Volkswagen sieht sich mit seiner kürzlich vorgestellten künftigen Ausrichtung gut gerüstet für eine emissionsfreie und autonome Zukunft der Mobilität. „Mit unserer Strategie New Auto werden wir Volkswagen bis 2030 neu erfinden“, sagte Vorstandschef Herbert Diess auf der Hauptversammlung des Konzerns.
„Innerhalb der nächsten 10 Jahre wird das Auto nachhaltig, sicher, intelligent und schließlich autonom fahren. Individuelle Mobilität steht vor einer glänzenden Zukunft. Mit unseren starken Marken und weltweiten Technologieplattformen haben wir einen klaren Plan, um auch in der neuen Welt der Mobilität eine führende Rolle zu spielen“, so Diess.
Innovationsfähigkeit, Technologiekompetenz, Geschwindigkeit und Größe würden in Zukunft immer wichtiger. Mit seiner Fähigkeit, Plattformen global zu skalieren, wolle der Volkswagen-Konzern seine Marktanteile in der E-Mobilität noch ausbauen. Diess bekräftigte seine Überzeugung, dass sich nur mit der E-Mobilität die CO2-Emissionen im Straßenverkehr in den nächsten zehn Jahren signifikant senken ließen und verwies auf die jüngst vorgestellten Pläne der EU-Kommission. „Unser Ziel: Weltmarktführer für E-Fahrzeuge werden“, betonte der Volkswagen-Boss.
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Aktuell läuft es gut bei Europas größtem Automobilhersteller: Bis Ende Juni stiegen die Auslieferungen trotz Pandemie im Vergleich zum Vorjahreszeitraum deutlich um 27,9 Prozent auf rund fünf Millionen Fahrzeuge. Der Konzern übergab dabei in den ersten sechs Monaten 170.939 reine Elektrofahrzeuge an Kunden – mehr als doppelt so viele wie im Vergleichszeitraum des Vorjahres. „Mit 26 Prozent Marktanteil hat der Volkswagen Konzern in Europa im ersten Halbjahr mehr Elektro-Autos verkauft als jedes andere Unternehmen“, freute sich Diess.
Mit einer eigenen Produktion in den Kernmärkten China und USA sieht sich Volkswagen gut aufgestellt, die E-Mobilität global schnell weiter hochzufahren. „Wir gehen davon aus, dass unsere Margen in der E-Mobilität und im Verbrenner-Geschäft bereits in zwei bis drei Jahren auf demselben Niveau liegen werden“, sagte Diess. Als Grundlage für die jährliche Planungsrunde im November habe der Konzern die ursprüngliche Spanne für die operative Umsatzrendite im Jahr 2025 von 7-8 Prozent auf nun 8-9 Prozent erhöht.
Marken im Fokus
In der Markengruppe Premium erzielte Audi als führende Marke im ersten Halbjahr 2021 einen Auslieferungsrekord. Im Fokus stehen derzeit die Elektrifizierung und Digitalisierung des Modellportfolios. „Kein anderer Premiumhersteller bietet ein vergleichbares Angebot an E-Autos“, so Diess. Das Angebot werde Audi nun weiter ausbauen, unter anderem durch das Projekt Artemis. „Damit entwickelt Audi einmal mehr modernste Technologien für den gesamten Konzern“, sagte der Konzernchef. Diese würden auch bei Bentley eingesetzt. Die Bündelung der britischen Luxusmarke mit Lamborghini und Ducati in der Markengruppe Premium ermögliche es, die Technologie von Audi in einem noch höheren Preissegment zu positionieren und von höheren Skaleneffekten zu profitieren.
