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VDA fordert schnelleren Ausbau der Lade- und Wasserstoffinfrastruktur für Lkw

01.09.2026 in Aufladen & Tanken, Transport von Thomas Langenbucher | 2 Kommentare

Mercedes-eActros-Ladeanschluss

Bild: Daimler Truck (Symbolbild)

Der Verband der Automobilindustrie (VDA) sieht die unzureichende Lade- und Wasserstofftankinfrastruktur als wesentliches Hindernis für den Markthochlauf klimafreundlicher Nutzfahrzeuge. Dazu hat der VDA nun eine ausführliche Stellungnahme veröffentlicht.

Knapp 30 Prozent der CO₂-Emissionen auf Europas Straßen werden demnach durch den Schwerlastverkehr verursacht. Deutsche Hersteller bieten laut dem Verband bereits CO₂-neutrale Lösungen und Fahrzeuge an, während die notwendige Infrastruktur nicht ausreichend vorhanden sei. Bis 2030 würden nach Angaben des europäischen Autoherstellerverbands ACEA europaweit etwa 35.000 öffentlich zugängliche MCS-Schnellladepunkte (Megawatt Charging System) und insgesamt bis zu 50.000 Lkw-geeignete Ladepunkte benötigt.

Für den Fernverkehr misst der VDA der MCS-Technologie besondere Bedeutung bei, damit Fahrer gesetzlich vorgeschriebene Lenk- und Pausenzeiten bestmöglich einhalten können. Allein in Deutschland seien 2030 rund 4000 öffentliche MCS-Ladepunkte erforderlich. EU-weit standen im Juli 2026 dagegen lediglich 730 Ladepunkte mit einer Mindestleistung von mehr als 350 kW exklusiv für schwere Nutzfahrzeuge zur Verfügung. VDA-Präsidentin Hildegard Müller bezeichnet die unzureichende Ladeinfrastruktur als „zentralen Engpass für den Markthochlauf elektrischer Nutzfahrzeuge“.

Ladeinfrastruktur für E-Lkw bleibt hinter Bedarf zurück

In Deutschland waren im Juli 2026 an 88 Standorten insgesamt 355 Ladepunkte für schwere Nutzfahrzeuge in Betrieb. Bis 2030 sieht die Planung der Nationalen Leitstelle Ladeinfrastruktur entlang wichtiger Verkehrskorridore 350 öffentliche Ladestandorte mit insgesamt 4200 Ladepunkten vor, darunter 1800 MCS- und 2400 CCS-Ladepunkte. Müller verweist darauf, dass derzeit weniger als ein Zehntel der geplanten Ladepunkte in Betrieb sei. Der VDA fordert zudem, den Ausbau der MCS-Infrastruktur zusammen mit den benötigten Stromnetzen bedarfsgerecht auszuweiten.

Die europäische AFIR (Alternative Fuels Infrastructure Regulation) sieht bis 2030 entlang der Autobahnen rund 2000 Lkw-Ladestandorte mit mindestens 3600 kW Leistung je Standort vor. Nach Einschätzung des VDA reicht dies nicht aus, um europaweit die benötigten 35.000 öffentlich zugänglichen MCS-Schnellladepunkte bereitzustellen. Der Verband fordert deshalb, die für 2027 vorgesehene Neubewertung der CO₂-Flottenregulierung für schwere Nutzfahrzeuge vorzuziehen und die Umsetzung der AFIR jährlich zu überprüfen. Müller verlangt außerdem eine stärkere Kopplung regulatorischer Anforderungen an den tatsächlichen Markthochlauf und will Strafzahlungen für Nutzfahrzeughersteller vermeiden.

Die Ladeinfrastruktur ist innerhalb der EU laut dem VDA sehr ungleich verteilt: 65 Prozent der ausschließlich für schwere Nutzfahrzeuge verfügbaren Ladepunkte befinden sich in Schweden, Deutschland und Frankreich. In Polen und Tschechien gibt es bislang keine exklusiven Ladepunkte dieser Leistungsklasse für schwere Nutzfahrzeuge. Der Verband sieht dadurch erhebliche Unsicherheiten bei der grenzüberschreitenden Routen- und Ladeplanung für Speditionen. Müller fordert deshalb höhere Anforderungen innerhalb der AFIR sowie Ladeinfrastruktur auch außerhalb des TEN-T-Kernnetzes.

