Laut einer neuen Prognose von Transport & Environment (T&E) werden Ölkonzerne in diesem Jahr viele Milliarden Euro „Übergewinn“ auf Kosten von europäischen Autofahrern machen. Die Umweltorganisation fordert eine zeitweilige Abgabe für die Unternehmen.
Die großen Ölkonzerne werden demnach 2026 in Europa voraussichtlich 24 Milliarden Übergewinn durch den Konflikt im Nahen Osten erzielen. Das zeigt ein neuer Tracker von T&E. Bereits jetzt hätten die Ölkonzerne 1,3 Milliarden Euro Übergewinn erzielt, so die Analyse. T&E fordert deshalb von der EU eine Steuer für Übergewinne. Die eingenommenen Mittel sollten dafür eingesetzt werden, Europäer für künftige Ölkrisen abzusichern.
Die Schätzung ist laut T&E insofern konservativ, als dass sie nur Kraftstoffe für den Straßenverkehr berücksichtigen und keine Übergewinne aus dem Verkauf von Kraftstoffen für die Luft- und Schifffahrt, Heizöl oder anderen in Europa verkauften Raffinerieprodukten einbeziehen würde.
2022 führte die EU eine Abgabe in Höhe von 33 Prozent auf Gewinne aus fossilen Kraftstoffen ein, die 20 Prozent über dem Durchschnitt der Jahre 2018 bis 2021 lagen. Dadurch wurden zwischen 2022 und 2023 Schätzungen zufolge rund 28 Milliarden Euro eingenommen. Dieser Mechanismus sollte erneut genutzt werden, fordert T&E.
Die Margen für die Dieselraffination in Europa haben sich stärker entwickelt als in anderen Regionen, was laut T&E auf einen strukturellen Mangel an heimischen Raffineriekapazitäten zurückzuführen ist. Im Gegensatz dazu fielen die Margen für Benzin aufgrund hoher Lagerbestände in den USA und Europa sowie einer schwachen saisonalen Nachfrage verhaltener aus.
„Die EU ist strukturell weiterhin stärker von Diesel- als von Benzinimporten abhängig“, erklärt T&E. „Da rund 20 Prozent des europäischen Diesels importiert werden, werden die Übergewinne in Nicht-EU-Ländern erzielt, was die Wirksamkeit einer etwaigen EU-weiten Sonderabgabe einschränkt.“


Thomas Claus meint
Wenn man Übergewinne abschöpfen will, dann müsste man auch Untergewinne entschädigen wie zb bei Corona. Das macht aber keiner. Ich halte das insgesamt für sehr fragwürdig. Außerdem geht das dann wieder zu Lasten der Autofahrer und der Staat kassiert doppelt. Wenn man es trotzdem macht, dann sollte man es an diejenigen zurück geben die hier übermäßig stark belastet werden. Man kann nicht immer und immer mehr von den einen nehmen um es dann immer den selben geben.
MK meint
@ThomasClaus:
Während Corona wurden hunderte Milliarden als „Corona-Hilfe“ an Firmen ausgeschüttet…dazu kommen weitere hunderte Milliarden staatliche Leistungen wie Kurzarbeitergeld. Also: Doch, Entschädigungen für Untergewinne gibt es und grade während der Corona-Maßnahmen wurden die noch mal vervielfacht und auch noch viel direkter gezahlt.
Paule meint
Mir ist nicht klar wie der Mechanismus funktionieren soll. Preise zu kalkulieren ist extrem einfach. Selbstverständlich werden die Posten aller zu zahlenden Steuern dabei berücksichtigt. Das machen schon einfachste Buchhaltungsprogramme automatisch in der Wawi. Erhöhen sich an irgendeiner Stelle die Kosten, erhöht sich der Preis. Im Gegensatz zu manchen Einzunternehmer, der seine Preise mit dem feuchten Finger im Wind macht, denken Konzerne noch nicht einmal darüber nach, welche Auswirkungen sich ändernde Steuersätze haben, das wird automatisch eingepreist.
MK meint
Vielleicht kann man es auch laufen lassen, wie es aktuell läuft: Kurzfristig mag das den Konzernen Rekordgewinne bescheren. Langfristig aber beschleunigen sie damit nur Energiewende, Wärmepumpen und eMobilität und damit ihren eigenen Untergang. Die meisten Manager denken halt an den aktuellen Jahresabschluss und nicht an das Ergebnis in 20 Jahren…
Vielleicht beschleunigen nun also 50 ct pro Liter Gewinnaufschlag der Konzerne das, was 2 Cent CO2-Abgabenaufschlag Anfang des Jahres nicht geschafft haben.