In der Markengruppe Volumen treibe die Kernmarke Volkswagen mit ihrer Strategie Accelerate die Elektrifizierung und Digitalisierung ihres Portfolios ebenfalls mit Nachdruck voran. Die Marke wolle bis 2025 bei batterieelektrischen Fahrzeugen Weltmarktführer im Volumensegment werden. Sie baue mit ihrer breit angelegten vollelektrischen ID.-Familie mit den Modellen ID.3, ID.4, ID.5 und ID.6 sowie dem im kommenden Jahr folgenden ID. Buzz das bisher umfassendste Produktportfolio der Branche in diesem Bereich auf, unterstrich Diess. Zur Rolle der Marke sagte er: „Mit dem Zukunftsprojekt Trinity bringt Volkswagen die Artemis-Technologie in das Volumensegment, wie schon beim E-Antrieb mit dem Elektro-Baukasten MEB.“
Ein Beispiel sei der kürzlich vorgestellte vollelektrische Seat Cupra Born, der auf der MEB-Plattform aufbaut. Die Marken Seat und Cupra verfolgten einen ambitionierten Elektrifizierungsplan und investierten dafür bis 2025 rund fünf Milliarden Euro. Die Marke Škoda setze ihre Modelloffensive ebenfalls fort. Diess: „Der neue Octavia ist mit Hybrid-Antrieben und seiner Internetfähigkeit das Vorbild seiner Klasse. Mit dem Enyaq ist Škoda in die Ära der E-Mobilität vorgestoßen.“
Die Marke Volkswagen Nutzfahrzeuge sei gemeinsam mit dem Joint-Venture Partner ARGO AI technologisch Vorreiter bei der Entwicklung von autonomen Shuttles für Städte wie dem ID. Buzz AD. Gleichzeitig habe sie kürzlich den neuen T7 auf Basis des MQB vorgestellt, der erstmals auch mit Plug-in-Hybrid-Antrieb angeboten wird, so Diess. „Volkswagen Nutzfahrzeuge entwickelt sich mehr und mehr zu einer Lifestyle-Marke. Der neue T7 ist innovativ und digital, komfortabel und funktional. Im nächsten Jahr bringen wir unser bislang emotionalstes Elektrofahrzeug auf den Markt, den ID. Buzz.“
In der Markengruppe Sport setze die Marke Porsche ihren Erfolgskurs mit hohem Tempo fort. Sie habe in den ersten sechs Monaten des Jahres ein hohes operatives Ergebnis und einen Auslieferungsrekord erzielt. „Porsche spielt mit nachhaltigen Gewinn-Margen von über 15 Prozent in einer eigenen Liga. Sogar in einem schwierigen Jahr 2020 hat Porsche seine zweistellige Profitabilität aufrechterhalten. Die Marke ist stärker als je zuvor“, sagte Diess. Der Auftragsbestand der Elektroauto-Reihe Taycan liege aktuell bei vier bis fünf Monaten. Die Marke Bugatti solle vorbehaltlich behördlicher Zustimmungen in ein Gemeinschaftsunternehmen mit Rimac eingebracht und elektrifiziert werden.
Im Nutzfahrzeuggeschäft erziele Traton im ersten Halbjahr voraussichtlich einen Umsatz von 13,6 Milliarden Euro und erreiche damit das Niveau des gleichen Zeitraums im Vorkrisenjahr 2019. Der Auftragseingang von mehr als 170.000 Fahrzeugen bedeute einen Rekord für die ersten sechs Monate. Gleichzeitig wurde die Übernahme von Navistar erfolgreich abgeschlossen. Dazu sagte Diess: „Durch die Übernahme von Navistar hat Traton seine globale Präsenz weiter ausgebaut. Damit ist das Unternehmen auf der Zielgeraden seiner Global-Champion-Strategie. Künftig wird Traton den chinesischen Markt verstärkt in den Fokus nehmen.“ Auch bei der Elektromobilität wolle Traton weiter beschleunigen. In Forschung und Entwicklung würden hier bis zum Jahr 2025 insgesamt 1,6 Milliarden Euro fließen.
alupo meint
Diess und Musk sind sich doch freundschaftlich verbunden und stehen privat in engem Kontakt.
Warum schaffen es die jeweiligen Anhänger nicht auch etwas mehr Respekt gegenüber „der anderen Seite aufzubringen“? Klar dass das Niveau im Internet im Durchschnitt nicht den IQ von den beiden CEOs erreuchen kann, aber muss man sichvso gegenseitig anfeinden?
Der Gegner ist der Verbrenner und damit doch die Unternehmen, die davon nicht oder viel zu spät davon ablassen wollen.
