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DIW-Expertin Kemfert: E-Mobilität kann Teil neuer Energiearchitektur werden

05.08.2026 in Aufladen & Tanken von Thomas Langenbucher | 13 Kommentare

Bild: BMW (Symbolbild)

Die deutsche Industrie benötigt laut Claudia Kemfert saubere, bezahlbare und resiliente Energie. Das fordert sie in einem Beitrag für Fokus Swiss Online. Kemfert ist die Leiterin der Abteilung Energie, Verkehr, Umwelt im Deutschen Institut für Wirtschafts­forschung (DIW Berlin) und Professorin für Energiewirtschaft und Energiepolitik an der Leuphana-Universität in Lüneburg.

Die Expertin betont die Notwendigkeit einer neuen Energiearchitektur, die erneuerbar, dezentral, digital, flexibel und speicherstark ist. Erneuerbare Energien, Batteriespeicher sowie digitale Netze könnten als Standortvorteil fungieren. Durch diese Transformation können neue Wertschöpfungprozesse entstehen, was Bereiche wie die Batterieproduktion, das Recycling sowie die Kreislaufwirtschaft umfasst.

Die fossile Energiekrise hat laut Kemfert die Verletzlichkeit des Industriestandortes Deutschland aufgezeigt. Eine Abhängigkeit von importierter Kohle, Öl und Gas führe zu hohen Preisen, geopolitischen Risiken und fragilen Lieferketten. Eine Rückkehr zu fossilen Strukturen wäre „ein energiepolitischer Kurzschluss“.

„Batteriespeicher spielen eine Schlüsselrolle“

Batteriespeicher nehmen laut Kemfert eine Schlüsselrolle bei der Stabilisierung des Systems ein. Sie können Strom bei hoher Verfügbarkeit von Wind- und Solarenergie aufnehmen und bei steigender Nachfrage bereitstellen. Damit dienten sie als strategische Infrastruktur für die Versorgungssicherheit und Wettbewerbsfähigkeit.

Auch die Elektromobilität könne Teil dieser Energiearchitektur werden, erklärt Kemfert. Fahrzeugbatterien könnten künftig nicht nur Strom laden, sondern über bidirektionales Laden Flexibilität bereitstellen. Millionen Elektroautos würden dann zu mobilen Speichern.

Rund um Speicher entstehe zugleich eine neue industrielle Wertschöpfungskette. Batterieproduktion, Leistungselektronik, Wechselrichter, Software, Energiemanagementsysteme, Recycling und Kreislaufwirtschaft seien Zukunftsmärkte. Batterien sollten dabei nicht als Wegwerfspeicher, sondern als „Rohstoffspeicher“ gesehen werden, so Kemfert. Lithium, Nickel, Kobalt, Mangan, Graphit und andere Materialien müssten im Kreislauf gehalten, zurückgewonnen und wiederverwendet werden. Das reduziere Importabhängigkeiten, senke Umweltbelastungen und schaffe industrielle Kompetenzen in Europa.

„Die Standortgefahr liegt nicht in zu viel Transformation“

„Was die Industrie nicht braucht, ist eine Debatte, die den Eindruck erweckt, der Weg zurück in fossile Strukturen sei eine realistische Option“, sagt Kemfert. Fossile Energien blieben teuer, unsicher und klimaschädlich. Wer heute auf neue fossile Infrastrukturen setze, riskiere Lock-in-Effekte, Fehlinvestitionen und dauerhaft hohe Kosten. Die eigentliche Standortgefahr liege nicht in zu viel Transformation, sondern in zu wenig Tempo.

Deutschland brauche deshalb „Technologieklarheit: erneuerbare Energien als Rückgrat, Batteriespeicher als Stabilitätsanker, Elektrifizierung überall dort, wo sie effizient ist, grüner Wasserstoff gezielt dort, wo direkte Elektrifizierung nicht möglich ist, und Flexibilität als Grundprinzip“. Die Energiewende gefährde den Standort nicht – gefährlich wäre es, ihre Chancen weiter zu verschleppen.

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Via: Fokus Swiss Online
Tags: Emissionen, Nachhaltigkeit, Ökostrom, StromversorgungAntrieb: Elektroauto

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Über den Autor

Thomas Langenbucher ist Experte für Elektromobilität mit beruflichen Stationen in der Automobilindustrie und Finanzbranche. Seit 2011 berichtet er auf ecomento.de über Elektroautos, nachhaltige Technologien und Mobilitätslösungen. Mehr erfahren.

