgegengekommen und ermöglicht die Mittelung der CO₂-Flottengrenzwerte für die Jahre 2025 bis 2027.
Aus der Industrie und Politik werden Stimmen lauter, dass die EU den Autobauern weitere Erleichterungen zugestehen soll. Die Branche hat mit großen Herausforderungen zu kämpfen, mit hohen Lohn- und Energiekosten, der schleppenden Nachfrage nach Elektroautos und dem globalen Wettbewerbsdruck, insbesondere aus China.
„Die vollständige Anwendung des Prinzips der Technologieneutralität ist entscheidend: Es ist offensichtlich, dass es auf dem Weg zur Dekarbonisierung keine Patentlösung gibt, und die Auferlegung einer einzigen technologischen Lösung hemmt Forschung, Innovation und positiven Wettbewerb“, so die Staats- und Regierungschefs in ihrem Schreiben vom 4. Dezember.
Eine weitere Abschwächung der Vorgaben für die Autoindustrie könnte die Klimaziele der EU behindern, da dadurch bis 2050 mehr CO2-emittierende Autos auf Europas Straßen bleiben würden. Die EU hat sich aber verpflichtet, bis dahin in ihrer gesamten Wirtschaft Netto-Null-Emissionen zu erreichen.
Die EU-Kommission wollte eigentlich in diesem Monat ein Maßnahmenpaket zur Unterstützung der Automobilhersteller vorstellen. Das Paket sollte am 10. Dezember veröffentlicht werden, verzögert sich aber. Nach aktuellem Stand sollen die Maßnahmen am 16. Dezember vorgestellt werden. Insidern zufolge könnte es jedoch wegen der laufenden Verhandlungen weitere Verzögerungen geben.

R2D2 meint
Es sind nicht 6 Länder, sondern die Tatsache das in ganz Europa nicht mal 20 Prozent der Neuzulassungen bevs sind…
Mary Schmitt meint
Symbolpolitik. Wenn Elektro greift, was man gerade spürt, dass es passiert, ist egal, was irgendwo auf Papier steht.
Steffen meint
Das ist so lächerlich und kommt ausschließlich von populistisch und/oder stockkonservativ geführten Ländern, schöne Gesellschaft für uns (wo es leider kaum besser bestellt ist).
Cjh1867 meint
Dieses Jahr werden es weltweit 22.000.000 Eautos verkauft und das mit einem Plus von 25%. Das sind 1/3 vom Weltmarkt und der ist rückläufig. Nur ein kleiner Teil davon kommt noch aus Europa.
Wir haben unsere Wettbewerbsfähig schon längst verloren. Ein Verbot das in 10 Jahren greift, ist daran nicht schuld.
Europa muss sich davon ein großes Stück zurück holen, weil Europa von Export lebt. Verabschiedet sich Europa nicht vom Verbrenner, verabschieden wir uns vom Weltmarkt.
Hoffe der Rest von Europa ist nicht zu dumm wie Deutschland.
Gerry meint
6 rückständige EU-Länder wollen den Fortschritt aufhalten. Schlau ist das nicht. 🙄
Futureman meint
Da vieles in der EU einstimmig abgestimmt werde muss, könnte es mit 6 Stimmen gegen ein bereits einstimmig beschlossenes Gesetz (zum Glück) eng werden.
mipu meint
Interessanterweise sind das zum Großteil die Länder, in denen von „unseren“, also den deutschen Herstellern, teure Produkte zum Niedriglohn hergestellt werden. Man möchte da wohl einfach einen Freundschaftsdienst leisten, damit die Produktion im Land bleibt. Im Prinzip steht man in diesen Ländern aber auf der sicheren Seite – wenn die Deutschen wegen ihrer Rückständigen Produkte den Betrieb einstellen müssen, kann man die Werke immer noch gut an die Chinesen verkaufen, die würden auch dort vermutlich gerne ihre Produktion aufziehen.
South meint
Yoa, da fällt sie die Maske. Nix mehr E Fuels / H und Technologieoffenheit oder Nachfrageschwäche nach E Autos, ne, es geht um Besitzstandwahrung der Industrie. ;-)
Und da reden wir von Luftschlössern. Natürlich könnten wir mit ein zwei Jahres später oder ein paar Ranges Extender, also etwas Luft, künstlich eingreifen. Helfen wird das aber fast nix, weil keine Firma von Technik bald unter 50% Marktanteil leben kann! Schon gar nicht wenn sich da viele Hersteller tummeln. Von mittelfristig ganz zu schweigen, weil sie wertvolle Zeit und Energie in alte Technik stecken, was den Abstand noch vergrößern würde. Keiner wird dauerhaft eine unbezahlbare Zombiindustrie durchfüttern.