EdgarW meint
Ausschlaggebend ist ja, dass der andere „größte Automobilhersteller der Welt“, Toyota (denen der Titel tatsächlich gebührt, VW hatte nur kurz an der Spitze gelegen und strebt sie unter Diess auch nicht mehr an – was ich für sehr vernünftig halte), bei BEV immernoch im Dämmerschlaf ist, während VW als erster großer Hersteller auf reine BEV-Plattformen gesetzt hat, was bedeutet, dass sie beinahe nicht anders können, als Weltmarktführer bei BEV zu können. Wenn man sich die Produktionspower des Konzerns und die umfangreichen Pläne auf den Märkten, die auf BEV setzen ansieht, sieht es auch sehr nach einer Bestätigung aus.
Noch ein paar Betrachtungen: Der VW-Konzern hat 2020 9,3 Mio Pkw ausgeliefert, Hyundai/Kia 3,7 Mio. Bei Letzteren sehe ich ein paar Modelle kommen, VW/Audi/Skoda/Seat/Porsche & Co hauen beide Marke jährlich neue BEV-Modelle raus. Die Koreaner haben somit auch, sagen wir, begrenzte Chancen, hier die Marktführerschaft zu erlangen. Stellantis hat einiges im Portfolio, aber noch keine reine BEV-Plattform in Produktion und die Amis Ford & GM haben kaum bis keine Absatzmärkte in Europa, auch btgl. China / Asien höre ich wenig von den klassichen Amerikanern, während VW klassisch in China stark ist und dort das dritte Werk (gleichzeitig das erste 100% eigene) plant. Die Unkenrufe bzgl. China haben wir auf Andi EE ja bereits als eben nur solche enttarnt.
Bleiben die chinesischen Hersteller, aber trotz großer Erfolge im eigenen Makrt müssen sie sich erstmal außerhalb beweisen. Das werden sie, aber das geht nunmal auch nicht von heute auf morgen, auch zB Toyota hat ein paar Jahrzehnte gebraucht.
EdgarW meint
ein paar oopsies:
„als Weltmarktführer bei BEV zu können“ -> „als Weltmarktführer bei BEV zu werden“
„hauen beide Marke“ -> „hauen je Marke“
und wo wir schon dabei sind:
„btgl“ -> „bzgl“
„Makrt“ -> „Makrt“
EdgarW meint
Ich hatte hier Tesla nicht behandelt, sie werden sicher einen guten bis sehr guten Platz bekommen. Aber sie müssen dafür immernoch sehr sehr stark wachsen, über viele Jahre. Wird interessant :-)
MichaelEV meint
Alle anderen müssen aber ebenso sehr sehr stark wachsen, um in Summe (BEV + ICE) nicht zu schrumpfen. Das wird noch viel interessanter.
Swissli meint
Eine Marktlücke in Europa wären E-Kleinwagen, zumindest bis 2025 (geplanter Markteintritt von VW). Wenn BYD mit ihrem Dolphin spät. Ende 2022 in den europäischen Markt käme, könnten sie ziemlich abräumen. Der Designchef ist vielleicht nicht zufällig ein Deutscher (Ex-Audi).
Andi EE meint
Mal das lesen …
https://www.focus.de/finanzen/boerse/vws-e-offensive-in-china-vw-vor-katastrophe-in-china-neues-modell-besteht-nicht-mal-gegen-chinesische-marken_id_13517356.html
EdgarW meint
Zahlen sehen und verstehen sind zwei verschiedene Dinge, Focus beherrscht Letzters nicht besonders. Ist aber gut darin, auffällige Überschriften zu produzieren.
VW hat erst gg. Ende März die ersten ID.s in China ausgeliefert, ID.6 ist gestern gestartet und VWs E-Auto Produktion ist besonders in China von Halbleiter-Lieferschwierigkeiten betroffen. Letzteres so VWs Angaben, entscheide jeder selbst, wie er das bewertet. Pseudo-Fakten-Fakten-Fakten-Focus ist jedenfalls keine zuverlässige Informationsquelle.
WELT meint
Ich hab im Vorfeld geraten wer als erste geposted hat und ich lag – wie so oft – richtig – Andi EE. Dazu mit seinem üblichen Hass auf VW. Schön, dass Sie jedenfalls den Focus zitieren. Das Klatschblatt, welches sich in eine Linie mit BUNTE und BILD einreiht.