Leser-Interaktionen

Kommentare

  1. Futureman meint

    06.08.2026 um 08:18

    Es ist generell ein Riesenproblem, dass das Thema Autoakku nicht schon längst in die Versorgung mit eingebunden wird. Über eine Million PV-Anlagen sorgen mit einem „nur“ 10kWh-Speicher quasi für eine Autarkie in dem jeweiligen Haus. Das bedeutet mit den Millionen rumfahrenden bzw. stehenden Akkus aus den E-Autos mit im Schnitt mindestens 50kWh-Speicher ließen sich schon jetzt 5 Millionen Haushalte autark versorgen.
    Auf der anderen Seite wird von einer angeblich riesigen Versorgungslücke gesprochen, die ließe sich so innerhalb von Wochen schließen.
    Zum Glück lässt sich das ganze auch selbst in die Hand nehmen :-), gerade wieder ein Monat mit 0€ für Strom/Heizung(Kühlung)/Kraftstoff überstanden…

    Antworten
    • M. meint

      06.08.2026 um 12:21

      Kaum ein Haus in Deutschland ist wegen Batteriespeichern autark. Da ist auch egal, ob 10 oder 30 kWp, oder 10 oder 100 kWh.
      Dieser sogen. „Autarkiegrad“ zeigt nur die saisonale Reduzierung der Abhängigkeit.

      Ich schätze Kemfert schon, aber sie übersieht etwas:
      Nicht alle (zukünftigen) BEV-Fahrer haben ständigen Zugang zu einem Ladeplatz. Selbst wenn wohnortnah Infrastruktur geschaffen wird (was oft gar nicht der Fall ist), die ein BEV erst praktikabel macht, können nicht alle Nutzer dort gleichzeitig laden oder entladen. Und dann werden Autos ja auch nicht geladen, um STATIONÄR entladen zu werden, sondern auf der Straße. Nicht zuletzt erlaubt die Batteriealterung keine unbegrenzte Nutzung, wenn das Auto 20 Jahre fahren soll – am besten ohne Batterietausch, der viel teurer ist als im Keller.

      Daher muss man mit Prognosen zur Nutzbarkeit von Autos vorsichtig umgehen. Wer will und kann, sollte das machen. Aber mehr als 10% der theoretischen Kapazität würde ich da erstmal nicht ansetzen. Spezialisierte Speicher sind unter dem Strich günstiger, besser zu warten und besser verfügbar. Die müssen nicht plötzlich zum Arzt oder ins Büro.

      Antworten
      • MK meint

        06.08.2026 um 16:37

        @M:
        Einen Akku langsam zu laden und entladen erhöht die Lebensdauer gegenüber einer Nicht-Nutzung sogar.
        Und wieso sollte nicht langfristig jeder Platz in Deutschland, wo ein Auto stehen kann, auch einen 11 kW-Lader haben? Und bei 50 Mio. PKW, von denen im Schnitt 47 Millionen grade angeschlossen sind, kann man auch Notfälle einzelner Personen über statistische Mittelung berücksichtigen…zumal dann ja sowieso nur ein Bruchteil der angeschlossenen Autos grade aktiv genutzt wird, weil das ja schon viel mehr Leistung liefern könnte als benötigt wird.

        Antworten
        • MichaelEV meint

          06.08.2026 um 20:45

          „Und wieso sollte nicht langfristig jeder Platz in Deutschland, wo ein Auto stehen kann, auch einen 11 kW-Lader haben?“
          Weil die Rechnung dafür keiner zahlen will! Oder weil es nicht zum eigentlichen Zweck der Parkplätze passt. Oder weil es Ressourcen- und Platzverschwendung ist und Barrieren erzeugt. Gibt bestimmt noch mehr.

          Bin dafür, dass man mit solchen Forderungen einfach mit gutem Vorbild vorangehen sollte. Tut euch zusammen, gründet einen e.V., kauft/pachtet solche Parkplätze und baut eure Ladeinfrastruktur…

        • MK meint

          07.08.2026 um 13:38

          @Michael EV:
          Warum passt „Auto parken“ nicht zum eigentlichen Sinn eines Parkplatzes? Und warum ist es Platzverschwendung? Ein Durchschnitts-PKW in Deutschland steht 23 h am Tag rum und braucht einen Parkplatz…ob er dabei am Kabel hängt oder nicht, ändert ja nichts am Platzbedarf.

          Und warum sollte keiner die Rechnung zahlen wollen? Zwischen den Minimalpreisen und den Maximalpreisen pro kWh an der Strombörse liegt an vielen Tagen 1 €/kWh…da findet sich sicher jemand, der aus dieser Differenz seinen Gewinn ziehen will.