Ich habe für mich grade noch mal nachgerechnet: Vergleiche ich den aktuellen Spritpreis gerechnet auf den Normverbrauch (!) des Karoq mit meinem aktuellen Realverbrauch (zu dem gehört, dass ich erst heute morgen wieder eine Eisschicht von der Scheibe heizen musste…) meines Elroq mit meinen realen Ladekosten, spare ich als Vielfahrer grade über 300 € pro Monat. So rechnet sich das eAuto noch viel mehr als ich erwartet hatte…und es soll ja doch einige Autofahrer geben, die sich nicht von Idealismus und Stammtischparolen treiben lassen, sondern einfach nüchtern rechnen.
M. meint
Die Preise kann man so lassen, aber die Übergewinne sollte man trotzdem abschöpfen.
Der Umbau auf BEV wird so oder so 10 bis 15 Jahre dauern, selbst im Optimalfall.
Aber da der Ölpreis gerade einbricht, vielleicht auch länger.
Die Orange sucht einen Ausweg aus dem selbst verursachten Dilemma, doe wird dem Regime in Teheran deutliche Zugeständnisse machen müssen, immerhin sind in diesem Jahr noch Wahlen.
MK meint
@M.
Es kommt aber doch grade wie immer: Sind die Spritpreise an den Tankstellen mit Anstieg des Ölpreises sofort sogar schneller gestiegen als der Ölpreis, obwohl noch „alter“ Sprit in den Tanks war, sinkt der Spritpreis nur sehr langsam wieder ab: Stand 12 Uhr zur täglichen Spritpreiserhöhung war: Öl mehr als 16% unter Vortagespreis, Diesel und Benzin jeweils rund 1,5% unter Vortagespreis: Heißt: Steigende Ölpreise haben steigende Gewinne bei den Ölkonzernen verursacht, wieder fallende Ölpreise verursachen noch mehr Übergewinne bei den Ölkonzernen. Und wenn in 2 Wochen die Waffenruhe tatsächlich endet? Oder sie gar nicht erst hält (Israel hat schon direkt Trump in seiner Aussage, diese gelte für den gesamten Nahen Osten, widersprochen und neue Angriffe geflogen) Oder man feststellt, dass auf Grund von Kriegsschäden die verfügbare Ölmenge gar nicht so schnell steigt? Dann steigt der Ölpreis wieder…und die Spritpreise? Steigen dann nochmal?
Grade die Reaktion jetzt auf den fallenden Ölpreis wird sicher nochmal den ein oder anderen (aber natürlich nicht alle) aufwachen lassen: Die Leute merken: Fällt der Ölpreis, sinkt der Spritpreis nur um einen Bruchteil davon mit der (richtigen) Begründung, dass ja Energiesteuer und CO2-Abgabe sowie Herstellkosten und Unterhaltskosten der Tankstelle vom Ölpreis unabhängig sind. Steigt der Ölpreis aber um 10% steigen merkwürdigerweise auch die Spritpreise um 10% und diese anderen Kostenanteile spielen keine Rolle mehr.
Zumal man ja sagen muss, dass die Erhöhungen am Wochenende eigentlich die an Feiertagen üblichen Erhöhungen zum Reiseverkehr waren und die Senkung danach auch eigentlich der üblichen Preisreduzierung nach solchen Feiertagen entspricht…der Ölpreis scheint hier noch gar keinen Einfluss zu finden.
MK meint
@M.
Und noch ein Nachtrag: Grade habe ich gelesen, dass der Iran immer noch keine sichere Fahrt durch die Straße von Hormus zugesichert hat.
Die Meerenge war ja nie wirklich durch eine physische Barriere blockiert, sondern nur von der Drohung, durchfahrende Schiffe anzugreifen. Und jetzt? Denken Sie, die Versicherer, die zuletzt das Versichern der durchfahrenden schiffe verweigert haben, vertrauen einfach darauf, dass weder das iranische Terrorregime noch Mr. „was interessiert mich mein Geschwätz vom vorherigen Satz“ Trump in den USA die Waffenruhe vorzeitig aufkündigen?
Bei dem ganzen Thema geht es ja nicht um tatsächlich bestehende Engpässe oder tatsächlich bestehende Blockaden, sondern einzig und alleine um das Vertrauen in eine sichere Versorgung/sichere Durchfahrt. Und zumindest ich schenke dieses Vertrauen in diesem Konflikt keinem der Beteiligten und so werden es auch viele Versicherer sehen.
F. K. Fast meint
Die nüchternen Rechner findest du eigentlich nur in Dacia-Modellen fahrend.
MK meint
@F.K.Fast
Naja, ich fahre einen Elroq für fast 50.000 € Liste und gehöre wie Sie zuvor sehen konnten auch zu besagten nüchternen Rechnern.