Depotladen und Betriebskosten als weitere Schlüsselfaktoren

Neben öffentlichen Ladepunkten bezeichnet der VDA das Depotladen auf Betriebshöfen als zweite tragende Säule der Infrastruktur. Von einem für Deutschland bis 2030 prognostizierten Bedarf von knapp 14 GW Ladeleistung deckten die Pläne für den öffentlichen Ausbau 2,6 GW ab, sodass mehr als 11 GW über private Depotlademöglichkeiten bereitgestellt werden müssten.

Müller kritisiert hohe Kosten, lange Genehmigungsverfahren und Unsicherheiten bei Netzanschlüssen – bei Industriebetrieben und großen Lkw-Ladehubs könne deren Erweiterung teilweise bis zu zehn Jahre dauern. Die Lobbyistin fordert einen europaweit harmonisierten Genehmigungsrahmen, verbindliche Genehmigungsfristen und leistungsfähige Stromnetze.

Auch bei Wasserstofftankstellen sieht der VDA erheblichen Ausbaubedarf. Bis 2030 seien europaweit rund 2000 Lkw-geeignete Wasserstofftankstellen mit etwa zwei Tonnen Kapazität pro Tag erforderlich, davon rund 300 in Deutschland. Derzeit gebe es EU-weit rund 150 Wasserstofftankstellen mit 350 Bar und 168 mit 700 Bar; 31 Prozent der Wasserstofftankinfrastruktur befänden sich in Deutschland. In vielen EU-Ländern, insbesondere in Ost- und Südeuropa, gebe es keine Wasserstofftankstellen für Lkw.

Für den Markthochlauf emissionsfreier Lkw hebt der VDA zudem die Betriebskosten der Fahrzeugbetreiber hervor. Eine nach CO₂ gespreizte Lkw-Maut könne die Gesamtbetriebskosten emissionsfreier Lkw senken und ihre Attraktivität gegenüber konventionellen Fahrzeugen erhöhen. Der Verband fordert deshalb eine CO₂-Komponente in der Lkw-Maut aller EU-Länder und verweist auf die vollständige Mautbefreiung für emissionsfreie Lkw in Deutschland. Bei der nächsten Überprüfung der EU-Mautrichtlinie sollen die Regelungen zur CO₂-Maut nach Forderung des VDA für die Mitgliedstaaten verbindlicher werden.

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Via: VDA
Tags: Ladestationen, Lkw, Schnellladen, VDA, Wasserstoff-TankstellenAntrieb: Elektro-Nutzfahrzeuge

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Über den Autor

Thomas Langenbucher ist Experte für Elektromobilität mit beruflichen Stationen in der Automobilindustrie und Finanzbranche. Seit 2011 berichtet er auf ecomento.de über Elektroautos, nachhaltige Technologien und Mobilitätslösungen. Mehr erfahren.

Leser-Interaktionen

Kommentare

  1. South meint

    01.09.2026 um 16:37

    Auf gar keinen Fall. Technologieoffen heißt nicht, dass der Staat ohne Verstand alles fördern muss. Der Staat sollte nur CCS oder MCS fördern, denn es ist hier wirklich abzusehen, dass es einen Bedarf gibt und dieser fehlt bei dem zudem noch deutlich teureren und technisch komplexerem Wasserstoff.
    Der Verband täuscht bewusst. 30% Schwerlastverkehr heißt nicht 30%igen Bedarf an H Fahrzeugen, weil davon viel gar nicht Fernstrecke ist. Wir sollten eher wie andere Staaten fördern. Wer für eine unwahrscheinliche Lösung wie Wasserstoff ist, muss dafür auch privat finanziell in einem wesentlichen Umfang haften. Das ist so eine Unsitte in der BRD.
    Der Staat kann mal Geld versenken z.B. bei Grundlagenforschung, aber bei einer direkten Förderung muss es eine verbindliche finanzielle private Beteiligung, eine Haftung geben oder eben der Nutzen wurde schon nachgewiesen. Alles andere ist Vollkaskomentalität auf Kosten der Gesellschaft, auf Kosten anderer Unternehmer!

    Antworten
  2. F. K. Fast meint

    01.09.2026 um 11:00

    Die Hersteller haben verlernt, selbst zu agieren und fordern immer nur von anderen über ihr Sprachrohr der VDA. Erst fordern sie hüh, dann fordern sie hott.

    Antworten

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