          PS: Wo ich arbeite, gibt es im Parkhaus aktuell 60 11 kW-Lader ohne Blockiergebühren für unbegrenzte Parkzeit und an mehr als 800 weiteren Parkplätzen liegen schon die Leitungen. Das, was ich beschreibe, ist also kein Wunsch von mir, sondern passiert längst.

  2. David meint

    05.08.2026 um 15:35

    Das ist ja keine neue Sache, dass alle Beteiligten beim Thema Stromversorgung keinerlei Interesse daran haben, dass sich der Verbraucher aus dem Fahrzeugakku oder einem stationären Akku in teuren Zeiten selber versorgt und in günstigen Zeiten einkauft. Dabei werden dir 32 kWh Speicher aus den richtigen Quellen nahezu nachgeworfen und ein gescheiter Wechselrichter kostet auch nicht die Welt. Aber man möchte nicht, dass der Verbraucher im großen Stil genau das macht, was das Netz signifikant stabilisieren würde.

    Antworten
    • Paule meint

      05.08.2026 um 17:50

      Nimm es mir übel, aber du erzählst absoluten Sülz. Ich bin mir 100% sicher, mein Lädchen hat schon mehr Batteriespeicher verkauft als du gesehen hast. Es tut wirklich weh was hier ungestraft verteilt werden darf. Bei deinem Tesla bashing verstehe ich ja noch die Motivation, aber bei dem Statement oben, was willst du erreichen? Dich maximal blamieren?

      Antworten
      • David meint

        05.08.2026 um 22:38

        Insgesamt bin ich der Moderation sehr dankbar, dass sie die Anzahl deiner Beiträge gut heruntergebracht haben. Aber wenn ich sowas wieder lese, muss ich leider fordern: Bitte schreibe hier nur noch mit Betreuung. In meinem Beitrag ging es um den nicht vorhandenen politischen und regulatorischen Willen, schnell die Tür für Technik zu öffnen, die unserem Netz hilft.

        Antworten
        • MichaelEV meint

          06.08.2026 um 13:57

          Die Tür wird aus nachvollziehbaren Gründen nicht geöffnet. Aus „die unserem Netz hilft“ wird ansonsten schnell das exakte Gegenteil.

      • THeRacer meint

        06.08.2026 um 06:58

        … welche warme Luft gibt Energieversorgerspezi Frau Reiche zu diesem Thema von sich?
        „Absolut“ falsch liegt der David nicht.

        Antworten
      • Peter meint

        06.08.2026 um 09:08

        Nein, er hat Recht. Die neuesten Gesetzesentwürfe von Reiche gehen genau in die Richtung, das besonders Kleinanlagen benachteiligt werden. Gleichzeitig dürfen Netzbetreiber den Einbau von Smartmetern weiter massiv und ungestraft verzögern und die Anzahl der benötigten Backup-Kraftwerke wird großzügig aufgerundet, steuerbare Speicher werden ebenfalls vernachlässigt. Gleichzeitig wird den Netzbetreibern eine (teilweise sinnvolle) Option der Priorisierung von Anschlüssen „nach gusto“ ohne nennenswerte externe Prüfung eingerichtet (es ist glasklar absehbar, dass das sehr weit über das technisch notwendige hinaus ausgenutzt werden wird). Ich denke, es ist unstrittig, dass wir etwas für das Netz tun müssen. Allerdings gehen alle Entscheidungen aktuell zu Lasten der Kleinanlagen und damit zu Lasten von Bürgern ohne größere Firma dahinter.

        Antworten
        • MichaelEV meint

          06.08.2026 um 13:28

          Aus „benachteiligen“ sollte man „weniger bevorteilen“ machen.

          An richtige Lösungen traut man sich nicht ran, also werden es schlechte. Auf jeden Fall kann es nicht einfach weiter gehen wie bisher.

    • MichaelEV meint

      06.08.2026 um 13:09

      Für ein solches Vorhaben müssten Preise realistisch die aktuelle Lage am Strommarkt und den Netzkapazitäten abbilden.
      Tun sie aber in vielen Fällen überhaupt nicht. Und unkoordiniert erzeugt man ggf. mehr Schaden als Nutzen. Deswegen ist es richtig diese Büchse nicht zu öffnen. Wie es bisher läuft, erzeugt schon Schaden genug…
      Erstmal endlich die Basics schaffen!

      Antworten

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