Ölmulti Shell hat mit dem Konzept „Triple 10 Challenge“ eine Vision für die Zukunft kleiner, fortschrittlicher Elektroautos vorgestellt. Das Projekt verfolgt drei zentrale Ziele: Eine Ladezeit von 10 Minuten an einem 175-kW-Schnellladepunkt, eine Effizienz von 10 Kilometern pro kWh sowie CO2-Emissionen über den Lebenszyklus von maximal 10 Tonnen.
Im Zentrum der Entwicklung steht eine neue, flüssigkeitsgekühlte Batterie, die in Zusammenarbeit mit dem Ingenieursunternehmen RML entwickelt wurde. Die Batterie besteht aus zwei Gruppen zylindrischer Zellen, die vollständig in einer von Shell entwickelten dielektrischen, nicht elektrisch leitenden Flüssigkeit eingetaucht sind. Im Gegensatz zu herkömmlichen Systemen wird die Kühlung hier direkt durch das Eintauchen der Zellen erreicht, statt Kühlmittel durch Rohre über den Modulen zu leiten.
Diese Methode ermöglicht den Angaben zufolge ein effektiveres Thermomanagement. Laut Toby Rockstroh von Shell, können viele Elektroautos zwar Spitzenladeraten von über 300 kW erreichen, diese seien jedoch durch die Kühlungssysteme oft nur kurzzeitig möglich. Wenn die Batteriezellen Temperaturen von etwa 60 Grad Celsius erreichten, reduziere das Thermomanagement den Stromfluss, wodurch die Leistung abfalle und die Batterie durch Überhitzung Schaden nehmen könne.
Konstante Schnellladeleistung durch neue Kühlung
Das neue System hebt diese thermische Einschränkung auf. Die 32 kWh nutzbare Batteriekapazität soll eine Laderate von 175 kW über die gesamte Dauer des Ladevorgangs halten können und einen Ladestand von 10 bis 80 Prozent in 10 Minuten ermöglichen. Zudem soll die optimierte Kühlung die Energierückgewinnung beim regenerativen Bremsen verbessern.
Durch die geringere Temperatur kann die Batterie zudem mit demselben Kühler wie der Motor und die Leistungselektronik verbunden werden. Dies reduziert Gewicht, Komplexität und Kosten. Ein weiterer Vorteil ist die erhöhte Sicherheit, da das System effektiver vor thermischem Durchgehen schützen soll. Auch die Reparierbarkeit und Recyclingfähigkeit sollen verbessert werden, da die Module im Gegensatz zu verklebten herkömmlichen Batterien durch einfaches Ablassen der Flüssigkeit entnommen werden können.
Nachhaltigkeit über die Batterie hinaus
Das Konzept setzt zudem auf nachhaltige Materialien: Das Chassis besteht aus recyceltem Aluminium, das nur 10 Prozent der CO2-Emissionen von neuem Material verursachen soll. Dach und Räder sind aus recycelter Kohlefaser gefertigt, während die Polsterung im Innenraum aus Flachs besteht.
Lars Nielsen, Global Business Development Manager für Shell Lubricants, sieht den Einsatz dieser Technologie vor allem in städtischen Gebieten. Dort, wo der Zugang zu Ladeinfrastruktur nicht ständig gegeben ist, sei schnelles Laden unterwegs entscheidend. Ein kleineres, leichteres und erschwinglicheres E-Fahrzeug mit kleinerer Batterie könne durch die hohe Ladegeschwindigkeit die „Reichweitenangst“ reduzieren.
Hinsichtlich der Rolle von Shell in der Dekarbonisierung erklärt Nielsen, dass das Konzept primär dem Schmierstoff- und Ladesegment zugutekomme. „Im Schmierstoffgeschäft blicken wir auf eine lange Tradition zurück, wenn es darum geht, unsere Kunden einzubinden und ihre Effizienz zu steigern, und wir knüpfen einfach dort an, wo sie gerade stehen. Sie bewegen sich in Richtung batterieelektrischer Fahrzeuge, und wir gehen denselben Weg.“ Zudem wolle man das Kundenerlebnis an Shell-Recharge-Stationen verbessern.
„Ich denke also, wir dürfen uns vor dieser Kritik, die möglicherweise aufkommen wird, nicht scheuen, sondern können uns auf die Fakten stützen und sagen, dass Greenwashing nicht unsere Absicht ist. Wir wollen vielmehr den Weg fortzusetzen, den wir vor vielen Jahren eingeschlagen haben, und diesen weitergehen“, so Nielsen. „Für uns steht die Technologie im Vordergrund, die wir präsentieren wollen.“


South meint
Schon klar, der nette Öl-Konzern nebenan.
Abzocke an der Tankstelle bis das Kartellamt klingelt…. und Shell wusste schon vor über 30 Jahren über den Klimawandel Bescheid und hat alles mögliche unternommen, da ja nix aufkommen zu lassen.
Bei so einem zurecht ramponierten Ruf braucht man natürlich ab und zu positive Public Relation..
Never ever würde ich auch nur noch einen Cent solchen skrupellosen Konzernen in den Rachen schieben…. um sowas würde ich sogar einen Bogen machen, wenn sie günstiger wären…
Anti-Brumm meint
Nach diversen Artikeln über Monster-SUV, Schaltruckel- und Abwürgsimulatoren und ähnlichem Unfug ist es sehr erfrischend über clevere Ingenieurslösungen für das Hauptbedürfnis leistbare Mobilität zu lesen.
Bitte mehr davon!
M. meint
Eigentlich ziemlich interessant. Mich interessiert vor allem diese neue Kühlflüssigkeit. Das ist der Part, wo ein Unternehmen wie Shell am ehesten Kompetenzen einbringen kann. Wie im Artikel steht, ist die direkte Kühlung selten. Der neue AMG GT macht das mit einem eigenen Ölkreislauf, aber die meisten Konstruktionen haben sowas nicht. Kühlplatten darunter und darüber kosten aber Bauraum in der Höhe, mit geringem Abstand zw. den Zellen kann man sie perfekt umspülen.
Falls das Auto an sich nicht kommt, braucht es auf jeden Fall mehr von dieser Kühltechnik in der Breite.