Fakt ist. ID4 im März in China gestartet und die Produktion ist im Hochlauf. Im Juni, das wird nicht im Focus Artikel erwähnt, wurden schon 2900 Stück verkauft, also ca. alles, was in den 3 Monaten zuvor verkauft wurde. Im Juli, halten Sie sich fest, werden es nochmal deutlich mehr. Weiterhin startet seit diesem Monat der ID6 in China. Der sollte erst Ende des Jahres dort starten, aber es ist ein 7 sitzer – also ein richtiger, nicht mit 2 Sitzen im Kofferraum. Das lieben die Chinesen. Dementsprechend hat auch VW frühzeitig den Bau eine dritten Werkes in China angegangen. Wieso baut man ein drittes Werk? Sicherlich nicht, wenn die Aussichten schlecht sind.
Aktuell also folgende Werke:
1 in Europa, 2 in China / 2021 dann 2 in Europa, 2 in China, 1 in den USA / 2023 geht es munter weiter mit neuen Werken.
Am schönsten finde ich aber, wenn man den Vergleich Verkäufe VW zu TESLA ins Verhältnis setzt.
2020:
VW ~134.000 BEV
TESLA ~ 500.000 BEV
Ca. 27% von TESLA.
Jetzt, mit dem Q2/21:
VW ~111.000 BEV
TESLA ~201.000 BEV
Ca. 55% von TESLA.
Dabei ist VW quasi nur in Europa derzeit aktiv, denn wie Sie selber festgestellt haben – China läuft erst langsam an. Im Q3 ist VW jedenfalls noch dichter dran und in Q4 noch näher. Kommendes Jahr zieht VW dann endgültig vorbei. Ist ja auch klar. Der Kunde hat eine immer größere Auswahl. Bei der Modellvielfalt kann TESLA nicht mehr mithalten…und das ist erst VW gewesen. Mercedes kommt ja kommenden Monat mit dem EQS – dem neuen Reichweitensieger – auf den Markt.
Elon hat ja auch schon aufgegeben bezüglich Reichweite. Erst sagte er immer Reichte über alles und jetzt, nachdem die Reichweite des EQS bekannt wurde ist er der Ansicht, dass man nur um die 600km benötigt. Hahaha…
EdgarW meint
@WELT weil einer VW hatet, muss man nicht im Gegenzug Tesla haten. Tu ich jedenfalls nicht, mögen beide maximal erfolgreich mit ihren BEV sein. Und ja, natürlich hat VW nach Umwandlung von ein paar Werken (Hannover und Emden sollen 2022 umgestellt sein, auch Wolfsburg wird zu 2025/26 [Artemis] erste umgestellte Fertigungslinien haben) mehr Produktionskapazitäten, Tesla baut aber auch mächtig zu und das freut mich ausdrücklich!
Deine Zahlen „Jetzt, mit dem Q2/21“ (ich ehme an Q1+Q2 ist gemeint?) sehen jedenfalls interessant aus, muss ich mal nachlesen.
WELT meint
@ Edgar:
Nein, die 111.000 BEV sind im Q2 erreicht worden, von ~60.000 BEV in Q1. Alleine durch die unzähligen Modelle seitens VW wird der Absatz wesentlich schneller steigen und das wird durch mehrere Fabriken seitens VW begünstigt.
Einfach mal schauen was dieses und kommendes Jahr an Modell rauskommt.
MichaelEV meint
„Wie man in den Wald hinein ruft, so schallt es heraus“ Verstehen viele leider nicht.
Solange es einen Verkäufermarkt gibt (und das wird noch lange der Fall sein), kann man aus den Daten viele unsinnige Schlüsse bzgl. der Nachfrage ziehen. Hat man bisher mit Vorliebe mit Tesla betrieben, jetzt wird diese Methodik halt auch anders herum genutzt. Beides ist falsch.
EdgarW meint
@WELT danke für’s Richtigstellen!
MichaelEV meint
Vielfalt kostet. Und in einem produktionslimitiertem Verkäufermarkt steht dem eher kein zusätzlicher Ertrag gegenüber. Wie so oft möchte man einen Nachteil als Vorteil verkaufen bzw. umgekehrt einen Vorteil als Nachteil.
Mäx meint
Heißt doch aber nicht, dass man daran nichts ändern kann oder?
VW hat ja nicht gesagt wir sind im Moment Weltmarkführer für BEVs vor allem in China.
Tesla wurde auch immer totgesagt und lebt immer noch.
Warum darf VW dann nicht ihre Produkte verbessern?