Diese kurzfristige alte Denke kommt genau aus den Ländern mit radikalen Regierungen wie Italien (Meloni), Ungarn (Orban) und ein paar Ostblockstaaten.
Andi EE meint
„Wir befinden uns an einem Wendepunkt sowohl für die Automobil- und Autokomponentenindustrie der EU als auch für die europäischen Klimaschutzmaßnahmen“, schreiben die Staats- und Regierungschefs von Bulgarien, Italien, Polen, der Slowakei, Tschechien sowie Ungarn.
Da reibt man sich nur noch verwundert die Augen, wer für diese wichtige Sache einsteht. Ungarn hätte ich jetzt nie erwartet, könnte aber auch sein, dass man aus Prinzip gegen die wahrscheinliche Mehrheit stimmt. All die Staaten die Klimaschutzmaßnahmen als hochpriorisierte Staatsaufgabe postuliert und jede Menge Moral daraus abgeleitet haben, schwenken um und verabschieden sich aus Gründen 😉. Und die die keine Turbos waren sind jetzt dafür, *staun*.
Bulgarien, Polen, Slowakei und Tschechien überrascht mich nicht, die sind im Aufschwung und wollen sich nicht mit dem Museum vergesellschaften. Ich glaube diese Staaten sehen sich eher so wie China, wir sind unterbewertet, haben aber noch so viel Potenzial zum Wachsen / . Im alten Europa (Westen) versucht man den Besitz verteidigen, das ist der grosse Unterschied. Italien passt hier nicht so ins Bild, eigentlich ist Stellantis nicht wirklich ein Gewinner in diesem Umbruch. Auf der anderen Seite hat Italien beste Möglichkeiten mit EE / Solarkraft ein ganz grosser Player zu werden. Dass sich Spanien (auch sonnenreich) hier nicht anschließt, kann man wohl damit erklären, dass sie mit der Deutschen Autoindustrie verheiratet sind.
Andi EE meint
Alles falsch verstanden. 😄😄 Wie beim Bot, wird die initiale Botschaft nicht verstanden, kommt nur Müll raus. Das Verständnis der Umwelt ist das A und O für korrektes Handeln … hier definitiv nicht gelungen. 😉
banquo meint
Wenn man dieses Phrasen mit „industrieller Wüste“ und „Technologieneutralität“ liest kann man nur hoffen, dass die anderen 21 EU-Länder das nicht zulassen!
LOL meint
so oder so, die Automobilbranche wird sich in den nächsten Jahren dramatisch ändern
besser man ist nicht abhängig davon
ID.alist meint
Herr Merz suchst sich wirklich die besten Unterstützer.
Meloni, Babiš, Orbán das sind wirklich drei Menschen die das beste für Europa wollen (nicht).
In Bulgarien und der Slowakei sieht es nicht viel besser aus.
Mich wundert nur dass Polen unter Tusk da auch mitmacht. Die haben so gut wie nichts zu gewinnen, es sei denn die wollen ihre Stimme bei diesem Thema gegen was anderes austauschen.
E.Korsar meint
Tusk sitzt die PiS-Partei im Nacken. Da werden schonmal rechtspopulistische Themen übernommen.
eBikerin meint
Die Automobilindustrie ist für Polen ziemlich wichtig. Da stehen einige Werke, sowohl PKW als auch Werke von Zulieferern.
“ Die wichtigste polnische Exportbranche sind der KFZ-Industrie zu verdanken, dicht gefolgt von der Nahrungsmittelindustrie und dem Maschinenbau.“
Quelle Landeszentrale für politische Bildung BW
banquo meint
Ich bin auch bei einem Automobilzulieferer und wir wissen, dass wir an den Zukunftsprodukten arbeiten müssen. Die Branche braucht den Transfer um bestehen zu können.
Mäx meint
Da braucht es noch ein paar Unterstützer damit eine Abstimmung durchkommen würde.
Denn merke: Man hat sich bereits auf das fossile Verbrenner Zulassungsverbot geeinigt.
Es muss also eine neue Abstimmung geben, die die aktuelle Regelung kippt/ändert/erweitert.
Ansonsten bleibt es einfach bei der alten Regelung.
SEDE meint
Mäx, nein, das stimmt nicht wie du das schreibst. Es dürfen nach 2035 neue Verbrenner zugelassen werden, wenn Sie CO2 neutralen Kraftstoff tanken. Kann alles so bleiben, nur der Kraftstoff muß ausgetauscht werden.