Außerdem sind bei Neuwagen nun Mal Firmenkunden entscheidend. Und da gibt es doch sehr viele, die nicht nach Emotionen, sondern nach Kosten entscheiden und auch den Einfluss laufender Kosten verstanden haben. Da fängt dann plötzlich der Pflegedienst mit 50 Corsa in der Flotte an zu rechnen, ob man trotz Investitionen in eigene Lademöglichkeiten beim nächsten Fuhrparkwechsel nicht doch auf einen Schlag auf die Elektroversion anstelle des Benziners setzt…wenn Handwerkbetriebe 25 VW Transporter plötzlich mit Elektroantrieb statt mit Diesel bestellen usw. Und das ist doch das, was die Zulassungszahlen nicht direkt zeigen, den Tankstellen aber richtig weh tut: Wenn der Corsa als Zweitwagen einer Familie mit einer Jahresleistung von 5.000 km vom Verbrenner zum eAuto wird, ist das zwar ärgerlich, aber nicht weiter schlimm. Wenn aber ein Pflegedienst, der sagen wir mal 36.000 km pro Fahrzeug und Jahr fährt (entspricht 100 km am Tag), ist das halt das siebenfache…also gleiche Fahrzeuganzahl, aber siebenfach höhere Auswirkungen für Tankstellen und Mineralölkonzerne.
Und um das ganze zu verallgemeinern: Generell dürften es eher die Vielfahrer sein, die diese Rechnung aufmachen, weil es bei denen halt absolut gesehen um mehr Geld geht. Auch wenn es nicht dauerhaft exakt so bleiben würde, nur mal die gesponnene Annahme, die Differenz von 300 € pro Monat würde ein ganzes Berufsleben bestehen…dann hat man zur Rente einfach mal 150.000 € gespart. Wenn man das richtig anlegt, hat man noch mal deutlich mehr.
Mäx meint
Nur der Vollständigkeit halber: Anfang des Jahres gab es keinen Aufschlag wegen der CO2 Abgabe.
Der festgelegte Korridor gilt zwischen 55€/tCO2 und 65€/tCO2, wobei 55€/tCO2 dem Wert für 2025 entsprechen.
Kann teurer, muss aber nicht.
Jetzt aber das Eigentliche: Der Korridor (also die Versteigerung) greift erst ab Juli 2026; bis dahin gilt der Wert aus 2025 weiter.
Die Medien haben aber fleißig lanciert, dass es 2026 wieder teurer wird, teils sagte man sogar ab 1.1. und so hat sich keiner über den Sprung zum Jahreswechsel, den es gar nicht hätte geben dürfen, mehr gewundert.
Nun wird es im Juli sobald die Versteigerungen laufen wieder teurer werden, weil jetzt ja erst die Erhöhung der CO2 Abgabe stattfindet…
M. meint
Die Forderung unterstütze ich, aber die rechtlichen Hürden scheinen sehr hoch zu sein.
Wenn (falls) man sie nimmt, könnte der Preis aber so bleiben, das Geld muss nur sinnvoll investiert werden und nicht einfach im Bundeshaushalt versacken.
-> niedrige Einkommen unterstützen, Bahn und e-Mobilität gezielt fördern.
Peter meint
Die ganze Forderung ist Blödsinn. Wie definiert man „Übergewinn“ rechtssicher und wie rechnet man den „Übergewinn“ rechtssicher aus dem Gesamtgewinn heraus? Oder anbders: Wie errechnet man „moralisch gerechtfertigten Gewinn“ und wie „moralisch nicht gerechtfertigten Gewinn“? Und das ganze rechtssicher? Das ganze Prozedere würde mit Klagen überzogen werden und sich über Jahre oder gar Jahrzehnte hinziehen. Deswegen ist im aktuellen Rechtsrahmen (Grundgesetz, BGB und Co.) die Forderung nach einer „Übergewinnsteuer“ (leider) völlig sinnlos, weil es das „Recht auf Gewinnerzielung“ berührt. Und in der real existierenden Planwirtschaft habe ich jahrelang selbst gelebt, das ist auch keine so gute Alternative.
Gunnar meint
Übergewinn ist doch ziemlich einfach darstellbar. Nur ein mögliches Szenario: Nimm den Durchschnittsgewinn der letzten 10 Jahre als Relation und ziehe davon den Übergewinn seit 01.03.2026 ab. Das wäre so einfach.
Peter meint
Die Antwort bezog sich nur auf die oft geäußerte Forderung nach einer „Übergewinnsteuer“. Den Teil „niedrige Einkommen unterstützen, Bahn und e-Mobilität gezielt fördern.“ unterstütze ich. Aber wir haben ja Verbrenner-Markus, Hocheffizienz-Fritz und Gas-Kathi am Start.