Das Europäische Parlament hat einer Änderung der EU-Verordnung zur Berechnung von Emissionsgutschriften für schwere Nutzfahrzeuge zugestimmt. Sollte der Beschluss endgültig in Kraft treten, würde dies die CO2-Vorgaben für Lkw-Hersteller lockern.
Nach geltendem EU-Recht müssen die Emissionen neuer Lastwagen gegenüber dem Niveau von 2019 bis 2025 um 15 Prozent sinken, bis 2030 um 45 Prozent, bis 2035 um 65 Prozent und bis 2040 um 90 Prozent. Um diese Ziele zu erreichen, setzen Hersteller einerseits verstärkt auf Elektro-Lkw, andererseits auf effizientere Verbrennerfahrzeuge.
Der Vorschlag der EU-Kommission sieht keine Änderung der Etappenziele selbst vor. Stattdessen sollen Hersteller künftig leichter CO2-Credits erhalten, wenn sie Vorgaben übertreffen. Diese Gutschriften können sie in spätere Jahre übertragen und dort zur Einhaltung strengerer Ziele nutzen. So könnten sie Puffer aufbauen, bevor deutlich höhere Reduktionsanforderungen greifen.
Ein solcher Mechanismus existiert bereits, war bisher aber schwer nutzbar. Der Grund liegt in einer bislang geltenden linearen Zwischenkurve zwischen den Zieljahren. Diese schreibt jährliche Zwischenziele vor, sodass die erforderliche Reduktion etwa 2026 bereits bei rund 20 Prozent und 2027 bei etwa 26 Prozent liegt.
Genau diese Zwischenkurve soll nun für die Jahre 2026 bis 2029 entfallen. In diesem Zeitraum würde weiterhin das Ziel von 15 Prozent gelten, das eigentlich nur für 2025 festgelegt ist. Hersteller könnten dadurch leichter übererfüllte Reduktionswerte als Gutschriften sammeln. Liegt ein Unternehmen etwa 2026 bei 18 Prozent Reduktion, könnte es dafür künftig Credits erhalten und diese später einsetzen.
Bereits im Oktober hatten mehrere große Hersteller – Volvo Trucks, Daimler Truck, Scania, MAN, Iveco und Ford – in einem gemeinsamen Brief an die EU eine solche Änderung gefordert. Ihr Vorschlag zielte ebenfalls darauf ab, die Zwischenkurve zwischen den Zieljahren 2025, 2030 und 2040 abzuschaffen, damit zusätzliche Einsparungen aus den Jahren 2025 bis 2029 später angerechnet werden können.
Die EU-Kommission begründet die Anpassung unter anderem mit Defiziten bei der Ladeinfrastruktur für elektrische Lastwagen entlang der Autobahnen. Gleichzeitig könne das neue System Anreize schaffen, emissionsfreie schwere Nutzfahrzeuge früher auf den Markt zu bringen.
Kritik kommt vom Umweltverband NABU. Dessen Nutzfahrzeug-Experte Merlin Jonack warnt vor möglichen Folgen für den Markthochlauf: „Analysen zeigen, dass der Anteil emissionsfreier Lkw an den Neuzulassungen 2030 statt bei rund 35 Prozent nur noch bei etwa 18 bis 28 Prozent liegen könnte.“
Bevor die Änderung in Kraft treten kann, müssen noch die EU-Mitgliedstaaten zustimmen. Dies gilt jedoch als Formsache, da ihre Vertreter im EU-Rat der Anpassung bereits zugestimmt haben.

Tommi meint
Dann kann man sich bis 2029 Business-as-usual machen und dann wieder anfangen zu Jammern, dass die Ziele nicht erreichbar sind. Leute Leute, geht an die Arbeit. Die Umwelt wartet nicht. Wenn die Ladeinfrastruktur noch nicht gut genug ist, dann wisst ihr doch, was zu tun ist.
Micha meint
So läuft es leider immer wieder.
– Politik setzt Ziele fest
– Industrie tut nichts
– Industrie jammert, „Die Ziele sind nicht realistisch“
– Politik senkt Ziele herab
– Industrie tut nichts
– Industrie jammert, „Die Ziele sind nicht realistisch“
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